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Literaturtage in Wegberg: Krimi pur beim Literarischen Quartett

Literaturtage in Wegberg : Krimi pur beim Literarischen Quartett

Vier Kriminalromane besprach das Literarische Quartett im Rahmen der Wegberger Literaturtage mit dem Titel „3 Tage Buch“. Moderatorin Inge Koch-Wittmann hatte außerdem spannende Lesetipps mitgebracht.

„Ich freue mich, dass die Kultur in Wegberg wieder atmen kann“, begrüßte der Vorsitzende des Wegberger Kulturrings, Willy Meersmann sein Publikum zum Literarischen Quartett, das im Rahmen der Literaturtage „3 Tage Buch“ stattfand. Organisiert werden die Literaturtage durch den Kulturring und die Wegberger Buchhandlung Kirch. Drei Tage lang luden die Veranstalter zu vielfältigen literarischen Angeboten ein.

„Das Literarische Quartett im Forum“ am Samstagabend stand ganz im Zeichen des Verbrechens – es wurden Kriminalromane vorgestellt. Gemeinsam mit Moderatorin Inge Koch-Wittmann und dem Publikum besprachen die drei Wegberger Literaturkenner Helmi Kaiser, Maj Kuchenbecker und Ralf Wolters insgesamt vier Bücher. Im Mittelpunkt standen „Mexikoring“ von Simone Buchholz, „Die Alte“ von Hannelore Cayre, „Fliege fort, fliege fort“ von Paulus Hochgatterer sowie „Feinde“ von Susanne Saygin.

„Die Alte“ ist ein Krimi über Drogenhandel und Geldwäsche, der vor allem durch die selbstkritische, ironische und politisch inkorrekte Art seiner Protagonistin besticht. Diese arbeitet ursprünglich als Arabisch-Übersetzerin für das Drogendezernat. Uneinig war sich das Quartett in Bezug auf ihre Sympathie für die Hauptfigur: Amoralisch, Witze auf Kosten anderer und keinerlei Empathie, so empfanden es Kaiser und Wolters. Kuchenbecker dahingegen berichtete: „Gerade dieser tief schwarze Humor, die Situationskomik, übertrieben und grotesk – das hat es für mich lustig und spannend gemacht“. Ungewöhnlich ist bei „Die Alte“ in jedem Fall die Perspektive, aus der der Leser die Handlung erlebt: Nicht wie so oft aus der Sicht von Ermittlern, sondern an der Seite der Täterin.

In „Fliege fort, fliege fort“ besteht das Ermittlerduo aus einem Kommissar und einem Psychiater. Dort überrollt eine ganze Welle an Verbrechen eine idyllische Kleinstadt. „Zunächst hat mich das Buch verwirrt“, schilderte Maj Kuchenbecker. „Es gibt unglaublich viele Erzählstränge, Parallelhandlungen, wechselnde Orte und vor allem Personen. Ich habe einmal grob nachgezählt und bin auf über hundert Personen gekommen, die zumindest kurz charakterisiert werden“. Moderatorin Koch-Wittmann erklärte: „Aus meiner Sicht ist das ein Buch, in dessen Genuss man beim zweiten oder dritten Mal lesen kommt“. Kaiser ergänzte: „Es ist sehr anspruchsvoll und tiefsinnig“. Vielfach wird der Umgang mit Schuld thematisiert, Vergangenheitsbewältigung und Aufarbeitung. „Aufgefallen sind mir amüsante Stellen, wo der Psychiater lediglich denkt, dass er denkt und es doch ausgesprochen hat“, so Wolters.

„Mexikoring“ ist der achte Band der Reihe rund um die trinkfeste Staatsanwältin Chastity Riley und thematisiert Clan-Kriminalität. „Es wird ein Einblick in die inneren Strukturen eines Clans gegeben, was meines Erachtens von der Autorin gut recherchiert wurde“, so Ralf Wolters in seiner Buchvorstellung. „Für mich ist es eher kein Krimi. Gesellschaftskritisch und zugleich unterhaltsam durch viele fantastische und witzige Sprachbilder“.

Zum Abschluss stellte Koch-Wittmann „Feinde“ vor. Ein Krimi um mafiöse Machenschaften im Baugeschäft, Migration und Schlepperei. „Eine authentische Erzählung, die die Autorin hier aus eigenem Erleben heraus schildert. Man hat den Eindruck, dass die gebrochene Romanwelt nicht repariert werden kann“, so Koch-Wittmann. Besonders die Figurenbeschreibungen stechen hervor – denn diese werden durch ihre Musikvorlieben charakterisiert. „Ein Krimi, wie er es sein soll – tolle Erzählung, Spannungsbögen und ein fulminantes Ende“, resümierte Wolters.

Für die musikalische Einbettung der Bücher sorgten Wolfang Wittmann (Gitarre) und Sarah Buschfeld (Gesang), unter anderem mit Peter Alexanders „Kriminaltango“ und „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ von Bill Ramsey.

Bereits zum Auftakt der Literaturtage am Freitag war Radio- und Fernsehjournalistin Christine Westermann im Forum zu Gast und las aus ihrem Buch „Manchmal ist es federleicht“. Willy Meersmann berichtete: „Westermann hat auf eine sehr charmante Art aus ihrem Leben erzählt, viel rund um ihr Buch, ihr Leben und das Thema Abschied nehmen.“