Wegberg: Kinder zu ihrem Schutz stärken

Wegberg: Kinder zu ihrem Schutz stärken

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen war Thema eines Vortrages, zu dem die katholische Frauengemeinschaft ins alte Kloster nach Wegberg eingeladen hatte. Gefahren gehen auch von den neuen Medien aus.

Die Idee, zum Thema "Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen" eine Veranstaltung anzubieten, war der Vorsitzenden der katholischen Frauengemeinschaft Wegberg und Beeck, Inge Jakobs, bei der Übergabe eines Spendenschecks an Vereinsmitglied Michael Heinemann gekommen. Während der Holtumer Oktav im vergangenen Jahr hatten die Frauen für "Zornröschen", der Kontakt- und Informationsstelle in Mönchengladbach, gesammelt. Dabei erfuhren die Frauen von den vielen leidvollen Erfahrungen, die die jungen Menschen machen mussten.

Jetzt referierte Sigrid Mattausch, Diplom-Sozialpädagogin, Grundschullehrerin und seit 26 Jahren hauptamtlich für den Verein vor allem in der Prävention von sexuellem Missbrauch tätig, im Refektorium des ehemaligen Karmeliterklosters. Es handle sich immer noch um ein Tabu-Thema, wandte sich Sigrid Mattausch an die etwa zwei Dutzend Zuhörerinnen, unter den sich Gemeindereferentin Antonette Berg und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Sonja Opwis, befanden.

"Zornröschen" diene als niederschwellige Anlaufstelle und biete Prozessbegleitung im Strafverfahren, Diagnostik mit Kindern, Präventionsveranstaltungen sowie Traumapädagogik und Beratung an. Vier Fachkräfte, die der Schweigepflicht unterliegen, sind beschäftigt. Als einzige Stelle am linken Niederrhein ist der Verein bei ersten Beratungen ebenfalls für den Kreis Heinsberg zuständig.

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Mit Zahlen unterlegte sie die Situation. So meldeten sich gut ein Drittel Mitarbeiter von Institutionen. Ebenso sind es vielfach Familienmitglieder - dass die jungen Betroffenen selbst Kontakt suchen, ist selten. Dabei geht es in zwei Drittel der Anfragen um betroffene Mädchen und Jungen. Unter "sexuellen Missbrauch von Kindern" fasst das Strafrecht das Zeigen von Pornofilmen oder zugucken lassen bei sexuellen Handlungen. "Schwerer sexueller Missbrauch" umfasst jede Art von Penetration und organisierten Missbrauch. Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung sowie sexueller Missbrauch, der durch Kinder oder durch Jugendliche begangen wird, ist ebenso zu nennen wie Aktivitäten mit kinderpornografischen Schriften.

Jedes vierte bis fünfte Mädchen macht eine sexuelle Gewalterfahrung und jeder zwölfte Junge, sagte die Referentin, von der Konfrontation mit Exhibitionismus bis zu jahrelangem Missbrauch. Mehr als 16.000 Fälle werden in Deutschland pro Jahr angezeigt, wobei die Dunkelziffer der Fälle um ein vielfaches höher liegt. Dabei seien nur fünf bis zwölf Prozent aller Täter pädosexuell, sprich hätten keine sexuellen Beziehungen zu Erwachsenen. Etwa zehn bis 25 Prozent der Taten werden von Frauen und jugendlichen Mädchen begangen. "Wichtig ist für die Betroffenen, sich Hilfe zu holen und Schutz zu bekommen", betonte Mattausch. Generell sei es zum Schutz wichtig, die Kinder und Jugendlichen zu stärken: Immer sollte jemand wissen, wo sie sind, Angebote Außenstehender sollten zuerst innerhalb der Familie besprochen werden und sie sollten wissen, dass niemand ihnen Angst machen oder sie anfassen dürfe.

In Zeiten moderner Medien empfehle es sich, die jungen Menschen nicht unkontrolliert damit allein zu lassen. Gezielte Anmache in Chats sowie Porno- oder Horrorsequenzen könnten vor allem Kinder nicht einordnen. Unerwünschte Seiten können über den Router gesperrt werden. Wichtig sei es, mit den Schutzbefohlenen über Gesehenes zu reden und es einzuordnen, sagte sie.

(cole)