1. NRW
  2. Städte
  3. Wegberg

Katho in Wegberg​: Eine Art zweites Zuhause für junge Menschen​

Katho in Wegberg : Eine Art zweites Zuhause für junge Menschen

Das Katho ist ein Ort, an dem Jugendliche selbstbestimmt Verantwortung übernehmen können und keine Diskriminierung fürchten müssen. Beim offenen Jugendtreff packen alle mit an.

Etwas Süßes oder Salziges für den kleinen Hunger zwischendurch? Das Regal im Kiosk des Katho ist gut gefüllt mit großen, transparenten Plastikdosen voller bunter Fruchtgummis, Chipsletten, Schokoriegeln und sonstiger Süßigkeiten. Die Theke wurde aus Europaletten selbst gezimmert, an einem Bistrotisch hängt der freundliche, aber bestimmte Hinweis: „Bedient Euch gerne, aber räumt Euren Müll weg!“. Auf der anderen Seite steht – fast schon eine Rarität – ein Flipperautomat, wie er heute nur noch selten zu finden ist. Nebenan bildet ein Billardtisch das Zentrum des Raums, umsäumt von bequemen Ledersesseln. Kurzum: Das katholische Jugendzentrum empfängt Besucher mit einer Gemütlichkeit, die erst entsteht, wenn ein bunt zusammengewürfeltes Interieur ein stimmiges Ganzes ergibt und viele Hände an dessen Gestaltung mitwirken.

Das ist auch das Prinzip des Katho: Jugendliche und junge Erwachsene lassen sich nicht bloß unterhalten. Sie gestalten das Programm im Rahmen des offenen Jugendtreffs aktiv mit und geben sich selbst eine Agenda. „Die Ideen und deren Umsetzung kommen alle von den Jugendlichen“, sagt Katho-Leiterin Franziska Fuge. „Meine Funktion ist, dem Ganzen einen Rahmen zu geben, aber wie er ausgestaltet wird, überlasse ich den Besuchern.“ Derzeit ist das 15-köpfige Betreuer-Team, das selbst aus Katho-Besuchern besteht, dabei, ein neues Projekt umzusetzen: „Wir sind auf die Idee gekommen, den Abstellraum im Keller fürs Zocken zu nutzen“, berichtet Mike, 22 Jahre alt. Dazu muss so einiges dauerhaft umgeräumt werden und die Spielekonsole nach unten wanden.

 Der Billardtisch gehört fest zum Inventar.
Der Billardtisch gehört fest zum Inventar. Foto: Stephan Vallata
  • Der Heimat-Preis wird durch das Programm
    Auslobung in Wegberg : Heimatpreis 2022 würdigt nachahmenswerte Beispiele
  • Nicht überall in Wegberg radelt es
    Verein Klimatisch : Ideales Radwegenetz für Wegberg gesucht
  • Gemeinsam Zeit mit Gleichaltrigen verbringen und
    Ferienspiele : So sieht das Programm in Wegberg aus

Das Angebot im Jugendzentrum ist niedrigschwellig, wie es im Fachjargon heißt, und wird gemeinschaftlich organisiert: Jede Stimme zählt, es gibt keine Hierarchien oder Machtverhältnisse. Das Katho soll ein sogenannter Safer Space sein, in dem junge Menschen keine Angst haben müssen, Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft, Nationalität oder sexuellen Orientierung zu erfahren. Die Zielgruppe ist zwischen 14 und etwa 28 Jahren alt, bis zu 50 Teilnehmer zählt der offene Jugendtreff. Während der Sommerferien hat er dienstags bis freitags von 16 bis 20 Uhr geöffnet – kostenlos und ohne Anmeldung.

„Die Jugendlichen ziehen sich gegenseitig in die Einrichtung“, weiß Franziska Fuge aus Erfahrung. „Jeder hat ein eigenes, individuelles Bedürfnis: Einige wollen quatschen, andere Computer spielen oder hier einfach nur ein bisschen Zeit verbringen. Viele Kinder und Jugendliche sagen auch, dass das Katho ihr zweites Zuhause ist“, so die Sozialarbeiterin. Warum der Jugendtreff für viele Besucher eine wichtige Rolle spielt, ist ein sensibles Thema. Nicht selten haben die Jugendlichen das Gefühl, ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden zu haben. Dann wird das Katho zu einem Ort, an dem auf jeden Fall ein Platz für sie ist.

Es gibt ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Franziska Fuge die Eigeninitiative der jungen Leute weckt und sie dazu ermuntert, Verantwortung zu übernehmen: Wenn jemand eine Idee für ein eigenes Projekt hat und dieses umsetzen möchte, bekommt er für ein Jahr ein monatliches Budget von 100 Euro zur freien Verfügung. Die einzige Voraussetzung ist: Er oder sie muss zwölf Mitstreiter finden, die den Vorschlag unterstützen. „Ziel ist, dass die Kinder und Jugendlichen die Einrichtung irgendwann nicht mehr brauchen. Wenn das passiert, haben wir unseren Job gut gemacht“, sagt Franziska Fuge, die das Katho seit 2018 leitet.

Leider sei die offene Kinder- und Jugendarbeit in der Sozialpolitik nicht so präsent, wie sie es sein sollte, findet die Sozialarbeiterin. Es gebe keinen Personalschlüssel, nach dem Stellen geschaffen und besetzt würden. Zudem habe der Gesetzgeber sehr offen formuliert, welchen Auftrag die Einrichtungen erfüllen sollten, nämlich die Förderung von Kindern und Jugendlichen. „Wie diese Förderung passieren soll, ist hochindividuell und schwer greifbar.“