Wegberg: Rather kämpfen für Spielstraße

Wegberg: Rather kämpfen für Spielstraße

Die Stadt Wegberg möchte den verkehrsberuhigten Bereich der Enzianstraße in Rath-Anhoven in eine Tempo-30-Zone umwandeln. Das sehen die Anwohner mit Sorge. Eltern befürchten, dass die Sicherheit ihrer Kinder gefährdet ist.

Susanne Wilms schüttelt den Kopf. Die Mutter von zwei Kindern, neun und elf Jahre alt, fragt sich, wer sich nur so etwas einfallen lassen konnte. "Aus unserer Spielstraße soll eine Tempo-30-Zone werden. Das hat uns die Stadt Wegberg mitgeteilt", sagt sie. Seitdem das bekannt ist, sind viele Eltern, die mit ihren Kindern in den Häusern des schicken Neubaugebietes wohnen, in großer Sorge. "Sollte es tatsächlich dazu kommen, können wir unsere Kinder nicht mehr nach draußen lassen, weil es einfach zu gefährlich ist", sagt sie. Die Sicherheit ihrer Kinder steht für Susanne Wilms an oberster Stelle.

Aus einem Schreiben der Stadt Wegberg geht hervor, was die Verwaltung plant. Demnach hat die geplante Umwandlung der verkehrsberuhigten Enzianstraße (Spielstraße) in eine Tempo-30-Zone mit der kürzlich vorgenommenen Sanierung der Rather Straße zu tun. Denn nachdem das Teilstück der Rather Straße vom Kreisverkehr an der Bundesstraße 57 bis zur Einmündung Buchholzer Straße/Rather Straße saniert worden war, wurde auf diesem Teilstück der Rather Straße eine Tempo-30-Zone eingerichtet. Dort gilt jetzt die Rechts-vor-Links-Regelung. Die Enzianstraße ist jedoch bislang weiterhin ein verkehrsberuhigter Bereich, wodurch beim Ausfahren in die Rather Straße die Vorfahrt anderer Verkehrsteilnehmer zu gewähren ist und dort nicht die Rechts-vor Links-Regelung gilt.

Der zuständige Mitarbeiter der Verwaltung erklärt in einem Schreiben an Familie Wilms, dass mehrere Ratsherren an die Stadt herangetreten seien und nach Gesprächen mit mehreren Anwohnern angeregt hätten, die Enzianstraße in die Tempo-30-Zone zu integrieren. Zur Begründung heißt es, dass durch die Änderung eine einheitliche Regelung entlang der Rather Straße geschaffen würde. Doch für die Enzianstraße hätte das weitreichende Konsequenzen, denn die bisher geltenden Regelungen des verkehrsberuhigten Bereichs würden aufgehoben.

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In Spielstraßen dürfen Kinder über die gesamte Straße hinweg toben, Fußball spielen und womöglich auch mit Kreide den Asphalt verschönern. Autofahrer müssen angesichts dieser Situation besondere Vorsicht walten lassen, um Fußgänger nicht zu gefährden oder gar zu verletzen. Jedes Fahrzeug, das sich durch eine Spielstraße bewegt, hat sich an die Schrittgeschwindigkeit zu halten. Das gilt sowohl für Autofahrer als auch für Radfahrer.

Wer die enge Situation der verwinkelten Enzianstraße kennt, fragt sich, wie dort Tempo 30 erreicht werden soll, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. "Wir haben mit vielen Nachbarn gesprochen", erklärt Susanne Wilms. Alle 44 Haushalte an der Enzianstraße haben sich nach ihren Angaben dafür ausgesprochen, die vorhandene Spielstraße zu erhalten und dies mit ihrer Unterschrift dokumentiert.

So gibt es im Gegensatz zum benachbarten Neubaugebiet "Am Gaskessel" beispielsweise keine separat ausgewiesene Fußwege abseits der Fahrbahn. Die geltenden Parkplatzregelungen auf der Enzianstraße sollen nach Angaben der Verwaltung unverändert beibehalten werden. Die Stadt weist auch darauf hin, dass an der Kreuzung zur Rather Straße die Rechts-vor-Links-Regelung gilt, wenn die Tempo-30-Zone auf der Enzianstraße eingerichtet ist. Entsprechende Fahrbahnmarkierungen sollen dies dann verdeutlichen. Die Änderung tritt nach Angaben der Verwaltung in Kraft, sobald die Stellungnahme der Kreispolizeibehörde vorliegt, die Beschilderung geändert und die Straßenmarkierungen aufgebracht wurden, teilt die Verwaltung mit. Susanne Wilms und viele andere Anwohner der Enzianstraße hoffen, dass es dazu nicht kommen wird und ihr Wohngebiet ein verkehrsberuhigter Bereich bleibt. "Wir wollen unsere Kinder schließlich auch in Zukunft draußen spielen lassen können. Das war ein wichtiger Grund, warum wir damals überhaupt hierhin gezogen sind", sagt Susanne Wilms.

(hec)