Wegberg: Scharfzüngig und ideenreich

Wegberg: Scharfzüngig und ideenreich

Robert Griess bot politisches Kabarett, mit dem er bestens unterhielt. Er stellte unterschiedliche Typen dar.

Dass der Kabarettist Robert Griess gerne ganz aktuelle Ereignisse des Weltgeschehens in seine Programme einfließen lässt, war auch bei seinem Auftritt vor annähernd hundert Besuchern in der Wegberger Mühle zu spüren: Vor allem auf die Präsidentenwahl in den USA spielte er regelmäßig an.

In Amerika hätten sie jetzt die personifizierte Gier als Präsidenten, meinte er und warf Ausdrücke wie "Let's make Germany great again" als Anspielung auf dessen Vorhaben immer wieder ein. Griess präsentierte sein Programm "Hauptsache, es knallt!" im Mühlenraum - eine Veranstaltung, die das Stadtmarketing organisierte und bei der Mario Kempf für guten Ton und blaue Lichteffekte sorgte. Damit setzte die Stadt ihr Angebot von Kabarett oder Jazz in loser Abfolge fort. Immer wieder Thema an diesem unterhaltsamen Abend war ebenso Griess' Misstrauen gegenüber BWL-Absolventen und Bankern. Bei einem vorherigen Auftritt während einer Kunstausstellung in einem Bankinstitut in Frankfurt hätten sich die Banker über Kultur und die Künstler über Geld unterhalten - jeder thematisierte diejenigen Sachen, die er nicht hatte. Mit einem sehr bildhaften Vergleich machte er Zuständigkeiten auf dem Europa-Tisch mit 20 Äpfeln klar: Nachdem sich der Banker 19 davon genommen hatte, warnte er den Steuerzahler davor, dass der Grieche das übrig gebliebene Exemplar wollte.

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Ebenso machte der Kölner auch vor den Ministerien nicht halt. Horrende Ausgaben für Marine-Hubschrauber, die nicht über Wasser fliegen können, G36-Sturmgewehre, die nur im kalten Krieg treffen und eine Kanzlerin Merkel, die unbeirrt weitermacht und weiter gewählt wird. Ein Problem ihrer Politik machte er dabei darin aus, dass sie Spitzenämter nicht nach Talenten vergebe - um selber besser da zu stehen? Zwischen schonungslosen Analysen mit Augenzwinkern und der ein oder anderen Übertreibung präsentierte der Kabarettist einige Denkansätze mit Potenzial für positive Veränderungen. So folgerte er daraus, als Land Drittgrößter Waffenlieferant weltweit zu sein, die Verpflichtung, den Drittgrößten Flüchtlingsanteil aufzunehmen. Oder wäre ein Angehen des auslösenden Übels eine Möglichkeit?

Boni-Zahlungen an Manager nahm er ebenfalls aufs Korn - und prangerte ironisch gierige Krankenschwestern an, die Bonis verlangten und ansonsten weniger Leben retten wollten. Ein Tipp am Rande für mehr Rentengerechtigkeit: In Österreich zahlten alle in eine Rentenkasse ein und jeder bekomme rund ein Drittel mehr Rente. Glaubhafte Sichtweisen aus unterschiedlichen Blickwinkeln brachte Griess mit der Verkörperung von "Herrn Stapper auf Hartz IV" oder einem der skrupellosen Entscheider dar. Vergnügen mit Privatfernsehen, in dem sich die mittlere Bevölkerungsschicht vor der unteren gruseln kann, damit sie der oberen nicht auf die Finger schaut, standen dabei der Menschenverachtenden Billigung von Niedriglöhnen in entfernten Ländern und von Lebensbedrohlichen Folgen von Waffenlieferungen gegenüber. Viel Gelächter erntete Griess mit seinen Übungen für die Revolte im Alltag, die er als Zugabe in der Stapper-Rolle brachte.

(cole)
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