Kabarett mit Marc Breuer in der Wegberger Mühle

Kabarett in Wegberger Mühle : Breuers Best of: Ebenso vielseitig wie kurzweilig

In der Wegberger Mühle spielte der gebürtige Brachelener zwölf Highlights aus seinem Schaffen als kabarettistischer Solokünstler.

Jahrzehntelang war es wie in Stein gemeißelt: Josef Jackels, der bekannteste Feuerwehrmann der Region, hat den äußerst individuellen Dienstgrad des Löschmeisters inne. Nun muss jedoch umgedacht werden. Denn quasi auf seine alten Tage ist der gute Josef zum Oberlöschmeister befördert worden. Das verriet sein Mitschöpfer, Kabarettist und Comedian Marc Breuer, bei seinem Programm „Zwölf Höhepunkte mit Marc Breuer – Best of Solo 2005-2019“ in der vollbesetzten Wegberger Mühle.

In seiner Paraderolle als Josef Jackels freute sich der gebürtige Brachelener mächtig über diesen „beispiellosen Karrieresprung“, in 45 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr seine freilich erst dritte Beförderung. Auch die lauwarme Begründung seines Vorgesetzten für den „Ober“ kann Josefs Freude nicht trüben. „Es gibt bessere Fachleute als dich, aber du bist mal an der Reihe“, hat der zu ihm gesagt. Und neben Bekanntem hat Breuer noch eine weitere Neuigkeit zu Josef im Gepäck: „Er stammt aus einer sehr kinderreichen Familie. Sein Vater war Feinmechaniker, seine Mutter Holzfällerin.“

Nicht nur da sind Breuer die Lacher sicher – ebenso beim Wiedererleben in seiner weiteren Paraderolle als facettenreicher Dorfproll Richard Borowka. Auch da kre­denzt der Comedian Neues: Richard habe sich als Party-DJ speziell für Hochzeitsfeiern gerade selbstständig gemacht. „Ich hab’ mich dafür auch schon in das Gewerbe-Insolvenz-Register eingetragen“, lässt er Richard stolz erzählen.

Generell beherrscht Breuer aber eben nicht nur diese Figurencomedy, die er gut anderthalb Jahrzehnte lang gemeinsam mit Kumpel Christian Macharski geradezu meisterhaft beim legendären Rurtal Trio gespielt hat. Denn dass er auch im klassischen Standup als Kabarettist und im Poetry Slam als Geschichtenerzähler sehr, sehr festen Boden unter den Füßen hat, stellt Breuer in der Mühle ebenso unter Beweis.

So zum Beispiel bei den ebenso feinsinnigen wie ironischen Beobachtungen aus seinem Erfolgsprogramm „Omma, Prinz Charles und ich“, in dem sich Breuer der eigenen Familie annimmt. Die Fernsehgewohnheiten der Eltern und Großeltern und auch deren Sparsamkeitsfimmel (wenn es etwa darum geht, die Heizung schon lange vor Verlassen des Jugendzimmers runterzudrehen) seziert er da ebenso liebevoll wie eigene skurrile Erlebnisse aus Kindheit und Jugend.

Nicht inhaltlich, aber stilistisch knüpft daran sein Programm „Ich hab’ die Ruhe weg“ an, in dem sich Breuer – wieder höchst autobiografisch – mit dem Dasein als frischgebackener Vater in Elternzeit auseinandersetzt. „Da wird man auf einmal von einem Säugling angebrüllt – das habe ich schon damals bei der Bundeswehr nicht gut vertragen.“ Letzteres ist übrigens wieder höchst authentisch und historisch fest verbürgt.

Das dürfte auch für die Geschichte seiner recht kurzen Karriere als Pianist in ganz jungen Jahren gelten. In diesem Lesetext setzt er seinem Klavierlehrer – quasi posthum – ein ebenso liebevolles wie einfühlsames Denkmal.

Das Finale darf dann wieder Josef bestreiten – mit einer einfach umwerfend drolligen Choreografie zum ebenso putzigen Feuerwehrsong „112“. Was ein gelungener Abschluss eines sehr kurzweiligen Abends ist.

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