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Wegberg: Profi-Porträtmaler gibt Schülern Tipps

Wegberg : Profi-Porträtmaler gibt Schülern Tipps

Die Viertklässler der Beecker Grundschule haben im Kunstunterricht Porträts gezeichnet. Jetzt kam der Maler Wolfgang Bühren mit zwei großen Acrylgemälden zu Besuch. Für die Schüler gab es eine Menge zu lernen.

Die Spannung bei den 20 Viertklässlern der Gemeinschaftsgrundschule "Am Beeckbach" ist groß. Während des Kunstunterrichts mit Fachlehrerin Birgit Menzel hatten sie zuvor die Bilder des Kunstmalers Wolfgang Bühren auf dem Computer-Tablet angeschaut. Jetzt ist er zu ihnen in die Klasse gekommen und hat zwei großformatige Acrylgemälde mitgebracht. Staunend betrachten die Kinder alle Nuancen der detaillierten Porträts genau. Der Maler selbst steht ihnen Rede und Antwort sowie gibt er jede Menge künstlerische Anregungen.

"Ich habe in meinem ganzen Leben beruflich und freizeitlich immer mit Pinsel und Farbe gearbeitet", erzählt Wolfgang Bühren den Neugierigen, "das hat sich so ergeben." Die Zahl seiner gemalten Bilder geht in die Tausende, erfahren sie. Er war über 30 Jahre lang selbstständig und hat viel nach Aufträgen gearbeitet, um Geld zu verdienen. "Auch für Schausteller. Da gibt es Fahrgeschäfte mit riesigen Rückwänden und Fassaden", führt er aus, "manche waren mehr als 20 Meter lang und sechs bis acht Meter hoch - da musste ich auf Gerüste klettern."

 Jungfrau Helene (v.l./Ralf Barten), Vorsitzender Gerd Opwis, Prinz Bernd II. (Heiss), Präsidentin Sonja Opwis und Bauer Willi (Dohmen).
Jungfrau Helene (v.l./Ralf Barten), Vorsitzender Gerd Opwis, Prinz Bernd II. (Heiss), Präsidentin Sonja Opwis und Bauer Willi (Dohmen). Foto: Backhaus

Der 68-Jährige sitzt vor der Schülerschar. Hinter sich hat er Gesichterstudien des Rockstars Mick Jagger und des Schauspielers Al Pacino auf Staffeleien ausgestellt. Freundlich lächelnd blickt der Sänger drein, während Al Pacino eine nachdenkliche Haltung präsentiert. Die Schüler der vierten Klasse nehmen zurzeit das Thema Porträtzeichnen durch und sie haben innerhalb dessen halbe Vordrucke zu ganzen gezeichneten Porträts vervollständigt. Der Maler hebt somit das Porträtmalen besonders heraus.

Es kommt dabei auf jedes einzelne Detail an, ist zu erfahren, so viele Milliarden Menschen gibt es und alle haben Augen, Nase und Mund - trotzdem sehen alle verschieden aus. Besonderheiten der Gesichtsmerkmale gut zu treffen ist seiner Aussage nach beim Zeichnen und Malen ebenso wichtig wie korrekte Proportionen und Gesichtsform. Wenn alles ganz genau getroffen ist, kann eine Ähnlichkeit erreicht werden.

Alle gehen in den Flur, um die gezeichneten Schülerwerke anzuschauen, bei denen ebenso stimmige Proportionen und realistische Abbildung wichtig sind. Wenig später bewegt sich Wolfgang Bühren zur Tafel und zeichnet mit blauer Kreide beispielhaft ein Gesicht: Am unteren Rand des oberen Drittels zeichnet er die Augen ein, daneben die Ohren und darunter Nase und Mund.

"Ich arbeite mich von hinten nach vorne vor", erläutert er. Zuerst male er den Hintergrund, dann die Gesichtshaut und ziehe schließlich die Haare darüber. Mit Blick aus dem Fenster beschreibt er ein ähnliches Vorgehen bei der Landschaftsmalerei: Hier sind es zunächst Himmel und Feld sowie im Anschluss die Bäume, die auf dem Boden stehen.

Es sind sehr interessante Ausführungen für die jungen Zuhörer, die ihn zur Arbeit, zu seinem Bekanntheitsgrad und zur Arbeitsstätte mit Fragen löchern. Seinen Werdegang beschreibt Wolfgang Bühren an diesem Morgen auch. So besuchte er zunächst die Volksschule und absolvierte dann die Ausbildung als Plakatmaler und Schaufenstergestalter, später Schauwerbegestalter genannt.

Nach der Tätigkeit für mehrere Kaufhäuser schloss er ein Studium an der Werkkunstschule Düsseldorf, der späteren Fachhochschule für visuelle Kommunikation, an. Im Anschluss arbeitete er in Werbeagenturen und machte sich danach als Kunstmaler selbstständig. Bis heute fertigt er zuhause in seinem Atelier in Mönchengladbach-Rheydt, seiner "Knöswerkstatt", die kleineren Bilder an und es steht ihm für größere Arbeiten ein weiterer Raum zur Verfügung.

Das Kunst-Projekt an ihrer Grundschule, das auf Initiative von Birgit Menzel zustande kam, befindet kommissarische Schulleiterin Britt Glattback-Görtz im Anschluss unter dem Aspekt Talentförderung als pädagogisch sehr wertvoll. Es werde durch die künstlerische Betätigung ganz viel Neues kreativ angestoßen.

Birgit Menzel wird Erlebtes in den kommenden beiden Kunststunden mit der Klasse besprechen und dann das Thema abschließen. Ein künstlerisches Talent sei durchaus eines, mit dem man auch sein Einkommen bestreiten kann, betont sie.

(cole)