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Wegberg: Neuer Platz für Grundschul-Lokomotive

Wegberg : Neuer Platz für Grundschul-Lokomotive

Die betagte Diesellok, die an der alten Klinkumer Grundschule das Ortsbild viele Jahre prägte, steht nun nicht mehr an der Alten Landstraße. Beim Merksteiner Verein Bergbaudenkmal Adolf bekommt sie einen neuen Platz.

8,8 Tonnen sind es. Dank moderner Technik kann der Mann, der den 50-Tonner-Autokran bedient, genau sagen, wie schwer die Lokomotive ist, die gerade an den Seilen hängt. Dr. Hedwig Pötters vom Verein Bergbaudenkmal Adolf in Merkstein sieht die Szenerie durchaus mit hocherfreuten Augen. Die Lokomotive, Baujahr 1946 - bislang stand sie vor der ehemaligen Klinkumer Grundschule. In Dienst gestellt war sie unter Tage, sie sorgte mit für die Förderung der Steinkohle in der früheren Hückelhovener Zeche Sophia-Jacoba. Danach wurde sie Ende der 1990er Jahre zum Spielgerät für die Klinkumer Grundschüler umfunktioniert.

Der Schulbetrieb wurde vor rund einem Jahr eingestellt. Heute besuchen Klinkumer Kinder die Wegberger Erich Kästner Schule. "Die Lok soll nicht einfach hier herumstehen. Dazu ist sie zu wertvoll, weil sie mit dazu beigetragen hat, Zechengeschichte zu schreiben." Stefan Grates sagt das. Er kommt aus Erkelenz und ist der Betreiber der Website www.sophiajacoba.de. Hier geht es um Geocaching, die moderne Form der Schnitzeljagd. Auf diese Weise stieß er auf die Klinkumer Diesellok und eine baugleiche, die in Arsbeck steht. Mit Dr. Hedwig Pötters, der stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins Bergbaudenkmal Adolf, kam er in Kontakt, als er mal in Merkstein beim Bergbaudenkmal zu Gast war.

Von der Stadt Wegberg holte man sich grünes Licht, als es darum ging, für beide Lokomotiven eine weitere sinnvolle Nutzung sicherzustellen. Die Voraussetzung war: "Es muss etwas mit der Bergbautradition in unserer heimischen Region zu tun haben", so Stefan Grates, "und eine solche ist in Wegberg direkt nun mal nicht vorhanden." Die Klinkumer Lok, die mittlerweile in Merkstein steht, wird dort überarbeitet und gepflegt, ehe sie beim Bergbaudenkmal Adolf als Spielgerät zum Einsatz kommt. "Wir haben eine mehr als 100 Jahre alte und noch voll funktionsfähige Dampfmaschine, die das Publikum anlockt. Mit der Klinkumer Diesellok erhoffen wir uns eine weitere Steigerung der Attraktivität", ist Dr. Hedwig Pötters überzeugt.

Fakt ist, dass mit der Lokomotive ein weiteres Stück der alten Klinkumer Grundschule verschwindet. Die Lok war eng mit dem Ort verbunden und von den Bewohnern sehr geschätzt, da sie eben auch ein Blickfang war. Stefan Grates: "Natürlich ist man in Klinkum traurig, dass die Lokomotive nun weg ist, schließlich gehörte sie zum Dorfbild. Aber es galt zu verhindern, dass die Lokomotive einfach so verschrottet wird."

In ihrem Ursprung war die Klinkumer Lokomotive gelb angestrichen. "Eigentlich spielte es für die Zechen keine große Rolle, in welcher Farbe die Loks gestaltet waren. Wichtig war, dass die Farbe günstig zu kaufen und eben lange haltbar war", so Dr. Hedwig Pötters. Ihr und ihrem Verein ist es ein großes Anliegen, die Geschichte des Bergbaus aufrecht zu erhalten, gerade Kinder sollen lernen, wie die Förderung der Steinkohle funktionierte. Schließlich, und das sagen Dr. Hedwig Pötters und Stefan Grates mit Nachdruck, ist die Region mit dem Bergbau eng miteinander verbunden.

8,8 Tonnen - das ist eigentlich nicht das ganze Gewicht der Lok. Würde der Motor noch vorhanden sein, wären zehn Tonnen das tatsächliche Gewicht.

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