Volkstrachtenmuseum Wegberg-Beeck : Schmuck, Macht und Tracht

Mit neuen Themenschwerpunkten wurde die erfolgreiche Ausstellung „Schmuckkulturen Europas“ nun verlängert und umgestaltet. Zu sehen sind die Schmuckstücke und Trachten noch bis zum 27. Oktober.

Die Ausstellung „Schmuckkulturen Europas“ begeisterte im vergangenen Jahr im Museum für Europäische Volkstrachten am Beecker Kirchplatz. Unter dem Titel „Schmuckkulturen 2.0“ wurde die faszinierende Ausstellung nun neu aufgelegt – unter fünf neuen Themenschwerpunkten werden unzählige neue Schmuckstücke und Trachten präsentiert, die nicht nur wunderschön anzusehen sind, sondern als historische Zeugen auch von den politischen und ökonomischen Umständen ihrer Zeit sowie dem Leben ihrer Träger erzählen.

Georg Wimmers, Vorsitzender des Beecker Heimatvereins, begrüßte die Gäste bei der feierlichen Vernissage, die mit Alphornmusik und Volkstänzen des Ehepaars Brendl untermalt wurde. Die beiden Kuratoren, Gregor Laufenberg, künstlerischer Leiter des Trachtenmuseums, sowie die Ethnologin und Ärztin Irene Steiner, aus deren privater Sammlung ein Großteil der über 1500 Exponate stammt, führten die Besucher durch die Ausstellungsräume und beleuchteten durch ihren großen Wissensschatz die historischen Botschaften der prachtvollen Schmuckstücke und Kleidungen. Rund 70 Prozent der aktuellen Ausstellung bestehen aus völlig neuen Exponaten.

Die Ausstellung wurde unter dem Gesichtspunkt „Macht und Tracht“ umgestaltet und deckt auf, welche Einflüsse die Politik über die Jahrhunderte auf die Trachten hatte. So geht es im Bereich „Tracht und Adel“ beispielsweise um die Trachtenbegeisterung, die in Adelshäusern um 1900 aufkam und sowohl als Modeerscheinung, als auch als Suggestion der Nähe zum Volk verstanden werden könnte. In den Fokus werden dabei vor allem Trachten aus den Fürstentümern Liechtenstein und Schaumburg-Lippe genommen. Die Ausstellung beschäftigt sich jedoch auch mit den Schattenseiten der politischen Macht im Bezug auf die Tracht: Der Saal im ersten Obergeschoss ist dem Münchener Volkskunsthaus Wallach gewidmet, welches einen maßgeblichen Einfluss auf unsere heutige Sicht auf Tracht und Dirndl nahm. Die jüdischen Inhaber, Händler und Textilfabrikanten der Familie Wallach sind ebenso wie die jüdische Volkskundlerin Goldstern, die die größte Sammlung alpiner Trachten ihr Eigen nannte, auf verschiedenste Weise dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen, wurden enteignet oder ermordet. Während die Umbrüche in der Trachtenmode nach dem Nationalsozialismus häufiger bedacht würden, fänden die Schicksale dieser jüdischen Händler jedoch kaum öffentliche Beachtung, sagte Steiner. Bisher habe sich nur das jüdische Museum in München mit dem Thema beschäftigt – das hatte sie ändern wollen.

Das Prachtstück der Ausstellung ist eine seltene Liechtensteiner Tracht aus Seide mit Radhaube, eine Leihgabe der Liechtensteiner Trachtenvereinigung und ihrer Präsidentin Astrid Marxer. Im Fürstentum wird die Tracht noch gelebt und gepflegt, in den sechziger Jahren erlebte die historischen Vorbildern nachempfundene Tracht eine Renaissance. Das Tragen von Trachten ist in der parlamentarischen Monarchie ein fester Bestandteil von Staatsfeiertagen oder den Kirchgängen und wird vom Königshaus gefördert, getreu dem Motto der Trachtenvereinigung, das da lautet „Zukunft braucht Herkunft“. Die Trachten sind jedoch so kostbar, dass sie eigentlich nie außer Landes gegeben werden – dem Kontakt Irene Steiners zu Astrid Marxer sowie Steiners kommender Ausstellung im Landesmuseum in Vaduz ist es nun zu verdanken, dass das Beecker Trachtenmuseum als erstes in Deutschland eine originale Liechtensteiner Tracht ausstellen darf.

„Was hier gezeigt wird, sind die sorgsam gehegten Erinnerungen von Generationen“, erklärte Steiner. Es sei die Hauptaufgabe des Museums, diese Erinnerungen zu bewahren und lebendig zu halten und die Vielfalt der europäischen Trachten aufzuzeigen. Ein Forschungsziel sei es, nicht nur auf regionaler Ebene, sondern auch über- und außereuropäisch Verbindungen und Unterschiede zwischen den Kulturen aufzuzeigen sowie die Hintergründe und Lebensumstände der Träger lesbar zu machen.

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