Wegberg: Jubiläum für Literarisches Quartett bei Premiere für Wegberger Literaturtage

25. Literarisches Quartett bei den ersten Wegberger Literaturtagen : Literatur im Auge des Betrachters

Getreu dem bekannten Fernsehformat wurden beim 25. Literarischen Quartett neu erschienene Werke von Literaturkennern vorgestellt. Dabei leitete Inge Koch-Wittmann die Gespräche darüber mit Fragen und Impulsen an.

Zur Premiere der „Wegberger Literaturtage in der Mühle“ unter dem Motto „3 TageBuch“ gab es ebenso für Inge Koch-Wittmann Neuerungen. So war sie mit ihrem 25. Literarischen Quartett erstmals außerhalb von Erkelenz präsent. Zudem stellte auch sie ein Buch in der Gesprächsrunde auf der Bühne vor – zuvor hatte sie jahrelang die Veranstaltungen ausschließlich mit Fragen und Gesprächsimpulsen moderiert. Ansonsten führte sie das Format, das sich an der Fernseh-Literaturrunde orientiert, nach bewährtem Muster und in angestrebt gleicher Qualität wie vorher durch, bemerkte sie am Rande. Gerne habe sie die Wegberger Literaturtage durch ihre Teilnahme gefördert. Als Gesprächspartner saßen ihr Ursula Alberty, Michael Heckers und Ulrich Kirch zur Seite.

Auslöser für das Auflegen einer eigenen Version des Quartetts 2002 war das Aus des Originals im ZDF mit Marcel Reich-Ranicki gewesen. Geht es ebenso wie im früheren oder derzeit wieder aufgelegten Fernsehformat auch um die jeweilige Vorstellung neuer Literatur mit anschließendem, teils kontrovers darüber geführtem Gespräch, gibt es jedoch regionale Besonderheiten. So durften von Beginn an die Zuhörer in der Schlussrunde mitdiskutieren, und ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgskonzeptes ist die Live-Musik im kleinen Ensemble. So ließen auch an diesem Abend Wolfgang Wittmann an der Gitarre und Sängerin Thao My Le Pop-Titel neben einer instrumentalen Eigenkomposition zwischen den Lesebeiträgen hören.

Unter dem Gedanken „Was gibt es Schöneres, als mit netten Menschen über gute Bücher zu sprechen?“ hatte das Quartett in der gut besuchten Wegberger Mühle vorne Platz genommen. Nach Begrüßung durch Kulturring-Vorsitzenden Willy Meersmann, der den Riesenerfolg der Lesung mit Wolfgang Hohlbein vom Abend zuvor gerne noch steigern wollte, starteten die Akteure ins literarische Geschehen. Dabei hatte Meersmann die Literaturkenner eingeladen und Koch-Wittmann die Bücher ausgewählt.

Die angekündigte Weltreise trat zunächst RP-Redakteur Michael Heckers mit „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie an. Mehr als 600 Seiten stark und in sieben Teile gegliedert, ist darin von einer jungen Nigerianerin zu erfahren, die zu Studienzeiten in den USA lebt, während ihr Freund versucht, in England Fuß zu fassen und nach Nigeria zurückkehren muss. Das Leben in den Staaten sei von rassistischen Pauschalierungen geprägt, beschrieb Heckers ein wichtiges inhaltliches Merkmal des Romans, der starke autobiografische Züge aufweist. Er bescheinigte der Autorin eine wunderbare, intelligente Form des Erzählens.

Ursula Alberty stellte den – nach Koch-Wittmann eher novellenhaften – Roman „Willnot“ vor. Trotz des Fundes von vier Leichen warte man auf erklärende Informationen vergebens, erzählte sie. „Vielleicht sind die Leichen Anlass, um über Leben und Tod zu philosophieren.“ Alle vier waren sich einig, dass es kein Krimi ist. Ganz in die Nähe, nämlich nach Köln, führte Ulrich Woelks Buch, das Inge Koch-Wittmann als Los gezogen hatte. Darin erinnert sich Astrophysiker Tobi im Jahr 2014 an den Sommer 1969, in dem er als Elfjähriger die erste bemannte Mondlandung miterlebte.

Durch die neuen Nachbarn prallen eine eher spießige und eine „Hippie“-Welt aufeinander. Dazu spielt das Werk „Löwen wecken“, das Buchhändler Ulrich Kirch besprach, in Israel: Zentral ist hier ein tödlicher Autounfall. Darüber hinaus werden kulturelle Besonderheiten und politische Missstände thematisiert. Teils kontroverse Gespräche spiegelten die Auffassungen und Interpretationen der jeweiligen Redner eindrücklich wider.

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