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Kindergarten Wegberg-Klinkum: Ein Mann als KiTa-Leiter

Ein Mann als KiTa-Leiter in Wegberg-Klinkum : Händewaschlied statt „School’s out“

Männer, die in Kindergärten arbeiten, sind eine Seltenheit. Im Kindergarten „Farbenfroh“ Klinkum hat nun Guido Böckem die Leitung übernommen. Der 45-Jährige ist in der Region auch als Rockmusiksänger bekannt.

Guido Böckem liebt das Außergewöhnliche. Mitunter kann man den 45-Jährigen in historischer Tracht aus dem 15. Jahrhundert antreffen. „Reenactment“ nennt sich das ungewöhnliche Hobby von Guido Böckem, bei dem die Aufgabe darin besteht, auf Grundlage von überlieferten Quellen ein konkretes historisches Ereignis aus der Vergangenheit möglichst authentisch zu rekonstruieren. „Dabei kann ich hervorragend abschalten und gemeinsam mit meiner Familie den Alltag entschleunigen.“ Zu Böckems Leidenschaften zählt auch das historische Fechten.

Ein bisschen außergewöhnlich ist auch Böckems Arbeitsstelle. Zumindest für einen Mann. Seit dem 17. August leitet er den städtischen Kindergarten „Farbenfroh“ in Klinkum. Dort ist er für 67 Kinder in drei Gruppen und zwölf Kolleginnen verantwortlich. Dass Männer, die in Kindergärten arbeiten, nach wie vor eine Seltenheit sind, ist Guido Böckem durchaus bewusst. Im Kreis Heinsberg gibt es neben der Klinkumer Kindertagesstätte nur eine weitere, die von einem Mann geleitet wird, die in Wassenberg-Orsbeck.

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Einige Eltern seien erstaunt gewesen, als sie erfuhren, dass der Kindergarten „Farbenfroh“ nun von einem Mann geleitet wird. Ressentiments oder gar Ablehnung habe er aber zu keinem Zeitpunkt gespürt. „In Klinkum bin ich mit offenen Armen empfangen worden. Klar gehen Männer manche Dinge anders an als Frauen“, sagt Böckem. Dass sei in seinem beruflichen Alltag und in der Zusammenarbeit mit seinen Kolleginnen aber kein Problem. „Ich sage immer: Männer machen es anders, aber nicht besser. Es geht darum, dass man sich ergänzt. Dann haben alle etwas davon.“

Es sollten mehr Männer den Mut haben, sich für den Beruf des Erziehers zu entscheiden, meint Böckem. Und er höre immer wieder von seinen Kolleginnen, dass sie und die Kinder sich gemischte Erzieherteams wünschen. Das könne zum Beispiel dazu beitragen, dass Geschlechterklischees nicht so schnell einsetzen.

Aufgewachsen ist Guido Böckem in Gerderath. Dort hat er sich bereits als junger Mensch in der Jugendarbeit engagiert. „Schon damals war Logopädie ein Thema, weil mich die Arbeit mit Sprache fasziniert.“ Doch zunächst wagte Böckem, der von sich selber sagt, dass er Chancen gerne nutzt, den Ausflug in die Profimusik. Mit seiner Band „Substyle“ veröffentlichte Sänger Guido Böckem zwischen 1999 und 2003 mehrere Alben und absolvierte viele Live-Auftritte, unter anderem als Support für Motörhead, Die Happy, Sub7even, den Emil Bulls und für die Mittelalter-Rocker von In Extremo. 2003 stieg er aus der professionellen Szene aus und wurde mit seiner Band „Böck’em“, die Songs von den Red Hot Chili Peppers über Rammstein bis hin zu Queen und Toto spielt, fester Bestandteil der hiesigen Coverszene mit regelmäßigen Auftritten im Erkelenzer und Heinsberger Land. „Musik spielt natürlich auch in meinem beruflichen Alltag als Erzieher eine wichtige Rolle“, erklärt der 45-Jährige. Doch statt „Engel“ von Rammstein und „School’s out“ von Alice Cooper gibt es im Klinkumer Kindergarten das „Begrüßungslied“ und das „Lied vom Händewaschen“ von ihm zu hören. „Musik bedeutet Förderung auf ganzheitlicher Ebene, mit Musik kann man nichts falsch machen“, ist der frühere Profisänger überzeugt.

Im Alltag kann sich der neue Klinkumer Kindergartenleiter auf die Kreativität und Fantasie seiner Schützlinge verlassen: „Kinder brauchen gar nicht so viel, um sich entfalten zu können, einen geschützten Raum und Begleitung durch Erwachsene. Alles andere bringen die Kleinen selber mit.“