Niedeckens BAP bei "Pape grillt" in Wegberg

Niedeckens BAP bei „Pape grillt“: Niedeckens BAP begeistert in Papes Garten

Das dreistündige Konzert der Kölner Band von Wolfgang Niedecken bei „Pape grillt“ spiegelte 40 Jahre Bandgeschichte.

An Christian Pape führt kein Weg vorbei, wie immer schüttelt er unter dem Torbogen des altehrwürdigen Haus Beeck die Hände (fast) aller Besucher zur fünften Auflage von „Pape grillt“. Und 2700 sind gekommen, darunter neben vielen Stammgästen aus der Region BAP-Fans aus Wuppertal und sogar Besucher, die aus Weimar anreisten. Und um es direkt vorweg zu nehmen: Sie erlebten ein dreistündiges Konzert der „Kölner Rocklegende“ (O-Ton Pape) ohne Pausen, das keine Wünsche der Fans offen ließ.

Wie angekündigt, lieferte der 66-Jährige mit seiner diesmal achtköpfigen Musikercrew einen fulminanten Ritt durch 40 Jahre Bandgeschichte und bekannte am Ende, nachdem im zweiten Zugabenblock „Jraaduss“ gemeinsam mit dem Gastgeber und dem Publikumschor erklungen war: „Es war uns ein Fest.“ Kurz vorher war natürlich die BAB-Hymne schlechthin, „Verdammp lang her“, erklungen. 29 Titel boten alle Facetten von Gassenhauern wie „Waschsalon“, über Liebeslieder („Wie schön“) bis hin zu den gesellschaftskritischen Songs (“Kristallnaach“, „Arsch Huh“) des engagierten Künstlers mit Widmung an seine am Montag in einem Konzert in Chemnitz Flagge gegen Rechts zeigenden Kollegen von Kraftclub, Tote Hosen & Co.

Dank für die „unfassbar tolle Atmosphäre“ und spontanen Beifall der Band hörte Pape später beim Abschlussbierchen mit den Künstlern. Pape über diese Resonanz, die auch viele Besucher äußerten: „Ich bin selig.“

Nach zweimonatiger Sommerpause ist Wolfgang Niedecken mit seiner Band BAP wieder auf Tour. Start war in Beeck. Foto: Laaser, Jürgen (jl)
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Über das „sensationelle Konzept“ von „Pape grillt“ – „So etwas müsste es häufiger geben“ – äußerte sich Niedecken auch im Spontan-Interview mit unserer Redaktion kurz vor dem Konzert im zur Künstlergarderobe umfunktionierten Vincentiushaus. Die Erwartung, der Star, werde zwischen Tür und Angel drei Pressefragen möglichst schnell hinter sich bringen wollen, wird angenehm enttäuscht. Niedecken wirkt entspannt und nimmt sich Zeit für einen Plausch auf dem Sofa. Nach zwei Monaten Sommerpause sei es hier in Wegberg der erste Auftritt und Start in die zweite Tourneehälfte. „Deshalb haben wir zwei Stunden lang auch einen besonders intensiven Soundcheck gemacht und uns eingespielt.“ Der Künstler ist mit Frau Tina, die ihn stets begleitet, „jetzt wo die Kinder aus dem Haus sind“, aus Köln gekommen, die Band hat im Tourbus schon übernachtet.

Niedecken strömt erstaunliche Entspannung und Gelassenheit aus. Hat ihn die einschneidende Erfahrung des Schlaganfalls 2011 verändert? Nicht entscheidend, was seine Aktivitäten anbelange, sagt er, ein Album-Projekt 2017 in New Orleans und seine USA-Reise auf den Spuren seines großen Vorbilds Bob Dylan (Doku war gerade im WDR zu sehen) beweisen es. Aber: „Ich weiß jetzt auch, wenn es genug ist.“ Wie entstehen seine Stücke? „Ganz unter unterschiedlich“, sagt er. „Die Texte sind von mir, Melodien und Musik oft ein Gemeinschaftswerk mit den Bandkollegen.“ Und er hebt die Ankerleute seiner Band hervor, die sich auch im Konzert als exquisite Musiker hervortun: Multiinstrumentalistin Anne de Wolff, Gitarrist Ulrich Rode und Keyboarder Michael Nass.

Christian Pape hatte zum Grillen mit BAP in seinen Beecker Garten eingeladen. Danach sagte er: „Ich bin selig.“ Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Neu in der Crew ist ein Bläsertrio, Kollegen, die Niedecken bei der Vox-Sendung „Sing meinen Song“ kennenlernte, wie er auf der Bühne erzählt. Auch einige der älteren Stücke erfahren durch Bläser-Intros und Soli neue Akzente. Die Traditions-Rockband bleibt in Bewegung.

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