Unterwegs mit den Kloetschköpp aus Wegberg-Klinkum: Mit Hätz und Siel durch die Nacht

Unterwegs mit den Kloetschköpp: Kloetschköpp: Mit Hätz und Siel durch die Nacht

Die Klinkumer Band „De Kloetschköpp“ erobert mit Herz und Seele die Karnevalssäle im Rheinland. Unsere Redaktion ist mit der Karnevals-Coverband auf Tour gegangen und erlebte die Auftritte in Baal, Katzem, Uerdingen und Krefeld-Bockum.

Sie nennen sich „De Kloetschköpp – die Karnevals-Coverband mit Hätz un Siel“ und sind eine große Nummer im rheinischen Karneval. Dass sie tatsächlich mit Leib und Seele bei der Sache sind, stellen die acht Musiker aus Wegberg, die von Techniker André Körfer unterstützt werden, auf den Karnevalsbühnen zwischen Katzem und Krefeld, Wegberg und Wuppertal Woche für Woche unter Beweis. 26 Auftritte legen sie in dieser Session hin. Mehr sind nicht drin, denn die neun Jungs sind nicht nur auf den Karnevalsbühnen der Region gefragt, sondern gehen allesamt einem geregelten Berufs- und Familienleben nach - zusätzlich sind vier Bandmitglieder noch im Vorstand der KG Sonn Männ aus Klinkum tätig. Anfragen gibt es reichlich, können aber nicht alle angenommen werden, berichtet Olli Heinen, der die Auftritte der Kloetschköpp organisiert. Im September starten bei den Kloetschköpp die wöchentlichen Proben für die Karnevalssession. Jeden Donnerstagabend treffen sich die Musiker im bestens ausgestatteten Probenraum im Keller des Wohnhauses von Gitarrist Carsten Heldens an der Römerstraße in Klinkum. Mit ihrem Tourbus, der von dem Erkelenzer Taxiunternehmer Alwin Derichs gesteuert wird, gelangen die Kloetschköpp zu ihren Auftrittsorten. Derichs ist ein treuer Fan der Band, die Beschriftung seines Busses mit dem auffälligen „Kloetschköpp“-Logo hat er auf eigene Kosten erstellen lassen. Bei ihren Auftritten in Baal, Katzem, Krefeld-Uerdingen und Krefeld-Bockum hat unsere Redaktion die Kloetschköpp eine Nacht lang begleitet.

Klinkum, Probenraum Um 18.30 Uhr treffen sich die Kloetschköpp im Probenraum an der Römerstraße in Klinkum: Bei einem kühlen Glas Bier besprechen die acht Musiker und Techniker André Körfer die Auftritte der vergangenen Nacht. Draußen fährt Alwin Derichs den eindrucksvollen Kloetschköpp-Tourbus mit der blauen Innenbeleuchtung vor. Die Instrumente sind bereits im Anhänger verstaut. Gut gelaunt starten die Musiker gegen 18.45 Uhr Richtung Baal. Ehrenmitglied Manni Müchen, der an diesem Abend seine ehemaligen Bandkollegen mal als Zuschauer erleben wollte, sorgt mit Erzählungen von Auftritten aus früheren Jahren für viele Lacher. Er war bei den Kloetschköpp von Anfang an dabei, 16 Jahre lang Frontmann und hat das Gesicht der Band entschieden mitgeprägt.

Kloetschkopp der ersten Stunde: Ehrenmitglied Manni Müchen. Foto: Michael Heckers

Baal, Bürgerhaus Um kurz nach 19 Uhr erreicht der Tourbus das Bürgerhaus am Pastor-Bauer-Platz. Die Musiker hängen den Anhänger ab und schieben ihn bis vor den Eingang. In wenigen Minuten stehen die Instrumente im Foyer, es bleiben noch ein paar Minuten Zeit bis zum Auftritt. Die „Kölsche Nacht“ hat gerade erst begonnen, die Kloetschköpp übernehmen die Rolle der „Eisbrecher“. Und zwar mit großem Erfolg: „Wir sind die Kloetschköpp, und wir machen hier jetzt mal ein bisschen Palaver“, spricht Sänger Michi Schreder ins Mikrofon. Schon nach den ersten Klängen von „Pirate“ klatschen die Jecken an den Tischen kräftig mit, die jüngsten Besucher stürmen in ihren Kostümen an die Bühne und singen jede Textzeile mit. Mit „Leev Marie“ und „Stadt met K“ geht es weiter. Die Band hat die begeisterten Jecken längst fest im Griff. Bei „Et jitt kei Wood“ tanzt das Prinzenpaar der KG Eierköpp Baal, Volker I. und Anke I., mit dem Narrenvolk ausgelassen vor der Bühne. Nach gut einer halben Stunde Partystimmung und der gefeierten Zugabe „Für die Iwigkeit“ lassen die Eierköpp die Kloetschköpp mit viel Beifall von der Bühne.

Katzem, Bürgersaal Nachdem die Instrumente zügig im Anhänger verstaut sind, geht es Richtung Katzem. Im dortigen Bürgersaal stehen gerade Top-Redner Christian Pape aus Beeck und der Mann im Pullunder, Dr. Stefan Bimmermann, auf der Bühne und berichten äußerst humorvoll von den scheinbaren Banalitäten des Alltags. Nachdem die Kloetschköpp die Instrumente vor dem Saal abgestellt haben, haben sie noch ein bisschen Zeit zum Durchatmen und treffen bei den Katzeköpp viele alte Bekannte und langjährige Wegbegleiter aus der Karnevalsszene. Auch mit Christian Pape und Stefan Bimmermann tauschen sie sich kurz aus. Beim Auftritt der Kloetschköpp im propenvollen Katzemer Bürgersaal herrscht allerfeinste Karnevalsstimmung. Auch auf der Bühne geht es turbulent zu: „Ich hab’ dem Prinzen zweimal auf die Finger gekloppt, so nah stand der neben mir“, berichtet Kloetschköpp-Schlagzeuger Olli Heinen hinterher. „Bei so einer Superstimmung laufen die Auftritte von ganz alleine“, sagt Manni Müchen, der den Auftritt „seiner“ Kloetschköpp aus der hintersten Reihe verfolgt. Nach sechs Stücken, langanhaltendem Applaus und vielen lobenden Worten des Sitzungspräsidenten tragen die Musiker ihre Instrumente schon wieder zum Tourbus. Beim Verstauen der Instrumente werden die Klinkumer Jungs sogar vom Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen unterstützt. Jede Minute zählt. Im Berufskolleg Krefeld-Uerdingen läuft der „Jeckenzauber“ schon auf Hochtouren. Ab auf die Autobahn 46, am Kreuz Neuss-West auf die A57. Fahrer Alwin Derichs drückt auf die Tube, während Manni Müchen Schnitzel und Frikadellen im Bus verteilt. Obwohl es zeitlich richtig knapp werden wird, bleibt die Stimmung unter den Musikern gelöst.

Sänger Michi Schreder: „Wir sind die Kloetschköpp, und wir machen hier jetzt mal ein bisschen Palaver.“. Foto: Michael Heckers

Krefeld-Uerdingen, Berufskolleg In Uerdingen angekommen, springen die Musiker aus dem Tourbus, koppeln den Hänger ab und schieben diesen mit vereinten Kräften einmal komplett um die Halle. Weil auch der Zeitplan des Uerdinger Jeckenzaubers der rot-blauen KG Op de Höh ein bisschen aus den Fugen geraten ist, gibt es Entwarnung für die Kloetschköpp: Es bleibt noch genügend Zeit, um die Instrumente aufzubauen. Nach dem gefeierten Auftritt in Katzem haben die Klinkumer Jungs auch in Uerdingen leichtes Spiel. In der großen Sporthalle springen die Krefelder Jecken von ihren Stühlen und klatschen und tanzen im Takt der kölschen Karnevalsklänge der Klinkumer Kloetschköpp. Spätestens jetzt wird deutlich, warum die Veranstalter Zettel an den Wänden platziert haben mit dem Hinweis: „Bitte nicht auf den Tischen tanzen“ Ehrenmitglied Manni Müchen hat in seinem blauen Glitzeranzug einen Platz auf der hochgelegenen Empore gefunden und filmt den gefeierten Auftritt der Kloetschköpp, während Techniker André Körfer durch die Halle schreitet und per Tablet den Ton regelt.

Jede Minute zählt: Olli Heinen bringt sein Schlagzeug auf Rollen in die Säle. Foto: Michael Heckers

Krefeld-Bockum, Stadtwaldhaus Im außergewöhnlichen Ambiente des Stadtwaldhauses, einem architektonischen Juwel aus der Zeit der Jahrhundertwende, sollen die Kloetschköpp bei der KG Grün-Weiß Grönland 1957 das große Finale spielen. Doch zunächst müssen die Klinkumer Jungs ihre Instrumente viele Treppenstufen hoch schleppen, bevor sie nach dem Auftritt des Tanzcorps Steinenbrücker Schiffermädchen ihren Platz auf der Bühne einnehmen können. Die Krefelder Narren tanzen ausgelassen zu „Pirate“, „Leev Marie“, „Et jitt kei Wood“, „Stääne“, dem „Zauni-Medley“, „Dä Plan“ und „Für die Iwigkeit“. Erst nach der Zugabe „Kölsche Jung“ lassen die Narren die Kloetschköpp nach einem langen Abend weit nach Mitternacht von der Bühne.

Im Katzemer Bürgersaal trafen die Kloetschköpp Top-Redner Christian Pape aus Beeck (rotes T-Shirt) und den Mann im Pullunder, Stefan Bimmermann (l.). Foto: Michael Heckers

Die lange Nacht endet nach der kurzweiligen Heimfahrt dort, wo sie begonnen hat: Im Klinkumer Probenraum lassen die Kloetschköpp die Erlebnisse des Abends Revue passieren. Sie besprechen, was gut gelaufen ist und was sie bei ihren nächsten Auftritten noch besser machen können. Weil es eine lange Session ist, stehen noch einige Auftritte auf dem Programm. Egal ob Frauensitzung, Herrensitzung oder Galasitzung – mit ihrer guten Laune und kölschen Karnevalsmusik werden die Klinkumer Jungs noch in vielen Karnevalssälen für beste Stimmung sorgen – bis mit ihrer Teilnahme am Wegberger Rosenmontagszug am 4. März auf dem eigenen Karnevalswagen die Session 2018/19 für die Kloetschköpp zu Ende geht.

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