LVR Förderschule in Wegberg Eine Eisbahn für alle

Wegberg/Mönchengladbach · Ihre Behinderung ist für sie kein Hindernis – zumindest nicht auf der Eisbahn: Seit Kurzem reisen mehrere Klassen der LVR Förderschule Mönchengladbach-Rheindahlen im Winter nach Wegberg, um dort Schlittschuh zu fahren.

Die einen im Rollstuhl, die anderen mit Laufhilfe: Auf der Wegberger Eisbahn hatten die Kinder der LVR-Schule Rheindahlen Spaß.

Die einen im Rollstuhl, die anderen mit Laufhilfe: Auf der Wegberger Eisbahn hatten die Kinder der LVR-Schule Rheindahlen Spaß.

Foto: Ruth Klapproth

Nikola, Alexander und der Bär sind ein eingespieltes Team. Während sich Nikola auf dem Schoß des Bärs – eine Laufhilfe – setzt, schiebt Alexander sie von hinten an. Viel mehr eine kurze Pause für Nikola, denn am liebsten gleitet sie eigentlich selbst mit ihren Schlittschuhen auf der Eisbahn lang. „Auf dem Eis zu laufen, macht mir am meisten Spaß.“ Wenn sie dann doch mal hinfällt, ist das auch nur halb so schlimm. Mit ihrer pinken Skihose fällt sie schließlich weich.

Nikola und Alexander gehen beide auf die LVR-Förderschule Mönchengladbach-Rheindahlen, die Kinder und Jugendliche mit dem Schwerpunkt der körperlichen Entwicklung betreut. Manchen sehe man die körperliche Beeinträchtigung auf den ersten Blick nicht an, anderen hingegen – beispielsweise durch ihren Rollstuhl – schon, schildert Schulleiter Thomas Herrmann. „Wir müssen auf jeden einzelnen Schüler gucken, welche Unterstützung sie brauchen.“ An diesem Tag kommen auf der Eisbahn auf neun Schüler insgesamt drei Lehrkräfte und zwei Helferinnen – eine von ihnen macht ihr Freiwilliges Soziales Jahr, die andere arbeitet als Integrationshilfe. „Es ist eine Kunst, so eine heterogene Gruppe unter einen Hut zu bringen“, fährt Herrmann fort. Mittlerweile machen sieben von 18 Klassen seiner Schule im Winter einen Ausflug zur Wegberger Eisbahn. Gerade die Jüngeren können sich dann also auf der Eisfläche austoben.

Die Idee, an der LVR-Förderschule einen Ausflug zur Wegberger Eisbahn zu machen, hatte Manfred Vits. Sein Enkelkind ist selbst schwerbehindert und geht in die sechste Klasse der Förderschule in Mönchengladbach. Vor seiner Rente war Vits in der Wegberger Stadtverwaltung für Veranstaltungen und Marketing zuständig – Vits kennt also das Wegberger Winterdorf sehr gut. Vor zwei Jahren hat er daher der LVR-Schule in Rheindahlen angeboten, Schulausflüge zur Eisbahn zu begleiten. „Die Resonanz war so gut – sowohl bei den Kindern als auch bei der Schule“, sagt er. Schließlich sei das Schlittschuhlaufen auch ein Erlebnis – „so eine Eisbahn gibt es ja nicht so oft.“

Ein großes Kompliment richtet er an die Wegberger Werbegemeinschaft und dessen Vorsitzende Marion Müller-Platz. Denn durch die Werbegemeinschaft werden solche Aktionen wie das Rumtoben auf der Eisfläche möglich gemacht. Auch andere Schulen können sich bei dem Winterdorf anmelden. In den ersten Jahren der Eisbahn seien fast täglich tagsüber Schüler vor Ort gewesen – mittlerweile sei das weniger geworden. „Wir wünschen uns auch ein paar Kinder aus den Nachbarorten. Denn jedes Kind, das hier Schlittschuh laufen kommt, trägt dazu bei, dass es die Eisbahn auch noch nächstes Jahr geben wird“, sagt Müller-Platz. „Nach dem Schlittschuhlaufen hat man einfach zufriedene Kinder.“

Da die Schule einen wichtigen sozialen Raum stellt, in dem Kinder viel Zeit verbringen, seien solche Ausflüge umso wichtiger, findet auch Schulleiter Herrmann. Nicht nur das Gemeinschaftsgefühl werde auf der Eisbahn gestärt, auch die sinnlichen Erfahrungen und die motorischen Fähigkeiten werden gefördert. Die LVR-Schule Rheindahlen versuche, so mobil wie möglich zu sein und legt daher einen großen Wert auf sportliche Aktivitäten. Bei den bundesweiten Paralympics hat die Schule beispielsweise mit ihrem Team den fünften Platz belegt. „Sport ist wichtig, um sich zu messen. Sport ist aber auch für den Spaß an der Bewegung wichtig“, erklärt Herrmann.

Sei es im Sitzen oder im Stehen – die Kinder bewegen sich und kommen bei den kalten Temperaturen endlich an die frische Luft. Leo zum Beispiel sitzt im Rollstuhl, kann sich darauf aber selbstständig fortbewegen. Über seinen Händen trägt er daher Handschuhe, um seine Hände vor den eiskalten Rädern zu schützen. Leon hingegen macht der kalte Boden weniger etwas aus. Mit seinem Bauch robbt er über den Boden – und genau das will er auch darstellen: eine Robbe. Zur Wärmung gibt es außerdem für die Erwachsenen einen Kaffee, die Kinder kriegen Kakao. Für Marion Müller-Platz insgesamt ein toller Anblick: „Egal für welche Kinder: Das Schlittschuhlaufen ist was Besonderes!“

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