Theater im Forum Wegberg: Unerwarteter Geldsegen stiftet Chaos

Theater im Forum Wegberg : Unerwarteter Geldsegen stiftet Chaos

Die wohl geordnete Welt des Ehepaars Liebig gerät schlagartig aus den Fugen, als Ehemann Heiner mit 1,5 Millionen Euro nach Hause kommt. Im Forum Wegberg erlebten die Zuschauer eine turbulente Komödie.

Zu Beginn der Komödie „Funny Money!“ des Autors Ray Cooney ist augenscheinlich alles im Lot: Ehefrau Johanna Liebig erledigt, sich beschwingt zur Musikeinspielung durch das Wohnzimmer bewegend, letzte Handgriffe für die anstehende Geburtstagsparty von Ehemann Heiner. Währenddessen ist sein Auftauchen bereits mit untergründiger Spannung verbunden: Er schiebt zunächst mehrfach den Kopf – rhythmisch passend zur Musik – hinter der Haustür stehend in den Raum hinein, bevor er sich mit Schwung auf die graue Couchgarnitur setzt. In der Hand hält er einen Aktenkoffer – der Auslöser für zunehmend haarsträubendere Szenen, wie sich im Weiteren herausstellt.

Was ihn etwas später dazu veranlasst, auf Nachfrage seiner Frau lediglich „Lufthansa!“ auszustoßen, erklärt er relativ schnell. So vertauschte er in der Bahn seinen Aktenkoffer mit dem eines anderen Reisenden und fand darin die 1,5 Millionen Euro vor. Da zu erwarten ist, das sich der rechtmäßige Eigentümer am nächsten Tag aufgrund gefundener Unterlagen in seinem Büro melden wird, möchte er mit seiner Frau nach Mallorca verduften. Diese fällt aus allen Wolken: Weder ist ihr die neue Impulsivität des Ehegatten noch der Gedanke geheuer, ihr bisheriges Leben von Jetzt auf Gleich hinter sich zu lassen.

Richtig kompliziert wird die Situation, als nacheinander zwei Polizisten, der bestellte Taxifahrer Powolski sowie das befreundete Paar Bettina und Victor Jansen ins Haus kommen. Vor braun verkleideter Wohnzimmerwand mit Türen zu Küche und Esszimmer neben Aufgang zur oberen Etage und Haustür spielte sich das turbulente Geschehen auf der Bühne ab, dessen wortreiche Spitzen, komische Einfälle und fantasievolle Ausflüchte immer wieder Zwischenapplaus und viele Lacher beim Publikum im Forum hervorriefen.

Machte ein Protagonist die ominöse Aktentasche auf, ging das Licht auf der Bühne aus und wurde der Lichtkegel nur auf den Inhalt gerichtet. Dazu erklangen märchenhafte Töne. Er habe 30 Jahre lang hart gearbeitet, für nichts, rief der „glückliche“ Finder seiner Frau zu, aber jetzt endlich bekomme er doch noch seinen kleinen Bonus. Und den war er bereit, mit allen erdenklichen Mitteln zu verteidigen.

So „filetierte“ er mit Handbewegungen Gliedmaßen seiner Frau, um ihr die Gefahr zu verdeutlichen, die vom erwarteten Ganoven ausgeht: Damit sie mit ihm auf die Insel fliegt. Zudem bestach er den ersten Polizisten und auch Freund Victor mit Zehntausenden, um ans ersehnte Ziel zu gelangen. Und alle Anwesenden ersannen später absurde Verwandtschaftsbeziehungen und entsprechende Namen, um den zweiten Polizisten abzulenken: Polizist Keller war mit der Mitteilung hergekommen, dass Heiner Liebig (der Gefundene hatte ja dessen Koffer) mit Einschüssen im Hinterkopf und Gewichten an den Füßen aus dem Fluss gezogen worden war. In Wahrheit war es aber der rechtmäßige Besitzer des Geldes, dessen Mörder sich wenig später am Telefon mit der hartnäckigen Frage nach dem „Nacktekoff“ meldete.

Für die Zuschauer war es ein kurzweiliges Vergnügen, der immer verstrickteren Handlung im Forum Wegberg zu folgen, in deren Verlauf die Protagonisten viel Einfallsreichtum bewiesen. Als Ziel kristallisierte es sich dabei heraus, dass Heiner Liebig mit Freundin Bettina auf Reisen gehen wollte, da Johanna Liebig lieber in Düsseldorf blieb. Dabei bekam der Ausdruck „Unter einer Decke stecken“ eine ganz neue Bedeutung und es begeisterte ein flinker Koffertauschtrick. Wie durch ein Wunder feierten die Vier schließlich doch Geburtstag und fanden im verbliebenen Koffer auch noch das Geld vor.

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