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Mundartabend in Wegberg: Großes Jubiläum als närrische Sitzung

200. Klängerstu’ef in der Wegberger Mühle : Großes Jubiläum als närrische Sitzung

Die Mundartfreunde feierten das Jubiläum der 200. Klängerstu‘ef in ausgelassener Stimmung. Mit Redebeiträgen, Liedern und Sketchen pflegten sie ihre Modderschpro‘ek.

Das Jubiläum der 200. Klängerstu‘ef war für die Veranstalter des Historischen Vereins Wegberg Anlass, auf die zurückliegenden Jahre zu blicken und gleichwohl das Plattdeutsch mit aktuellen Beiträgen aufleben zu lassen. „Mundart-Papst“ Karl Bertrams, Heinz Eßer, Klaus Bürger und Maria Küppers veranstalteten gewohnt souverän den Abend und sorgten mit Redebeiträgen und Einspielungen für gute Unterhaltung. Dabei lieferte Reinhold Küppers, der sonst meist von Herbert Gehlen unterstützt wird, mit seinem Akkordeonspiel die musikalische Begleitung für (Schunkel-) Lieder sowie brachten sich Gäste mit Liedern und Texten ein. Entsprechend der Jahreszeit kam das Ganze als närrische Sitzung daher und es waren die mehr als 80 Besucher in der Wegberger Mühle bunt kostümiert.

Es hatte etliche Höhepunkte in den Jahren der Klängerstu‘ef gegeben – dies zeigte eine aufwändige Power-Point-Präsentation, die Heinz Eßer nach Begrüßung durch Vorsitzenden Hermann-Josef Heinen zeigte. Inklusive O-Tönen waren Akteure befreundeter Vereine, auch aus anderen Städten im Kreis Heinsberg, zu sehen. Sie gaben mit oder ohne Instrument plattdeutsche Anekdoten und Geschichten zum Besten. Einige von ihnen waren auch beim Jubiläumsabend in der Wegberger Mühle dabei. So trug etwa Theo Schläger eine Hymne auf die Muttersprache vor. Platt lebe vom Gefühl und nicht vom Kopf, vermittelte er ebenso wie die Möglichkeit, Mundart auch außerhalb der Karnevalszeit lernen zu können. Ebenso sang Horst Jungbluth, der ehemals mit dem inzwischen verstorbenen Bernd Hoyer als „Hotte und Bernd“ aufgetreten ist, über die wunderschöne Wohnlage innerhalb und am Wegberger Grenzlandring. Zudem sorgten die Botschafter des Heimatvereins Wegberg-Beeck, Georg Wimmers und Heinz Schlömer, musikalisch für Stimmung und luden mit projizierten Texten zum Mitsingen ein.

Der ausgewiesene „Mundart-Papst“ der Veranstalter, Karl Bertrams, stellte viele positive Aspekte von 400 Stunden Klängerstu‘ef heraus: Sie hätten Freude, viel Erzählen, auf Platt Singen und keinen Knatsch mit sich gebracht. Und allen zu einigem Wissen verholfen: Etwa dass der Hahn beim Krähen die Augen schließt, da er das Stück auswendig kennt. Sein Dank galt den treuen Gästen und er betonte, dass das Treffen, das sich zu einem bedeutenden Forum für die plattdeutsche Sprache entwickelt hat, wichtig für den Erhalt des Berker Platt ist. Die Veranstaltung sei sogar über die Grenzen von Berk hinaus bekannt geworden, betonte Maria Küppers, so habe der heilige Stuhl im Vatikan schon davon gehört. Als kleiner Pastor und Übersetzer kehrte sie wenig später mit einem Abgeordneten des Papstes (Reinhold Küppers) zurück vors Publikum und beide betrieben internationale Kommunikationskultur. Wortreiche Ausführungen in italienischer Sprache erhielten schon mal eine ganz eigene Übersetzung – wie das eine Element des Plattdeutschen, „Kokolores“, einfach als „Eierkuchen“ bezeichnet wurde. Amüsant ebenso die Laudatio auf die Aktiven, zu denen beispielsweise Carolo Bertramso gehörte.

Sehr amüsant und authentisch kamen zudem Klaus Bürger mit seiner Geschichte über den ehefraulichen Ausflug sowie zwei Rednerinnen über den „Halbmensch Mann“ oder die eigene Partnervermittlung „Topf un Deckelchen“ an. Ein Schwelgen in plattdeutschen Texten und Liedern, bei dem viel Heimatgefühl aufkam.