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Neue Tagespflege mit historischem Erscheinungsbild und moderner Technik

Neue Tagespflege entsteht in Holtum : Historische Optik, moderne Technik

Wenn alles nach Plan läuft, wird die neue Tagesstätte Haus Maria im August 2022 ihre Pforten für Seniorinnen und Senioren öffnen. Dieses Datum haben die Projektbeteiligten fest im Blick. Jetzt wurde Richtfest gefeiert.

Am Donnerstag feierte das Team der neuen Tagesstätte mit Vertretern der Gewerke, der Verwaltung, der Gemeinde und des Kapellenvereins zunächst ein wichtiges Etappenziel: das Richtfest. Noch ist so einiges zu tun im und am Gebäude in unmittelbarer Nähe zur denkmalgeschützten Gnadenkapelle.

Gerüste verdecken derzeit die freie Sicht auf die Front des Rohbaus mit seinen vier charakteristischen Dachgauben. Ein großer Kran zum Transport des Baumaterials steht auf dem Vorplatz, Klinker und Dämmmatten stapeln sich in beachtlichen Paketen gleich daneben, provisorische Holzstege machen den trittsicheren Zugang ins Gebäude möglich.

Im Inneren brauchen Besucher vorerst ein bisschen Phantasie, um sich vorzustellen, wie Haus Maria nach seiner Fertigstellung einmal aussehen wird. Georg Hock, der auch die Tagespflege Haus Margret in Merbeck betreibt, lässt sich einen Rundgang trotzdem nicht nehmen. Das Erdgeschoss bietet Platz für bis zu 13 Tagesgäste, die sich im Sommer auch auf einer Sonnen-Terrasse oder im Garten aufhalten können. Auf der ersten Etage entstehen vier Mietwohnungen vorzugsweise für Senioren mit einer Größe von 40 bis 70 Quadratmetern.

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„Das Schöne ist: Hier in der Nähe der Kapelle weiß man immer, wie spät es ist“, sagt Hock mit einem Lächeln, während die Glocken draußen läuten. Auch der Keller wird voll ausgebaut: Er soll neben einem Fitnessraum ein Schwimmbad und eine Sauna beherbergen.

Haus Maria bietet ein teilstationäres Pflegeangebot: Gäste kommen morgens ab 7 Uhr und verlassen die Einrichtung um 17 Uhr wieder. Gerade darin sieht Hawazen Hussein, die Pflegeleiterin von Haus Margret in Merbeck, die Bedeutsamkeit der Tagespflege. „Unsere Gäste haben die Gewissheit, jeden Tag nach Hause zu ihren Familien zurückzukehren“, sagt sie.

„Je länger ein Mensch in seiner Familie bleiben kann, umso wohler fühlt er sich. Denn die Familie bildet die Basis für unsere Gesellschaft.“ Was natürlich nicht heißen soll, dass sich die Tagesgäste in Haus Maria nicht heimisch fühlen. „Auch wir – unsere Gäste und die Pflegekräfte – bilden eine Gemeinschaft“, sagt Hussein. So seien neu geschlossene Freundschaften zwischen den Senioren keine Seltenheit.

Eine besondere Herausforderung für Architekt Peter van Dornick bestand darin, die Auflagen des Amtes für Denkmalschutzes baulich zu erfüllen. Dabei sollte vor allem sichergestellt werden, dass sich Haus Maria „harmonisch in das umliegende Ensemble einfügt“. In dessen Zentrum befindet sich die Gnadenkapelle, die zur „Holtumer Oktav“ jedes Jahr bis zu 5000 Pilger in den kleinen Wallfahrtsort zieht.

„Die Fassade wird mit Klinker verblendet, der optisch zur Kapelle passt“, sagt van Dornick, der der Entwürfe eines Planungsbüros aus Mönchengladbach umsetzt. Auch die Zahl der Gauben und deren Verkleidung mit Schiefer waren vorgegeben. Die Referenz für das Erscheinungsbild ist die alte Volksschule, die früher an gleicher Stelle stand. Auch der Vorplatz wird umgestaltet und neu gepflastert.

Im Inneren des Gebäudes befindet sich im Kontrast zu den historischen Anleihen der Fassade modernste Technik: Geheizt wird regenerativ mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, aufs Dach kommt eine Photovoltaik-Anlage mit 84 Modulen und 30 kWP Leistung. Haus Maria erfüllt nach Angaben von van Dornick zudem die Effizienzhaus-Stufe 55 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Damit ist es besonders energiesparend.

Im August hatten einige Anwohner eine Online-Petition gestartet. Sie wollten Ihrer Sorge Ausdruck verleihen, das neue Gebäude könne ein baulicher Fremdkörper im Dorf bleiben. Ihre Forderung: Haus Maria müssen dem Dorfcharakter angepasst werden. 664 Unterschriften wurden gesammelt. „Ich bin mir sicher, dass die Zweifler nach Fertigstellung des Hauses ihre Ansicht ändern werden, weil das Objekt einen Mehrwert für Holtum bedeutet“, sagt Georg Hock mit Blick auf die strengen Auflagen des Amtes für Denkmalschutz, die beim Bau alle berücksichtigt würden.