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Bereutes Anhören: Priester: kein Richter, sondern Zuhörer

Bereutes Anhören : Priester: kein Richter, sondern Zuhörer

Pfarrvikar Theo Wolber berichtet von seinen Erfahrungen bei der Beichte. Sein Credo dabei: "Der Richter ist allein Gott."

Jeden ersten Freitag im Monat wartet einer aus dem Trio Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran, Pfarrvikar Theo Wolber und Kaplan Michael Marx, dem Priesterteam von St. Martin Wegberg, im direkten Anschluss an die Marktmesse um 9 Uhr in den vorderen Kirchenbänken der Pfarrkirche St. Peter und Paul auf "Kundschaft". Dann bietet die Pfarrei turnusgemäß das Beichten an, das Bußsakrament der Katholischen Kirche.

"Im vergangenen Jahr haben wir diesen Termin eingeführt", erzählt Theo Wolber. Der werde gut angenommen: "Es kommen immer welche." In Ermangelung eines Beichtzimmers zögen es die meisten Beichtenden vor, direkt an Ort und Stelle, also in einer Kirchenbank außer Hörweite anderer Kirchenbesucher, mit dem Priester das leise Beichtgespräch zu führen. "Nur noch wenige bevorzugen dafür den Beichtstuhl - das sind vielleicht noch zehn Prozent", sagt Wolber.

 Theo Wolber
Theo Wolber Foto: LAASER (ARCHIV)

Auch wenn sich die äußere Form also erheblich gewandelt hat - an der traditionellen inhaltlichen Gestaltung würden sehr viele Beichtende festhalten. So sei nach dem gemeinsamen Kreuzzeichen die klassische Einstiegsformel "In Demut und Reue bekenne ich meine Sünden. Meine letzte Beichte war vor..." nach wie vor äußerst beliebt, sagt der Pfarrvikar - und kann dies auch gut verstehen: "Das ist wie ein Geländer, an dem man sich entlanghangeln kann. Das gibt Sicherheit - gerade zum Gesprächseinstieg kann das sehr hilfreich sein."

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Zu diesem Geländer zähle für viele auch heute noch die sogenannte "Katalog-Beichte" - also das minutiöse Abarbeiten aller Gebote. "Abgesehen davon, dass die Beichte früher verpflichtend war, durfte der Beichtende ja auch auf gar keinen Fall etwas vergessen. Generell war die Beichte für viele früher daher angstbesetzt, war man froh, wenn man es hinter sich hatte", führt Wolber aus.

Was nun anders ist. "Diejenigen, die heute noch beichten kommen, tun dies aus tiefer Überzeugung - ohne Druck von außen. Ihnen ist es damit sehr ernst", unterstreicht Wolber. In der Regel lässt er den Beichtenden dann erst einmal erzählen. "Ich möchte ja erfahren, was ihm auf der Seele brennt. Ich versuche, mich in ihn einzufühlen, höre zu, frage nach, gebe Ratschläge. Dabei darf man nicht sein eigenes Empfinden zum Maßstab nehmen. Es geht schließlich um das Gewissen des Beichtenden, seine Beziehung zu Gott." Und eines ist für Wolber dabei ganz zentral: "Ich bin nicht der Richter - das überlasse ich aus tiefster Überzeugung Gott."

Bei etlichen Beichtgesprächen würde es ans Eingemachte gehen. "Da gibt es dann Situationen, wo ich deutlich merke, dass ich an meine eigenen Grenzen komme. Ich bin ja auch kein Psychotherapeut, sondern Priester", sagt Wolber. Und genau deswegen ist für ihn dann auch sehr wichtig, dem Beichtenden zu vermitteln, dass Gott verzeiht. "Das Bußsakrament ist daher ein sehr befreiendes Sakrament", betont Wolber - und freut sich daher immer sehr an den Kommunionkindern: "Die lassen wir ihre Sünden auf einen Zettel schreiben, die sammeln wir ein. Nach der Beichte verbrennen wir diese Zettel, werden diese so zu Asche. Damit zeigen wir den Kindern, dass ihre Sünden vergeben sind, dass unser Gott ein verzeihender Gott ist. Die meisten Kinder kommen daher auch fröhlich und beschwingt aus der Beichte raus."

Während seiner Priesterausbildung sei die Beichtsituation auch wiederholt simuliert worden - mittels Rollenspiel. "Da wurde nachher auch gesagt, was man dabei gut gemacht hat und was es zu verbessern gilt", sagt Wolber.

Bleibt die Frage, bei wem und wo denn ein Priester selbst beichtet. "Wir sind angehalten, das nicht bei einem direkten Kollegen zu tun - und auch nicht bei einem, der es mal werden könnte. Ideal ist es daher, das in einem Kloster zu tun." Er selbst fahre dafür gerne ins Nikolauskloster nach Jüchen.

(emo)