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Wegberg: "Ein Stück Normalität" bei der Geflügelschau in Merbeck

Merbecker Geflügelschau : „Ein Stück Normalität“ für Geflügelfans

Zur Merbecker Grenzlandringschau durften am Wochenende maximal 100 Besucher die Ausstellungsfläche gleichzeitig betreten. Der ausrichtende Verein meisterte trotzdem einen riesigen Organisationsaufwand. 60 Aussteller zeigten 450 Tiere.

Sie wollten nicht komplett absagen, lieber eine Grenzlandringschau ohne traditionellen Höhnerball organisieren. Mit strikten Hygiene- und Abstandsregeln, ohne viel Publikum. Nur 100 Besucher durften sich am Wochenende bei der mittlerweile 36. Auflage der Merbecker Grenzlandringschau gleichzeitig auf der Ausstellungsfläche im Pfarrheim und Pfarrpark aufhalten.

„Heute Abend wäre hier eigentlich so richtig Halligalli beim Höhnerball“, sagt Andreas Theißen, der Vorsitzende der Geflügelliebhaber. Bis zu 300 Gäste nehmen daran normalerweise teil, sogar das Duo Klaus & Willi ist schon aufgetreten. Der langjährige Züchter ruft Alexander Klein, Jennifer Wiebel und Martin Wolfs dazu. Zusammen bilden die vier engagierten Vereinsmitglieder das Organisatoren-Quartett, das sich in den vergangenen Monaten viel Arbeit gemacht hat, um die beliebte Ausstellung auf die Beine zu stellen.

Corona hat auch bei den Merbecker Geflügelliebhabern für einschneidende Veränderungen gesorgt. Schnell merkten Theißen und seine Vereinskameraden, dass das Vorbereiten der Grenzlandschau, die Ersatz sein sollte für die ausgefallene Landgeflügelschau auf dem Böscherhof, ihnen einiges abverlangen würde. Vorsitzender Andreas Theißen war froh, auf zwei kundige „Corona-Experten“ zurückgreifen zu können. Mitglied Walburga Stahl ist beim Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg beschäftigt, Martin Wolfs arbeitet beim Ordnungsamt der Stadt Mönchengladbach. Die schwarze Mappe, die er ständig bei sich trägt, enthält die aktuelle Schutzverordnung.

Bei der Grenzlandschau haben sich die Gastgeber für eine Maskenpflicht entschieden, obwohl das Bedecken von Mund und Nase nicht zwingend vorgeschrieben gewesen wäre. Besucher sehen sich die insgesamt rund 450 Tiere – Wassergeflügel, Wasserziergeflügel, Hühner, Zwerghühner und Tauben – im Einbahnstraßensystem an, um Kontakte zu vermeiden. Zwei Drittel der lebenden Exponate sind im Außenbereich untergebracht, ein Drittel innen. Am Eingang werden Kontaktformulare ausgefüllt, mit Desinfektionsmittelspender stehen bereit.

Hohe Besucherzahlen sind in der Coronazeit unwichtig geworden. „Im Vorfeld haben wir auf zu viel Werbung sehr bewusst verzichtet“, erzählt Alexander Klein. Und: „Persönliche Ansprachen, Plakate und Flyer wurden stark reduziert.“ Nur Aussteller und Einwohner in Merbeck hätten Bescheid gewusst. Auch die Cafeteria im katholischen Pfarrheim ist der anhaltenden Pandemie zum Opfer gefallen. Kuchen gibt es zwar, aber draußen. Gegessen wird an Stehtischen mit drei Metern Abstand oder zu Hause.

Am Ende des ersten von zwei Veranstaltungstagen zieht er ein positives Fazit. „Wir haben alles gut durchorganisiert. Wir wissen, was machbar ist“, sagt Theißen. Wolfs ergänzt, dass es keine Planungssicherheit gab. Dass man bei der Organisation „ein gutes Stück Mut“ gebraucht habe. Der Vorsitzende widerspricht. Nicht Mut, sondern eine sehr gute Organisation habe die Veranstaltung zum Erfolg geführt. Schon im Juni reifte der Plan, aktiv werden zu wollen, den Mitgliedern die Gelegenheit zu bieten, ihre Zuchterfolge zu präsentieren. Die großen, 1200 Gramm schweren King-Tauben, die grün schimmernden Cayuga-Enten aus Nordamerika.

Martin Wolfs, der Mitarbeiter des Ordnungsamtes, avancierte zum Konzeptbeauftragten. Was passiert mit den zwölf Preisrichtern, die von außerhalb anreisen? Wie gehen wir mit den 60 Ausstellern um? Das Organisatoren-Quartett fand auf alles eine Antwort. Künstler, die auf dem Höhnerball auftreten sollten, ließen sich darauf ein, die Verträge um ein Jahr zu verschieben. Um den laufenden Betrieb auf dem Böscherhof nicht zu gefährden, wurde die Ausstellung auf das Pfarrgelände verlegt. Bis zu 2000 Gefiederfreunde besuchen die Landgeflügelschau sonst an dem Wochenende. Finanzielle Einbußen sind angesichts solcher Zahlen unvermeidlich. Der Rettungsschirm, den das Land NRW für Vereine aufspannte, half den Geflügelliebhabern nicht. Sie sind kein eingetragener Verein. Um Umsatzeinbußen zu kompensieren, entwarfen die Mitglieder eine neue Vereinsbroschüre, fanden Anzeigenkunden, die in dem Heft für ihr Unternehmen warben.

„Ein Stück Normalität“ nennt Theißen die Grenzlandschau mitten in der schwierigen Zeit. Seit dem Frühjahr ruhen die Vereinsaktivitäten weitestgehend. Klein berichtet von der WhatsApp-Gruppe und regelmäßigen Telefonaten der 45 Mitglieder. Die Kleintiermärkte über das gesamte Jahr verteilt seien im Normalfall eine gute Übung für die Großveranstaltung, erläutert Wolfs. Züchter nutzten das jährliche Zusammentreffen gern zum Fachsimpeln. Wer sucht Jungtiere? Wer gibt welche ab? Was hilft bei Krankheiten oder Ungezieferbefall? Diesen Austausch habe man nicht wegnehmen wollen, sagt Wolfs.

Auch die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen liegt seit dem Ausbruch des Virus auf Eis. Die vereinseigene Brutmaschine, in der Küken schlüpfen, wurde nicht, wie geplant, im Kindergarten aufgestellt, sondern bei Alexander Klein zu Hause. Fünf bis sechs Einrichtungen sollten berücksichtigt werden – der Terminkalender blieb leer. Jennifer Wiebel, Leiterin der Jugendgruppe der Geflügelliebhaber Merbeck, kann den Veränderungen inzwischen sogar etwas Positives abgewinnen. „Das alles hat uns zusammengeschweißt. Wir sind ja kein riesiger Verein, hier kennt jeder jeden mit seinen Stärken und Schwächen.“ Auch Andreas Theißen kann der ungewöhnlichen Coronazeit etwas abgewinnen – die Erkenntnis, wie wichtig Tiere für den Menschen sind, gerade im Lockdown mit zahlreichen Einschränkungen. „Tiere sind nicht systemrelevant, erfüllen aber einen therapeutischen Zweck in dieser Zeit“, unterstreicht er. „Sie sind Lebensantreiber, denn sie wollen versorgt sein.“