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Wegberg-Arsbeck: B 221 ist Todesfalle für Wildtiere

Wildunfälle in Arsbeck : „Tiere kennen keine Verkehrsregeln“

Immer wieder gibt es Wildunfälle an der B 221 zwischen Arsbeck und Niederkrüchten: Revierpächter Jörg Weinmann will das nicht länger hinnehmen und unternimmt jetzt etwas, um die Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren.

Immer wieder werden an der B 221 zwischen Arsbeck und Niederkrüchten Wildtiere überfahren. „Im Jahr 2019 ereigneten sich dort 20 solcher Unfälle, im angrenzenden Revier gab es nochmal neun Unfälle bis zur Grenze nach Arsbeck“, sagt Jörg Weinmann, Pächter des dortigen Jagdreviers. Damit sei die Straße einer der Hotspots für Wildunfälle. „Viele Autofahrer sind nach einem Unfall geschockt“, so die Erfahrung des Jägers. „Das Wild ist nicht sofort tot, sondern liegt noch leidend auf oder an der Straße oder läuft sogar schwer verletzt noch weg und kann nicht erlöst werden.“ Besonders schlimm sei es dann, wenn Muttertiere überfahren werden und der Nachwuchs allein im Wald zurückbleibe – ohne Mutter zum Tod verurteilt.

Besonders problematisch sei laut Weinmann ein Abschnitt der B 221 mit einer Senke, wo sich Feld und Wald abwechseln. Dort ist weiterhin eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde erlaubt. In anderen Abschnitten der Bundesstraße gebe es eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 70 Kilometer pro Stunde. Der Jagdpächter hat nach eigenen Angaben an den Kreis Viersen geschrieben und auf die kritische Situation hingewiesen. „Die Verkehrsführung hat sich aber in den vergangen Jahren nicht geändert“, sagt er. Zwar gebe es in beiden Richtungen Schilder, die auf den Wildwechsel hinwiesen, die Tempobeschränkungen seien aber unverändert.

Weinmann will nicht länger auf Unterstützung vom Kreis Viersen warten und hat jetzt Plakate aufgestellt, die auf die hohe Zahl der Wildunfälle hinweisen, und rote Markierungen „Wildunfall“ aufgestellt, um Autofahrer auf den Gefahrenpunkt hinzuweisen. „Das Aufstellen von Straßenschildern ist aber eigentlich Sache des Straßenverkehrsamtes beim Kreis“, meint der Jagdpächter.

Zu den Unfallzahlen kann Sprecherin Angela Jansen von der Heinsberger Kreispolizeibehörde nichts sagen: „Wildunfälle werden durch die Kreispolizeibehörde Heinsberg statistisch nicht mehr erfasst. Einige Behörden tun dies noch freiwillig“, sagt sie. Die Polizei im Kreis Viersen bestätigt Weinmanns Angaben: „Für Niederkrüchten wurden 2018 insgesamt 13 Wildunfälle gemeldet, 2019 waren es 23“ erklärt ein Sprecher der Kreispolizei. Allerdings müsse man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher ist, da Autofahrer nicht jeden Wildunfall melden würden. Auch im Kreis Viersen ist die Tendenz steigend: 2018 gab es 299 Wildunfälle, im folgenden Jahr waren es schon 326. Beim Kreis gibt es zu der Anfrage von Weinmann keine weiteren Auskünfte, „weil die zuständige Person längerfristig erkrankt ist und die Stellvertretung vakant“, erklärt eine Kreis-Sprecherin auf Anfrage.

Jörg Weinmann will Autofahrer weiterhin vor Wildunfällen warnen und helfen, weitere zu vermeiden: „Mit Wildschweinen muss man das ganze Jahr über rechnen, Rehe sind im Frühjahr und zur Revierverteidigung sowie im Juli und August während der Paarungszeit besonders viel unterwegs.“ Auch während der Dämmerung und Nachtstunden seien Wildtiere sehr aktiv. Besonders kritisch seien Straßen wie die B 221, die durch den Wald, an Waldfeldkanten oder unübersichtlichen Wald- und Feldrändern entlang führten. Zudem werde auf der B 221 oft zu schnell gefahren, Auto- und Motorradfahrer würden nach Weinmanns Beobachtungen auch an kritischen Stellen überholen.

Die Polizei im Kreis Heinsberg versucht laut Sprecherin Angela Jansen mit gezielten Geschwindigkeitskontrollen die Unfallgefahr zu senken. „Dies gilt nicht nur bei bewaldeten Streckenbereichen“, sagt sie und weist darauf hin, dass bei der Bundesstraße 221n bei Arsbeck ein Wildschutzzaun errichtet worden sei, der Wildwechsel verhindern soll.

Um Wildunfälle entlang der B221 zu verhindern, sollten Autofahrer auf angemessene Geschwindigkeit achten und dort besonders aufmerksam sein, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen, wo Wald und Feld gegenüberliegen, wo der Bewuchs unübersichtlich ist und wo blaue Wildwarnreflektoren an Straßen-Begrenzungspfählen montiert sind. „Tiere kennen keine Verkehrsregeln“, warnt Jagdpächter Jörg Weinmann.