Mantrailing beim DVG MV Wegberg: Unterwegs mit Kommissar Spürnase

Ausbildung beim Hundesportverein Wegberg : Unterwegs mit Kommissar Spürnase

Menschen aufspüren – Mantrailing – lernen Hunde beim Hundesportverein DVG MV Wegberg. Kleinste Hautschüppchen reichen.

Gordon-Setter-Hündin Zoe ahnt, dass eine besondere Aktivität ansteht und blickt Besitzerin Claudia Vollmers erwartungsvoll an. Diese öffnet eine gut verschlossene Plastiktüte und hält sie dem Tier direkt unter die Nase. Nach wenigen Sekunden lässt es von dem Stoffstück ab. Die daran befindlichen Gerüche hat Zoe anscheinend in ihrem Gedächtnis gespeichert. Die kleine Szene im Vereinsraum des Hundesportvereins DVG (Deutscher Verband der Gebrauchshundsportvereine) MV (Mitgliedsverein) Wegberg stellt die Ausgangssituation für die nachfolgende Personensuche dar. So hatte Vorsitzende Dorothee Obst Minuten vorher das Zimmer verlassen und sich an einer Ecke im Außengelände versteckt.

Die Hündin trägt ein Geschirr um den Brustkorb, an dem die Zehn-Meter-Schleppleine befestigt ist. „Such Doro!“, fordert ihre Besitzerin sie vor der Tür in bestimmtem Ton auf. Zoe wedelt freundlich und beginnt damit, den Boden vor ihr gründlich mit der Nase abzusuchen. Für das Mensch-Hund-Gespann geht es vom Übungsgelände weg, etwa 150 Meter einen Zaun entlang. Auf halber Strecke ist sich die Hündin sehr sicher, die richtige Spur zu haben und führt ihre Besitzerin geradewegs und um die Kurve herum zur Wartenden. Dann legt sie sich auf den Boden zu Füßen der Vorsitzenden und verweist so auf die aufgespürte Person.

Bei dieser Suche handelt es sich um die anschauliche Demonstration der kleinsten Prüfungsstufe beim Mantrailing: Bei dieser befindet sich die gesuchte Person in 150 bis 300 Metern Entfernung, die Geruchsspur liegt seit zwei Stunden und das Tier wird innerhalb von 25 Minuten fündig. Bei der größten Stufe handelt es sich um eine Entfernung von 800 bis 1000 Metern, die Person lief vor mindestens 18 Stunden dort entlang und der Hund hat 45 Minuten Zeit, sie, wieder am Endpunkt stehend, zu finden.

„Die Sozialverträglichkeit der Hunde wird durch die Begleithundprüfung sichergestellt, und diese stellt eine Vorbereitung auf Wettbewerbe für Mantrailing-Prüfungen dar“, erläutern Dorothee Obst und Claudia Vollmers diese besondere Richtung des Hundesportbereichs. „Das Mantrailing ist reine Personensuche – beim gehenden Menschen schwirren Hautschuppen durch die Luft, die Hautzellen werden durch Bakterien zersetzt und es entsteht ein Gas, das der Hund riechen kann.“

Das Mantrailing, das die Tierfreunde in ihrem Verein neben der Fährtensuche durchführen, findet auf Wirtschaftswegen, Wiesen, im Wald oder in der Stadt statt. Anfangs sieht es so aus, dass eine Person vorgeht und der Hund sie mit Augenkontakt findet. Im Weiteren werden Distanz und Zeitdauer der liegenden Geruchsspur immer größer. Dabei achten die Hundesportler darauf, allgemein geltende Verhaltensregeln einzuhalten. „Auf Wirtschaftswegen ist der Hund zu führen“, fasst Dorothee Obst diese zusammen, „der Hund kann auch frei laufen, darf den Weg aber nicht verlassen und darf niemanden belästigen.“

Im Naturschutzgebiet müsse der Hund stets an der Leine sein, und in anderen Waldgebieten sollte er gut dem Wort seines menschlichen Begleiters folgen. „Wenn wir auf Privatgrundstücken und in Privatwäldern trailen, holen wir immer die Erlaubnis von Besitzer und Jagdpächter ein.“ Dabei ist das Stöbern im Unterholz tabu.