Riffelfest in Beeck: Alte Handwerkskunst im Mittelpunkt

Riffelfest in Beeck: Alte Handwerkskunst im Mittelpunkt

Der Heimatverein Beeck und der Mühlenverein der Schrofmühle Rickelrath hießen beim ersten Riffelfest viele Besucher willkommen.

Der Flachsanbau war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Lebensgrundlage in hiesiger Gegend. Geriffelt haben die Menschen, wenn der Flachs nach rund 100 Tagen Wachstum über dem Boden reif war. Mit Hilfe des Riffelbalkens trennten sie damals die Samenkörner von den Stängeln und lagerten letztere im Anschluss in Wasserrösten, um die Flachsfasern später besser von den Holzanteilen trennen zu können. Das Auslegen des geernteten Flachses auf den Feldern, das sogenannte Taurösten, war ebenso dazu gedacht, dauerte aber 30 bis 40 Tage lang.

Das feucht-fröhliche Fest, das zum Abschluss des Riffelns damals gefeiert wurde, ließen Heimatverein Beeck und Mühlenverein der Schrofmühle jetzt erstmals mit dem Riffelfest auf dem Flachsmuseumsgelände wieder aufleben. Die vielen interessierten Besucher bekamen zudem eine Landmaschinenschau auf dem Beecker Dorfplatz am Weiher zu sehen.

In einer humorvollen, von Jürgen Kraemer moderierten, Demonstration kamen die Gerätschaften der Flachsverarbeitung bei Sonnenschein unter freiem Himmel zum Einsatz. Selbst die Flachspflanzen wachsen im eigenen Bauerngarten des Museums und waren zu unterschiedlichen Zeiten gesät worden: Somit blüht der Flachs über eine längere Zeit. Reif aus dem Boden gezogen oder gerauft erfolgte in Beeck das Riffeln des Flachses. Danach das Brechen, Schwingen zum Ablösen der Holzteile, Hecheln der Fasern sowie Spinnen und Weben: Alles sehr authentisch und für die Gäste gut nachvollziehbar. Kurz vor Festbeginn wieder hergestellt, fiel eine alte Wannmühle mit per Handkurbel betriebenen Windpaneelen auf. Effektvoll blies sie überflüssige Pflanzenteile weg, während die Samenkörner auf ein Sieb fielen.

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„Unsere Geräte, mit denen Flachs verarbeitet wurde, stammen meist aus den Jahren zwischen 1850 und 1900“, erläuterte Georg Wimmers, Vorsitzender des Beecker Vereins. Eine der technischen Entwicklungen sei etwa von der einfachen, manuellen Schwinge zu den komplexeren Ausführungen mit Hand- oder Fußantrieb nachzuvollziehen. „Neuerdings zeigen wir zudem, was mit den Leinsamen passierte“, fuhr er fort. Deren Verarbeitung mit der Ölpresse der Schrofmühle brachte der Vorsitzende des Mühlenvereins, Ferdinand Schmitz, zum Abschluss der Vorführung den Gästen mit einer Filmsequenz näher. Eine beispielhafte Zusammenarbeit der beiden Vereine, die aufrecht erhalten wird. So sind ebenso zwei Vitrinen mit Ausstellungsstücken – von der Waage über ein Öl-Lämpchen bis zum Holzschutz-Leinöl oder Mühlenmodell – im Flachsmuseum dauerhaft eingerichtet. Ein Film wird Besuchern Wissenswertes vermitteln.

Beim Riffelfest, das mit Flachsverarbeitung, Spinnergruppe und Antiktrödelmarkt in kleinerer Ausführung an Flachsmarktzeiten erinnerte, knüpfte die Schau mit 18 Traktoren und vier Unimogs auf dem Dorfplatz an bäuerliche Zeiten nach dem Flachsanbau an. So ein kleinerer Deutz „Bauernschlepper“ aus den 1940er Jahren, den die Bundesbahn ehemals kaufte, um Pakete auszuliefern. Oder einen gut erhaltenen Lanz Bulldog aus dem Jahr 1951, an den zunächst die alten Kipppflüge der Pferde gehängt wurden. Bis hin zu einem der ersten voll ausgestatteten Kabinenschleppern mit gepolstertem Sitz und Heizung. Die Hobbysammler, von denen Niklas mit seinen zwölf Jahren der Jüngste war, stellten viele interessante Fahrzeuge aus.