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Nabu-Ortsgruppe führt Insektenzählung in Wegberg-Wildenrath durch

Aktion der Ortsgruppe Wegberg : Nabu führt Insekten-Inventur in Wildenrath durch

Unter Anleitung von Insektenscout Daniela Krekelberg zählten freiwillige in Wildenrath den Insekten-Bestand. Die Zahlen geben Anlass zur Sorge.

Bienen, Hummeln, Wespen, Marienkäfer oder Streifenwanze eine Stunde lang beobachten, dabei die Scheu vor ihnen verlieren und die Natur vor der eigenen Haustür besser kennenlernen: das ist eine der Ideen des Insektensommers 2022. An der durch den Naturschutzbund (Nabu) erneut bundesweit initiierten Zählaktion beteiligte sich auch die Wegberger Ortsgruppe, die bei hochsommerlichen Temperaturen auf das weitläufige Areal an der Naturschutzstation Haus Wildenrath eingeladen hatte. Insektenscout Daniela Krekelberg, die als Beisitzerin dem erweiterten Vorstand des Nabu Wegberg angehört, forderte die Teilnehmer auf, sich eine zehn mal zehn Meter große Fläche auszusuchen. Ausgerüstet mit einfach zu nutzenden Hilfsmitteln wie Becherlupen, dem Bestimmungsbuch „Tiere und Pflanzen“ sowie dem eigenen Smartphone mit der Nabu-App zogen die freiwilligen Insektenzähler los. Nach der ersten Zähl-Etappe im Juni folgte nun der Abschluss des jährlichen Insektensommers, den der Naturschutzbund bereits zum fünften Mal organisierte, um den aktuellen Bestand anschließend weiterzureichen an die Wissenschaft.

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Mitmachen konnte jeder auf ganz einfache Weise. Daniela Krekelberg, die auch als ausgebildete Waldpädagogin Kindergartenkinder mit Flora und Fauna vertraut macht, organisiert die Zählung seit drei Jahren. „Was man liebt, das schützt man“, meint die 47-Jährige überzeugt. Und: „Die Insekten sind sehr wichtig, weil sie viele Aufgaben haben. Wir können ohne sie nicht leben.“

Uwe und Anke Schulte-Michels verbinden bei der ungewöhnlichen Aktion kurzerhand das Angenehme mit dem Nützlichen. Das Paar hat eine bunte Picknickdecke mitgebracht, die an einem schattigen Platz ausgebreitet wird. Nach der unermüdlichen Bestandsaufnahme kommt Uwe Schulte-Michels zu einem eher ernüchternden Ergebnis. „Es ist erschreckend, was alles gar nicht mehr vorhanden ist“, sagt der Wegberger. Er erinnert sich an die eigene Kindheit, als sein Vater das Auto auf dem Weg in seine sauerländische Heimat alle 60 Kilometer an einer Tankstelle stoppte, um die Frontscheibe von den unzähligen Insekten zu säubern. „Jeder kann im eigenen Garten was machen. Es muss nicht immer alles perfekt aussehen“, meint Anke Schulte-Michels. Sie wünscht sich, dass auch Stadtplaner zu neuen Erkenntnissen kommen und zum Beispiel Schottergärten verbieten.

Die Zahlen, die Krekelberg präsentiert, sind traurig. Inzwischen seien 41 Prozent der Schmetterlinge ausgestorben, Wildbienen sogar schon zur Hälfte. Etwa 80 Prozent weniger Insekten gebe es in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu 1989. „Die Population wieder zu erhöhen, ist eine Riesen-Aufgabe“, meint sie. Den Tieren zum Beispiel heimische Wildblumen anzubieten, sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um Bienen und Wespen etwas zu trinken anzubieten, eigneten sich Teller oder Schalen, in die man kleine Steine oder auch Moos als „Landefläche“ legen könne.