Multimediales Gedächtniskonzert in der Wegberger Mühle erinnert an Ersten Weltkrieg

Multimediales Gedächtniskonzert : Künstlerisch der Soldaten gedacht

Ein multimediales Gedächtniskonzert in der Wegberger Mühle nimmt mit klassischer Musik, zeitgenössischer Fotografie und Texten von Soldaten eindrücklich Bezug auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs.

Das multimediale Gedächtniskonzert „100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs“, das die Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg in der Wegberger Mühle präsentierte, zeugte vom Bestreben der Menschen, andere Formen des Kriegsgedenkens zu finden. Dies beschrieb Fachbereichsleiter Ingo Rümke bei seiner Begrüßung der rund zwei Dutzend Zuhörer. Seiner Meinung nach sei es ein besonderes Konzert, das mehr Besucher verdient habe – so machten die Aufführenden eben ein Kammermusikkonzert daraus. Pianist Desar Sulejmani und Cellist Olsi Leka führten zu den an die Wand projizierten Fotografien von Frédéric Pauwels klassische Musik auf. Diese war während des Ersten Weltkrieges sowie teils davor und teils danach komponiert worden.

In Belgien war das multimediale Gedächtniskonzert bereits mehrfach aufgeführt worden, In Wegberg hingegen feierte es seine Premiere. Aus Anlass des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren begleiteten der Pianist und Cellist musikalisch das Kunstprojekt des Fotografen und schufen so eine einzigartige Einheit von Musik, Fotografie und Texten. Das Bestreben war, mit den musikalischen Beiträgen die Gefühle, Gedanken und Träume der damaligen Generation zu symbolisieren.

Frédéric Pauwels bereiste die gesamten 700 Kilometer der westlichen Front von der Nordsee bis in die Vogesen: Er macht Fotos von den Narben, die dieser Krieg in der Landschaft hinterlassen hat. Die Texte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch waren von den Soldaten während ihrer Einsätze geschrieben worden oder stammten von Freunden und Angehörigen.

In der Wegberger Mühle waren somit schwarz-weiße Bilder von verlassenen Bauten zwischen Schutzmauern oder Skulpturen mit Totenköpfen zu sehen. Oder Soldaten standen mit ihrem Gepäck allein in weiter Landschaft oder waren als grafische Abbildungen in farbige Umgebungen eingefügt. Ebenso gaben Sammlungen von Waffen oder Schuhen, Ansichten von Kreuzreihen und Schützengräben sowie eine große Zahl von Gebeinen und Schädel beklemmende bildliche Eindrücke von Leid und Gewalt wider.

In Briefen schilderten die Betroffenen, wie sie seit Tagen ohne Wasser und bei Leichengeruch in ihren Positionen ausharrten. Bei den Aufnahmen von leeren Laufgräben oder verwaisten Schutzwällen fragte sich zudem der Zuschauer, wie sich die Menschen wohl, tief in der Erde liegend und großer Gefahr direkt ausgesetzt, gefühlt haben mochten. Oder welche Szenarien sich an Orten abgespielt hatten, an denen tiefe Einschlaglöcher das Landschaftsbild prägen.

Die beiden Musiker ließen dazu in oftmals getragener Weise und in ruhigem Tempo Werke von Henriette Bosmans, Robert Schumann, Antonin Dvorak und vielen weiteren Komponisten in intensivem Spiel hören. Das Gesamtkunstwerk vermittelte eine sehr eindringliche Botschaft des Friedens.

Mehr von RP ONLINE