Wegberg-Arsbeck: Erste Führung auf Naturerbefläche

Militärfläche bei Arsbeck : Erste Führung auf Naturerbefläche

Bundesförster Martin Wingertszahn und Naturschutzstation-Geschäftsführerin Brigitta Szyska stellten Flora und Fauna auf einem ehemaligen Militärgelände vor.

Es war eine Wanderung, die auf reges Interesse stieß: Zur ersten Führung durch das ehemalige Militärgelände beidseitig der Bundesstraße B 221 kamen mehr als 25 Neugierige zum Treffpunkt auf dem Wanderparkplatz am Ortsausgang Arsbeck Richtung Niederkrüchten. Bundesförster Martin Wingertszahn und Brigitta Szyska, Geschäftsführerin der Naturschutzstation Haus Wildenrath, leiteten diese erste rund dreistündige Führung durch die Naturerbefläche. Sie stellten ihre Arbeitsweisen sowie Flora und Fauna vor. Ein besonderes Ziel war die offene Landschaft des ehemaligen Treibstofflagers westlich der B 221, die durch ein Weideprojekt bewirtschaftet wird.

Der Gang durchs Munitionsbelastete Gebiet sei kein Grund, sich Sorgen zu machen, wenn man Fundstücke wie alte Patronenhülsen einfach liegenlässt, betonte der Bundesförster. Der Bundesförster ist dabei für die Sparte Bundesforst als Teil der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) dafür zuständig, gemeinsam mit der DBU Naturerbe GmbH wertvolle Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu optimieren.

Die Naturschutzstation Haus Wildenrath führte erstmals im Jahr 2013 eine Kartierung für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) durch, die daraus Entwicklungs- und Pflegepläne erstellt, ergänzte Szyska. In diesem Jahr wird die Station erneut eine Kartierung vornehmen. „Das DBU Naturerbe Arsbeck hat aufgrund seines wertvollen Pflanzen- und Tierinventars einen hohen Naturschutzwert“, betonte Brigitta Szyska.

Die Wandergruppe setzte sich bei angenehm warmen Temperaturen und gelegentlichem Sonnenschein über einen Feldweg Richtung östlicher Fläche in Bewegung. Am ersten Haltepunkt kreuzte in einiger Entfernung ein Reh die Strecke. „Der Waldbestand ist überwiegend kiefernartig“, führte Wingertszahn aus, „es sind auch Tannen und Eichen zu finden.“ Auf der nahe gelegenen Landwehr waren über 200 Jahre alte Eichen und Buchen zu bestaunen. Als Wildarten zählte er Wildschweine auf – und Zecken. Ziel in diesem Bereich ist es, nicht heimische Baumarten und Nadelhölzer zu entfernen, um naturnahe Waldbestände zu fördern.

Auf einem schmalen Weg gelangte die Gruppe zu einem Ruheplatz von Rehen. Die Kinder Martha und Konrad ordneten die in die Blätter gedrückten Kuhlen richtig als Liegeflächen zu. Ein weit entferntes Blätterdach sorgte für ein kühles, zirkulierendes Klima. „Die Buchen können ein Buchenhallendach entwickeln“, erläuterte Szyska, „wenn es geschlossen ist, wächst unten auf dem Boden nichts mehr.“

Im Frühjahr nutzen Hasenglöckchen oder Buschwindröschen das früh im Jahr noch vorhandene Licht, um in großer Zahl den Boden zu bedecken. Weitere Pflanzen, die dort wachsen: Eberesche, Adlerfarn oder Traubenkirsche. Einige Meter weiter wiesen die jungen Wanderer, die sich zuvor mit dem Förster unterhalten hatten, auf ein Wasserloch mit Schlammbereich hin: „Hier baden die Wildschweine“, wussten sie, „sie packen sich in eine Schlammschicht und gehen zu einem Baum, um sich zu schubbern.“ Die erdigen Rückstände waren an den Stämmen gut zu sehen.

Wenig später verließen die Spaziergänger das Waldstück und gelangten auf dem Radweg entlang der Bundesstraße 221 Richtung Niederkrüchten zum östlichen Gebiet auf der anderen Straßenseite. Durchs geöffnete Tor betraten sie das Gebiet, auf dem sich das Treibstofflager bis Ende der 1970er Jahre befunden hatte. Im Anschluss nutzte es das britische Militär als Übungsplatz, bevor es 2013 an den Bund übergeben wurde. Überwiegend Birkenmischwald mit Nadelarten passierte die Gruppe. Dabei genoss eine Eidechse auf dem Weg die Sonne und lief in einiger Entfernung ein Fuchs weg. Die Vogelarten Rauchschwalbe, Gartenrotschwanz und Turteltaube sind hier heimisch.

Die Teilnehmer gingen über das Gelände des ehemaligen Treibstofflagers bei Arsbeck. Foto: Nicole Peters
Kinder fütterten das bayerische Fleckvieh. Landwirt Helmut Jakobs aus Niederkrüchten-Overhetfeld hatte Brötchen für seine sechs Kühe mitgebracht. Foto: Nicole Peters

Landwirt Helmut Jakobs aus Niederkrüchten-Overhetfeld hatte Brötchen für seine sechs Kühe, die Kälber und den Bullen mitgebracht. Das bayerische Fleckvieh steht ganzjährig auf dem Offenland-Gebiet, verjüngt Besenheide durch Abfressen und hält deren Konkurrenz wie Gras klein. Ebenso fressen die Tiere die Blätter der tief hängenden Baumäste ab und sorgen so für ein ausgewogenes Landschaftsbild auf dem Gelände an der B221.

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