Salonorchester Da Capo gab Konzert im Forum Wegberg

Muttertagskonzert im Forum Wegberg : Mit Musik den Augenblick genossen

Das Salonorchester „Da Capo“ spielte zu Ehren der Mütter und seines verstorbenen Leiters Ernest Frissen ein gut gemischtes Programm. Zudem begeisterten ein Bariton sowie ein herausragender Nachwuchsgeiger.

Das Salonorchester „Da Capo“ hatte im vorigen Jahrhundert in Wegberg angefangen, zum Muttertag aufzuspielen. In den mehr als 20 Jahren traten sie immer in der selben Besetzung auf, erinnerte Pianist und Moderator Constant Notten die 210 Zuhörer an zurückliegende Zeiten, und jetzt habe sich alles geändert. Unvorhergesehen war ja Leiter Ernest Frissen vor einigen Monaten gestorben. Er hatte „Da Capo“ 35 Jahre lang zusammengehalten, wie Notten sagte, für ein Ensemble eine unheimlich lange Zeit. Mit Begeisterung und Leidenschaft war er dabei gewesen. Als Stehgeiger brachte sich jetzt Nikita Akulov aus Russland zu Marieke Keser an der 1. Violine ein. „Wir widmen das Konzert Ernest und auch den Müttern“, bekräftigte der Moderator, „wir sollten jetzt den Augenblick akzeptieren, später geht es nicht mehr.“

Im weiteren Verlauf des Muttertagskonzertes im Forum, das beinahe ausverkauft war, wurde das Ensemble seinem Ruf als Garant für erstklassige Interpretationen der Salonmusik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und vieler weiterer, sehr unterhaltsamer Musikstücke ein Mal mehr vollends gerecht. Dabei versprühte Bariton Sef Thissen mit großartiger Stimme viel Charme und Temperament. Erstmals war er mit der Arie „Belle si come un angelo“ (Schön wie ein Engel) von Donizetti stimmgewaltig und mit beeindruckender Bühnenpräsenz zu hören. In Bizets „Toreador“ steigerte er sich während des Gesangs zu mächtigen Ausrufen, nach denen er direkt wieder Ruhe einforderte – diesen Beitrag beendete er mit der Siegerpose des erfolgreichen Stierkämpfers. Der zehnjährige Raphael Gisbertz, der bester Schüler von Kreismusikschul-Lehrer Ernest Frissen gewesen war, hatte vom ersten Ton der anspruchsvollen „Zigeunerweisen“ des Komponisten de Sarasate an die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer. In lockerer Art bewegte er sich auf der Bühne und trug äußerst sicher und grandios ohne Noten zur Klavierbegleitung vor. Dabei wechselten sich ein sehnsüchtiger Unterton voller Gefühl mit einzelnen akkuraten Staccatos oder äußerst flink gespielten, schnellen Tonfolgen ab. In der darauffolgenden Arie „Komm Zigani“ aus der Operette „Gräfin Mariza“ von Kálmán trat er neben Stehgeiger Nikita Akulov bravourös im „Zigeunerorchester“ zum emotionsgeladenen Gesang des Baritons in Erscheinung: Hier steigerten sich dann alle Instrumente in einem explosiv interpretierten Finale. Das Publikum applaudierte erneut besonders laut und erkannte die großartige Leistung des jungen großen Talents und der älteren, ebenfalls äußerst gekonnt agierenden Musiker, voll an.

Das reine Orchester ließ etwa in dem Stück von Brahms „Ungarischer Tanz Nr. 1“ sein großes Können hören: Darin spielte der Stehgeiger temperamentvoll und leidenschaftlich vorne auf und es nahm die Flötistin gekonnt das schnelle Thema auf. Die Spielfreude aller übertrug sich mühelos auf das Publikum, das im Laufe des späten Nachmittags immer wieder mitsummte, sich zu den Melodien im Takt wiegte oder leise mitsang. Berührend schlicht und wohlklingend ließ Nikita Akulov mit der „Meditation“ aus der Oper „Thais“ eins der Lieblingsstücke des verstorbenen Leiters als eine von zwei Zugaben hören. Energiegeladen und optimistisch stimmend kam dahinter der Marsch „Alte Kameraden“ daher.

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