Sommernachtslesung auf dem Alten Friedhof in Wegberg: Krimilesung in mystischer Atmosphäre

Sommernachtslesung auf dem Alten Friedhof in Wegberg : Krimilesung in mystischer Atmosphäre

Bei einer Sommernachtslesung auf dem Alten Friedhof in Wegberg wurden Kriminalgeschichten präsentiert.

Das gewittrige Wetter in den frühen Abendstunden hielt die Besucher nicht davon ab, später in den Stadtpark, den Alten Friedhof von Wegberg, zu kommen. „Nach meinem Regenradar sieht es vielversprechend aus“, sagte Veranstalter Torsten Heiss. Und dessen Optimismus wurde prompt belohnt: Im stimmungsvollen Licht der untergehenden Sonne konnte die Sommernachtslesung beginnen. Genau die richtige Stimmung für die zum Teil spannenden und schaurigen Geschichten, die das Autorenteam im Repertoire hatte.

Die Autoren Kurt Lehmkuhl und Helmut Wichlatz sowie Hörbuchsprecher René Wagner lasen zum dritten Mal auf dem Alten Friedhof. Das Angebot stammt aus dem Veranstaltungskalender von Bestatter Torsten Heiss, der mittlerweile fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Wegberg ist. „Damit wollen wir Begegnungen schaffen und den Menschen regional eine Plattform bieten“, erklärte Heiss.

Die abendlichen Lesungen unter freiem Himmel haben eine besondere Atmosphäre, nicht nur wegen den umherflatternden Fledermäusen. Ohne künstliches Licht oder Tonverstärker sind die Zuhörer nah an Vorlesern und Geschichten dran: Sie ließen sich bei Wein und Knabbereien von der besonderen Stimmung in den Bann ziehen. „Wir überraschen uns auch ein bisschen gegenseitig mit den Werken“, berichtete René Wagner, der einige Geschichten von Kurt Lehmkuhl vorlas. Darunter „R.I.P. – Ruhe in Porselen“, in der ein Paar der Ruhe wegen von der Stadt aufs Land zieht – dort jedoch mit schreienden Pfauen, kläffenden Hunden und störender Gartenarbeit der Nachbarn konfrontiert, „entledigen“ sie sich nach und nach aller Störungen.

Kriminell, doch zugleich heiter waren die kurzen Geschichten, die zum Teil überraschende Wendungen bereithielten. So hatte sich Lehmkuhl an einem Gedicht versucht und Wichlatz hatte zwei Kolumnen mitgebracht, „Weltpremieren“, wie er stolz erklärte. Seine Krimis spielen häufig in der Region. In „Komm, lass uns spielen“ steht ein Dorf im Mittelpunkt, das dem Braunkohlentagebau weichen muss. Dort spukt es. „Ich darf gar nicht darüber nachdenken, dass ich aus einem dieser Dörfer stamme“, sagte René Wagner schmunzelnd.

Für die nächste mystische Geschichte von Kurt Lehmkuhl bot der Alte Friedhof die perfekte Kulisse. „Die Mutprobe“ aus dem Buch „Der Manöverschaden“ hat einen einfachen Hintergrund, „Ich habe eine Situation, die man als Jugendlicher als Mutprobe gemacht hat, auf das Erwachsenenalter übertragen“, erklärte Lehmkuhl. Nun stellte sich also die Frage: „Würde der Bürgermeister des fiktiven Städtchens zur Geisterstunde über den Friedhof laufen?“ Die Störung der Totenruhe hat in der Geschichte gruselige Folgen, was trotz des versöhnlichen Endes in der ringsum einbrechenden Dunkelheit für den ein oder anderen Schauer gesorgt haben dürfte.

Der Teilnahmebeitrag an der Lesung wird vollständig an das Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz gespendet. Ihren Ursprung hat die Spendenaktion in Volkshochschulkursen, bei denen Kurt Lehmkuhl mit Autoren aus dem Kreis Heinsberg Kurzkrimis schrieb. Hierbei entstanden die bekannten Selfkant-Krimis. Bei zahlreichen Lesungen aus diesen Büchern ist schon ein beachtlicher Spendenbetrag zusammengekommen. „Wir peilen momentan die 50.000 Euro an“, kündigte Lehmkuhl an.

Nach den spannenden Geschichten stand für Torsten Heiss schnell fest: 2020 geht die Sommernachtslesung in die vierte Runde.

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