Überlegungen in Wegberg Stadt will deutlich mehr Solarstrom produzieren

Wegberg · Auf den Dächern vieler städtischer Liegenschaften gibt es in Wegberg noch ungenutztes Potenzial. Um es optimal zu nutzen, will die Stadt ein kompliziertes Modell einführen.

 Auch auf dem Maximilian-Kolbe-Gymnasium produziert die Stadt Solarstrom.

Auch auf dem Maximilian-Kolbe-Gymnasium produziert die Stadt Solarstrom.

Foto: Stadt Wegberg

Strom ist teuer – und die Stadt Wegberg verbraucht eine ganze Menge davon. Zwar speist die Stadt durch Photovoltaik-Anlagen gleichzeitig auch an vielen Stellen im Stadtgebiet selbst produzierten Strom ein – doch wirklich effektiv ist das System bislang noch nicht. „Überschüssiger Strom wird in das Stromnetz eingespeist und wird vergütet. Die Vergütung ist gesetzlich festgelegt und ist gekoppelt an den Zeitpunkt der Inbetriebnahme (EEG-Vergütung)“, erklärt die Verwaltung. Das Problem: „Die Vergütung ist sehr viel geringer als der Marktpreis für Stromleistungen, welche aus dem Stromnetz für die Stadt eingekauft werden muss.“ Im Umweltausschuss der Stadt wurde in dieser Woche deshalb diskutiert, ob mit einem sogenannten Bilanzkreis-Modell eine effektiviere Nutzung des selbst produzierten Stroms möglich ist.

Die Grundidee: Idealerweise soll Solarstrom dort, wo er produziert wird, auch sofort verbraucht werden. Das passiert auf vielen städtischen Gebäuden auch. Andererseits soll überschüssiger Strom aber ins Stromnetz eingespeist und an anderer, beliebiger Stelle wieder entnommen werden können, um ihn zum Beispiel für energieintensive Liegenschaften wie das Schwimmbad, die Kläranlage oder die Pumpwerke nutzen zu können. Der Stromlieferant bilanziert die Einspeisungen, Verbräuche aus Eigenstrom und Fremdstromlieferungen.

„Das ist ein total spannendes Thema, das wir derzeit verfolgen und an dem wir dranbleiben müssen“, sagte Frank Thies, Technischer Beigeordneter der Stadt, im Ausschuss. „Wir haben als Stadt so viele freie Flächen, auf denen wir Strom produzieren können. Die wollen wir ausnutzen.“ Gleichzeitig würde die Eigenverbrauchsquote des produzierten Stroms deutlich steigen. Entsprechende Vorgespräche mit dem Stromlieferanten und Netzbetreiber NEW hätten bereits stattgefunden.

Thies räumte aber auch ein, dass es Risiken gebe. „Wie viel Strom man tatsächlich produziert, hängt natürlich entscheidend davon ab, wie häufig die Sonne scheint. In den Sommerferien des letzten Jahres hat man sicherlich deutlich mehr produziert als in diesem Jahr.“ Darüber hinaus bedeute die laufende Bilanzierung einen erheblichen Verwaltungsaufwand. Dennoch, so der Beigeordnete, sei die Verwaltung „überzeugt von dem Modell“, das darüber hinaus auch ein Beispiel für „andere große Spieler, die im Besitz mehrerer Liegenschaften sind“, sein könne.

Der Ausschuss stimmte dem Vorschlag mit großer Mehrheit zu – lediglich den Grünen war das Konzept noch zu schwammig formuliert.

Zustimmung gab es auch für den Antrag eines Privateigentümers, nördlich von Schloss Tüschenbroich auf einem 0,3 Hektar großen Grundstück eine Freiflächen-Photovoltaikanlage zu errichten. Auch die Stadtverwaltung plant derzeit drei solcher Freiflächen-Anlagen. „Wir befinden uns derzeit in laufenden Verfahren und sammeln Informationen“, erläuterte Frank Thies. So gebe es etwa für die in der Nähe der Kläranlage geplante Anlage noch ungeklärte Fragestellungen bezüglich der Hochspannungsleitung und der von der Anlage ausgehenden Gase. „Wir sind aber sehr bemüht, diese Photovoltaikanlagen möglichst schnell in Betrieb zu nehmen“, sagte der Technische Beigeordnete – vor allem bei der Kläranlage, die so viel Energie schluckt wie kaum ein anderes Gebäude in der Stadt, sei es schließlich hochattraktiv, weniger Fremdstrom zukaufen zu müssen.

Erst im Mai hatte die Stadt im Umweltausschuss bilanziert, wie viel Strom die städtischen PV-Anlagen im vergangenen Jahr erzeugt haben. 13 Anlagen produzierten demnach einen Stromertrag von 347.143 Kilowattstunden. Das waren fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Wie die Stadt vorrechnete, ergebe sich dadurch eine CO2-Einsparung von knapp 146 Tonnen. Der meiste Strom wurde in der Dreifach-Sporthalle mit 54 Kilowattpeak (kwp) produziert. Im Grenzlandringbad und im Baubetriebshof wurden etwa 40 kwp produziert. Durch den selbst genutztn Strom sparte die Stadt im vergangenen Jahr bereits 71.900 Euro ein – dies sei doppelt so viel wie im Vorjahr gewesen.

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