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Neue „Schilda“ für die Mühlenstadt Wegberg

91 Ortsschilder werden erneuert : Wegberg und das „Schilda“-Problem

In allen 40 Wegberger Stadtteilen werden zurzeit die Ortsschilder erneuert. Die alten Exemplare werden zugunsten der Stadtkasse versteigert. Die Schilder für die Innenstadt sind falsch bedruckt und müssen ausgebessert werden.

Michael Stock sah sich zum schnellen Handeln gezwungen: „Nein. Wir haben nicht heimlich Wegberg in Mühlenstadt umgetauft. Und nein. Es handelt sich nicht um die endgültigen (Achtung Wortwitz!) Schilda“, teilte er per Facebook mit. Wegbergs Bürgermeister lieferte am Dienstag höchstpersönlich eine Erklärung zu einem Missgeschick im Zusammenhang mit den neuen Ortsschildern für die Mühlenstadt: Die Schilder wurden falsch bedruckt.

Schon seit einigen Wochen werden auf Beschluss des Wegberger Stadtrates sämtliche Ortseingangsschilder im Stadtgebiet ausgetauscht – 91 an der Zahl. Auf den neuen Schildern ist in großen Buchstaben der Name des jeweiligen Dorfes der insgesamt 40 Außenorte Wegbergs zu lesen, darunter – in deutlich kleinerer Schrift – der Zusatz „Mühlenstadt“. Rat und Verwaltung ist es wichtig, dass dieses fürs eigene Selbstverständnis und für Vermarktungszwecke wichtige Alleinstellungsmerkmal auch nach außen hin sichtbar wird. Geebnet wurde dieser Weg dadurch, dass die Stadt Wegberg, wie andere Kommunen im Kreisgebiet mittlerweile auch, auf den Ortsschildern auf den üblichen Hinweis „Kreis Heinsberg“ verzichtet.

 „Beim Druck ist etwas schief gegangen“, erklärt Wegbergs Bürgermeister Michael Stock.
„Beim Druck ist etwas schief gegangen“, erklärt Wegbergs Bürgermeister Michael Stock. Foto: Stadt Wegberg

Als jetzt die sechs neuen Ortseingangsschilder im Bereich innerhalb des Grenzlandrings angebracht wurden, wunderten sich jedoch einige Bürger sehr darüber, dass die Stadt Wegberg offenbar komplett in „Mühlenstadt“ umgetauft werden sollte: Der Schriftzug „Mühlenstadt“ ist auf den fehlerhaften Schildern in großen Lettern zu lesen, und der Zusatz „Wegberg“ darunter in deutlich kleinerer Schrift – genau umgekehrt war es eigentlich geplant. „Beim Druck ist etwas schief gegangen“, erklärt Bürgermeister Michael Stock. Doch einfach abmontieren konnten die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, die mit dem Austausch der Schilder beschäftigt sind, die sechs falsch bedruckten Ortsschilder nicht – aus rechtlichen Gründen, „damit in Wegberg weiterhin 50 km/h gefahren werden muss“, wie Bürgermeister Stock sagt. Zuvor hatte sich angesichts des Missgeschicks bereits die Idee zerschlagen, die alten Schilder einfach hängen zu lassen: Die Stadt hatte die alten Rahmen, die bislang noch nicht der Größe nach DIN-Norm entsprachen, schon auswechseln lassen – und die alten Schilder passen nicht mehr in die neuen DIN-Norm-Rahmen.

Der Bürgermeister der Mühlenstadt ist zuversichtlich, dass das Wegberger „Schilda“-Problem schon bald Geschichte sein wird. „Es kommen neue Folien, die auf den Schildern aufgebracht werden, und auf denen Wegberg dann so groß zu lesen ist, wie es sich gehört“, teilt er mit.

Der Austausch soll übrigens auf Kulanz geschehen und der Stadt keine zusätzlichen Kosten bescheren. Michael Stock ist nach wie vor davon überzeugt, dass die 91 neuen Schilder für die Mühlenstadt die Stadtkasse nicht belasten werden. Die Materialkosten für die neuen Schilder mit dem Zusatz „Mühlenstadt“ werden auf rund 6000 Euro beziffert. „Den Betrag bekommen wir bei einer Versteigerung der ausgemusterten Tafeln garantiert wieder rein“, erklärt Stock. Er habe Anfragen von ehemaligen Bürgern aus Wegberg vorliegen, die gerne ein Schild als Erinnerung an die frühere Heimat haben möchten. Stock hat deshalb eine Wette mit der zweifelnden Kämmerin Sonja Kühlen abgeschlossen: Der Verlierer der Wette muss ein Frühstück für das Büro des Bürgermeisters beziehungsweise für die Kämmerei organisieren.

Werden tatsächlich alle 91 alte Schilder bei der Auktion an den Mann oder die Frau gebracht, müssten pro Schild im Schnitt mindestens 66 Euro für die Stadtkasse erzielt werden – ein durchaus ehrgeiziges Unterfangen. Einen Termin für die Auktion gibt es noch nicht. Die alten Ortsschilder sollen auf dem Wegberger Rathausplatz versteigert werden.

Das „Schilda“-Missgeschick hat für Michael Stock aber auch etwas Gutes, denn für seine Wette gegen Kämmerin Sonja Kühlen hat er nun ein zusätzliches Ass im Ärmel: Sollte es dem Bürgermeister der Mühlenstadt bei der Auktion vor dem Wegberger Rathaus nicht gelingen, die 6000 Euro wieder einzusammeln, könnte er noch versuchen, sechs falsch bedruckte Schilder unters Volk zu bringen – denn Fehldrucke sind bekanntlich die wertvollsten Exemplare.