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Wegberg: Hauptschüler bringen Kriminalfälle zu Papier

Schreibwerkstatt an der Hauptschule Wegberg : Klasse 7a bringt Kriminalfälle zu Papier

18 Kurzkrimis enthält die Geschichtensammlung der Klasse 7a. Autor Peter Schmidt besucht die Schreibwerkstatt am Grenzlandring – und hält ein Plädoyer für das Lesen.

Ein betrunkener Familienvater, der mit Tempo 150 kurzerhand eine Fußgängerin auf dem Zebrastreifen überfährt. Eine blutüberströmte Leiche auf dem Küchenfußboden. Und Privatdetektiv Robin Schulz, der den Auftrag erhält, den mysteriösen Überfall auf die Filiale der Volksbank aufzuklären. „Kriminalfälle der Klasse 7a“ haben die Mädchen und Jungen ihr ungewöhnliches Gemeinschaftsprojekt genannt, für das Deutschlehrer Marcel Robertz den Unterricht zur kreativen Schreibwerkstatt werden ließ.

Dabei sind 18 fantasievolle Kurzkrimis entstanden, die die Wegberger Hauptschüler jetzt als gebundenes Buch in ihren Händen halten. Markus Monjeamb, Leiter der Schule am Grenzlandring, las die Geschichtensammlung in den Weihnachtsferien komplett durch, gehört seitdem zu den größten Fans der literaturbegeisterten Schülerinnen und Schüler aus der 7a. „Ein super Projekt“, urteilt er über die Lese- und Schreibförderung der besonderen Art. „Das Buch hat mir sehr gefallen, ich bin begeistert.“

In einer kleinen Auflage von insgesamt 50 Exemplaren ist das gemeinsame Werk nun erschienen. Für die Finanzierung gab Gerd Pint, der Leiter des Amtes für Bildung, Integration und Soziales, grünes Licht. Schulleiter Monjeamb bat den Wegberger Amtsleiter um Ideen oder eine Vermittlung, so dass die Kosten für den Buchdruck irgendwie gestemmt werden könnten. „Ich hatte gehofft, dass es eine Möglichkeit geben würde.“ Als Gerd Pint ihm mitteilte, die Verwaltung der Mühlenstadt werde das Buchprojekt komplett finanzieren, war nicht nur der Schulleiter ganz aus dem Häuschen. Die zwölfjährigen Nachwuchsautoren bedankten sich bei Pint mit einem Exemplar ihres Buches, das sie alle unterschrieben hatten. Jeder Beteiligte erhielt ein Freiexemplar, außerdem alle Lehrer der Gemeinschaftshauptschule.

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Leseförderung spielte an der Bildungseinrichtung auch schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Buchhändler Ulrich Kirch ist der Hauptschule deshalb seit längerer Zeit eng verbunden. Jetzt stellte der Wegberger Unternehmer den Kontakt zu Hobbyautor Peter Schmidt her, der die Siebtklässler gestern besuchte. Schmidt, gelernter Kaufmann, ist heute im Ruhestand und gehört seit elf Jahren der Schreibwerkstatt „Die Siebenschreiber“ an, zu deren Treffpunkt die alte Mühle wurde. Sein erstes Gedicht verfasste der Merbecker im Alter von 17 Jahren. „Es handelte von der Zeit“, verriet Schmidt, der bei seinem rund zweistündigen Aufenthalt in der Schule ebenfalls eine Kriminalgeschichte beisteuerte.

Von den aufmerksamen Schülerinnen und Schülern möchte der Gast wissen, wie seine Kurzgeschichte auf sie wirkt. Ob sie sich beim Zuhören vorstellen konnten, wie der Marktplatz aussieht mit den Bänken, Tischen und Stühlen, fragt er die Klasse. Dann tragen die Kinder aus der Klasse 7a einige ihrer kurzen Kriminalgeschichten vor. „Die Entführung“ hat Mustafa Yolo seine Erzählung genannt, die von dem elfjährigen Mädchen Lara handelt, das plötzlich in die Hände eines Kidnappers gerät. „Deine Geschichte finde ich gut“, lobt Peter Schmidt seinen jungen Kollegen. Er ermuntert die Mädchen und Jungen, möglichst viel zu lesen: „Hört nicht auf zu lesen. Denn wenn man viele und gute Bücher liest, dann kann man auch gut schreiben.“

Sein Eindruck von der Kreativität der 7a ist überaus positiv. „Ich neige nicht zu Übertreibungen. Aber heute bin ich wirklich überwältigt.“ Die jungen Nachwuchsautoren versprechen ihm weiterzumachen. Zu Hause abends und am Wochenende ein Buch in die Hand zu nehmen, gemeinsam weitere Geschichten aufzuschreiben.

Dabei hilft ihnen Hobbyautor Peter Schmidt künftig regelmäßig. An der Wegberger Schule soll eine Schreibwerkstatt eingerichtet werden, die von Deutschlehrer Marcel Robertz geleitet wird. Die Teilnahme soll freiwillig und klassenübergreifend sein. Peter Schmidt freut sich bereits auf seinen nächsten Besuch bei seinen jungen Kollegen, wie er selber sagt.