Porträt der Wegberger Mühlenpoetin Brigitta Theißen-Werner

Wegberger Mühlenpoetin Brigitta Theißen-Werner : Darauf kommt es beim Vorlesen an

Mühlenpoetin Brigitta Theißen-Werner schöpft für ihre Geschichten gedanklich gerne aus der Zeit, in der sie als Selbstständige im arabischen Raum tätig war. Ebenso hat sie viel Spaß daran, reine Fantasie walten zu lassen.

Für Autorin Brigitta Theißen-Werner wird es immer zwei oder drei Tage vor einer Lesung sehr aufregend: Dann fängt sie an, sich ihren Text laut vorzulesen, fügt ihm immer wieder etwas zu oder formuliert Textpassagen anders. Sie gehört der Gruppe „Mühlenpoeten“ an, die aus einer von zwei Schreibwerkstätten des „Aktionskreises Wegberger Mühle“ hervorgegangen ist. Jetzt hat die Gruppe zum Thema „Wie das Leben so spielt“ vor interessiertem Publikum gelesen, Rosi Hüllen-Zimmermann begleitete die Veranstaltung mit ihrem Flötenspiel.

Dabei findet Brigitta Theißen-Werner, dass sich alle bei den Lesungen gewaltig entwickelt haben. „Vorher haben wir die Texte nur runter gelesen, aber jetzt bringt jede eine gewisse Betonung rein und dadurch wirkt die Geschichte auch wieder ein bisschen anders.“ Eine Aussage, die sich nach dem Zuhören bestätigen lässt. So trug sie ihre Geschichte vom jungen Erwachsenen Jan, der autistische Merkmale aufweist, die jedoch vom Vater, der Internist ist, nicht wahrgenommen werden, mit Empathie für die Handelnden vor. Nachdruck verlieh sie ihrer Stimme vor allem in den Sätzen, in denen die Personen sprachen oder laut dachten. Schockierend trug sie die Nachricht vom Tod Jans in die Stille der aufmerksamen Zuhörerschaft hinein – dieser hatte zwar durch seinen Umzug in die eigene Wohnung mit über 20 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit vollzogen, jedoch keine Verantwortung für seine eigene Gesundheit übernommen. Obwohl er bereits ohne Wissen der Eltern das 1. Staatsexamen in Jura hinter sich brachte, nahm er auf der anderen Seite durch ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung mehr als 25 Kilogramm zu und war an Herzversagen gestorben. Wie kommt eine Hobbyschriftstellerin zu ihren Geschichten und wie entwickelt sie die darin handelnden Charaktere? Brigitta Theißen-Werner hat zu schreiben angefangen, um Erlebnisse zu verarbeiten. „Ich habe auch ein bewegtes Leben unter anderem als Selbstständige im arabischen Raum hinter mir“, erzählt sie. Dort seien die Unterschiede zwischen Mann und Frau immer noch stark und sie hat vor allem Erlebnisse anderer Frauen dort in ihre Geschichten integriert.

„Als wir Mühlenpoeten angefangen haben, habe ich viel autobiografisches und biografisches in den Geschichten eingepackt, zu den Themen, die wir uns gestellt haben.“ So ist auch Jans Mutter eine Freundin von ihr. Später kam eine Zeit, in der sie nur aus der Fantasie heraus Geschichten zu den Themen erfand, was ihr sehr viel Spaß machte. So erfand sie etwa das Schwesternpaar zu „Freiheit“: Die eine stirbt und die andere entdeckt die Freiheit, sich für die Erziehung von deren Zwillingskindern zu entscheiden. So war beim Schreiben die Liebe zwischen Geschwistern sowie Tante und Zwillingen grundlegend. Dazu kam der Kontrast zur bisherigen Lebensweise. „Die Figuren waren dann da und der Inhalt entwickelte sich von allein“, sagt die Autorin, die sich selbst ein bisschen als „Drama-Queen“ sieht und beispielsweise Schriftstellerin Jojo Moyes, die viele rührselige Geschichten entwickelte, mag. „Ganz am Anfang haben wir von Journalistin Sandra Wagner einige Grundbegriffe gelernt“, fügt sie an. So, einen Plot – ein Handlungsgerüst – zu schaffen, zu schreiben und zu einem Ende zu kommen, das ein wenig dramatisch ist. Sie selbst brauche eine gewisse Ruhe und könne dann aber stundenlang schreiben.