Kornmühle als Geschichtsdenkmal

Sanierung in Wegberg-Tüschenbroich : Kornmühle als Geschichtsdenkmal

Nach umfänglicher Restaurierung haben Besucher am Deutschen Mühlentag erstmals die Gelegenheit, die Mühle mit Inventar zu besichtigen. Für Gefache des Fachwerks werden noch Paten gesucht.

Die Kornmühle ist wieder ein schmuckes Gebäude, dem mit umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen zu altem Glanz verholfen wurde. Für die Mühle wurde um 1640 ein stattlicher, zweigeschossiger Fachwerkbau errichtet, in dessen Erdgeschoss rund 200 Jahre später zusätzlich eine Schankwirtschaft eröffnet wurde: Hier warteten oftmals die Bauern, während ihr Korn gemahlen wurde. Das Zusatzgeschäft lief so gut, dass die „Waldschenke“ bald als Anbau ein Restaurant, die heutige „Tüschenbroicher Mühle“, erhielt. Die Einstellung des Mahlbetriebs in den 1940er Jahren und Eindringen von Feuchtigkeit setzten der Kornmühle so stark zu, dass die Wand zum Mühlenbach im Herbst 2015 als Notsicherung abgestützt werden musste. Heute sind die Maßnahmen im Außenbereich so gut wie abgeschlossen.

Der Innenraum wird voraussichtlich bis Ende Juni fertig verputzt sein. Zur Zeit besteht eine gute Gelegenheit, die bisher erfolgten unterschiedlichen Arbeitsschritte im Innern nachzuvollziehen. In welcher Weise gearbeitet wurde, erläuterte Jörg Krapoll während eines Rundgangs. Zentral ist der große Mühlenraum. Dort liegen die Mahlsteine, mit denen das Getreide verarbeitet wurde. „Der jetzige Boden, auf dem sie sich befinden, wird geschlossen und darauf wird ein Holzboden verlegt“, kündigte er an. Über eine Leiter wird die darunter liegende Ebene zu erreichen sein: Dort ist die Welle, die mit dem Mühlrad verbunden war, ebenso zu sehen wie das Zahnrad, das das Schwungrad angetrieben hat. Ist der Boden fertig, werden die Mahlsteine ein paar Meter weiter auf ihren ursprünglichen Platz über den Zahnrädern aus Metall positioniert.

In damaligen Zeiten hatten die Bauern das Getreide an der Rückwand, wo sich jetzt die überdachte Terrasse des Restaurants befindet, angeliefert. Eine originale Schütte zeugt ebenso von der damaligen Verarbeitung wie im ersten Stockwerk eine Umlenkrolle eines Sackaufzugs. Das Inventar wird zukünftig noch um einige Stücke ergänzt, die vor der Renovierung ausgebaut wurden, sagte Jörg Krapoll. Es ist geplant, die Räumlichkeiten als Museum zugänglich zu machen. „Das Gebäude ist das größte Exponat“, beschrieb Krapoll die Pläne der Eigentümerfamilie, „darin werden die Besucher herumgehen können und es wird Infotafeln zur Geschichte sowie extra Ausstellungen zu Themen wie Mühle, Mühlengeschichte oder Tüschenbroich geben.“

Es besteht eine Kooperation mit den Zuständigen der Jülicher Zitadelle, die ab dem Jahr 2020 bei der Konzeption der Ausstellung und Themenstellung mitarbeiten. Um die Restaurierung, deren Kosten die Eigenmittel übersteigen, finanzieren zu können, werden beispielsweise noch Paten für Gefache vor allem der rückwärtigen Giebelwand gesucht: Ab einem Betrag von 50 Euro können sich Interessierte mit ihrer individuellen Unterstützung einbringen.

Zudem hat es eine Förderung von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, vom LVR – regionale Kulturarbeit und denkmalpflegerische Begleitung durch das LVR-Amt für Denkmalpflege und die Stadt Wegberg gegeben sowie eine finanzielle Unterstützung durch Volksbank Mönchengladbach und Kreissparkasse Heinsberg. „Es gab schon erste Vorgespräche mit Mühlradbauern und es ist geplant, dass das neue oberschlächtige Rad im Frühjahr 2020 aktiviert wird“, legte Jörg Krapoll einen weiteren wichtigen Schritt dar.

Die Kornmühle ist am Deutschen Mühlentag, Pfingstmontag, 10. Juni, von 14 bis 18 Uhr erstmals zu besichtigen. Adresse: Kornmühle, Gerderhahner Straße 1, Wegberg-Tüschenbroich.

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