Vortrag in Wegberg: Landwehr als historische Gemarkung

Vortrag in Wegberg : Landwehr als historische Gemarkung

Archäologe Markus Westphal stellt in einem Vortrag Wälle und Gräben vor. Diese Bodendenkmäler erachtet er als schützenswert.

Der regional interessante Vortrag „Dornige Sperren und grüne Wälle - Die mittelalterlichen Landwehren“ an der deutsch-niederländischen Grenze von Markus Westphal zog viele interessierte Zuhörer an, so dass die Stuhlreihen in der Wegberger Mühle sehr gut gefüllt waren. Er ist Journalist auf wissenschaftlicher Basis und seit mehreren Jahren Dozent an der Anton-Heinen-Volkshochschule (VHS), stellte Fachbereichsleiterin Ina Kradepohl den Referenten vor. Aktuell hat zudem ein VHS-Archäologie-Seminar unter seiner Leitung begonnen, bei dem weitere Teilnehmer mitmachen könnten. Er war auf Einladung von Volkshochschule und Historischem Verein Wegberg hergekommen.

Bei den Landwehren handelt es sich um die großflächigsten Bodendenkmäler im Kreis Heinsberg, erläuterte Westphal die Besonderheiten der erdigen Bauwerke, die in mehreren Gebieten teils gut erhalten sind. Er habe die Hoffnung, dass sie durch Forschung und Veröffentlichungen bekannter und geschützter würden. Typisch im Rheinland ist ein Wall mit zwei Gräben: bis zu drei Meter hoch mit Gräben von bis zu vier Metern breit ergibt sich eine durchschnittliche Gesamtbreite von bis zu zwölf Metern. Zeitlich ist die Ansicht verbreitet, dass es sich um Bauten des späten Mittelalters bis zur frühen Neuzeit handelt. „Sie sind eher nicht von militärischer Bedeutung, sondern Gemarkungen sowie etwa dafür da, Viehdiebe abzuhalten“, betonte Markus Westphal. Dornig deshalb, weil die Wälle teils dicht wie Stacheldraht mit Heckenpflanzen sowie Bäumen bewachsen waren. Durch die Landwehren führten einige wichtige Wege und in unwegsamen Gebieten wie einem Moor waren sie unterbrochen, da dieser selbst Schutz bot. Auch leiteten die Landwehren zu Zollstellen hin und später bildeten sich an ihnen Gemeindegrenzen aus. Ab dem 16. Jahrhundert war der Bau der Landwehren stark rückgängig.

Am Forsthaus nahe des Raky-Weihers in Dalheim beginnt eine Landwehr, die durch Arsbeck bis nach Niederkrüchten-Varbrock auf einer Gesamtstrecke von circa sechs Kilometern führt. Unterbrochen durch Bahnlinie und Bebauung in Arsbeck läuft sie weiter und sei am Campingplatz auf Niederkrüchtener Seite am besten erhalten. Zuvor zeugen versteckte Bunker und eine Schanze – ein erhöht liegendes Erdwerk – bei Silverbeek von deren zusätzlicher Nutzung zu späteren Zeiten, frühestens im 16. Jahrhundert, wie der Referent sagte. An anderer Stelle in Wassenberg führt etwa 130 Meter vom Effelder Waldsee entfernt eine Landwehr Richtung Rothenbach. Sie wird nach einer Schanze über die Landesgrenze hinweg, mit einem Weg überbaut, erhöht Richtung Dalheimer Mühle weitergeführt. Und sie mündet in ein Wassergebiet des Rothenbachs vor dieser Mühle. Eine besondere Form ist bei Landgraaf in den Niederlanden zu finden: Dort gibt es einen Mittelgraben, der von niedrigen Wällen gesäumt wird. Es ist das einzige Bauwerk dieser Art im Nachbarland. Nahe Übach-Palenberg sind ebenso gut erhaltene Landwehrbereiche rund um die Teverener Heide bis Gillrath zu sehen. Und am Haus Vennchen bei Karken gibt es ein knapp hundert Meter langes Landwehrstück. Er sehe zwischen Motten, die eher ins 11. bis 13. Jahrhundert zu datieren sind, und Landwehren keinen direkten Zusammenhang, führte er auf Nachfrage aus. Auch seien die meisten Landwehren als Bodendenkmäler eingetragen und auf Landkarten des 16. bis 18. Jahrhunderts eingezeichnet.

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