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Kabarett in Wegberg: Wann ist eine Frau eine Frau?

Kabarett in der Wegberger Mühle : Über die Geschlechterrollen: Wann ist eine Frau eine Frau?

In Sketchen, Liedern und solistischen Sequenzen sinnierte das Kabarett-Duo über Geschlechterrollen, Politik und Alltägliches. Ein witziger Auftritt.

Die Nähe zu den rund 80 Frauen und vereinzelten „Kerlen“ im Publikum in der Wegberger Mühle stellte das „FrauenKabarettKrefeld“ (FKK) direkt zu Beginn mit neugierigen Fragen und aktuellen Gerüchten her. Lisbeth (Helga Klingbeil-Weber) und Matta (Ute Lindemann-Degen) machten auf ihrem Weg zur Bühne vielfach Halt. „Wisst ihr schon? Peter hat eine Affäre!“, teilten die beiden ebenso mit wie: „Hast du schon gehört? Alexander spielt Golf!“ – „Dem ist ja auch die Frau abgehauen!“, teilte das Duo mit. Es gelang den beiden Frauen bestens, ihre Besucher auf den von ihnen vertretenen Wissensstand punkto Geschlechterrolle, Politik und alltäglichen Herausforderungen zu bringen. Ein Kabarett-Abend, der von der kfd-Gruppe Wegberg-Beeck organisiert worden war.

Witzig und aufrüttelnd richteten sich die Darstellerinnen mit Sketchen, Liedern und solistischen Beiträgen zur musikalischen Begleitung von Udo Degen an der Gitarre an ihre Zuhörer. Dabei nahmen sie wiederholt die Absurditäten der technologisierten Welt aufs Korn. Früher habe man Hörfunk gehört, erzählte Lisbeth. Heute hätte die Jugend auch immer etwas auf den Ohren, entgegnete Matta. Geantwortet habe man damals, wenn man gefragt wurde – in heutiger Zeit antworten sehr viele, ohne gefragt zu sein und müllten damit das Internet zu. Auch seien die philosophischen Gespräche in der Straßenbahn, in der am Telefon detailliert jedes noch so unwichtige Ereignis besprochen wird, schwer verträglich. Der trügerischen Ruhe, die die Smartphone-Nutzung bei Familien mit sich bringt, stellte Matta den Wunsch entgegen, dass Mütter und Kinder in der Straßenbahn mal wieder krakeelen und die Kinder durch Kommunikation auch wieder mehr lernen würden.

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Wiederholt rückte die Bundespolitik in den Fokus. Die Aufmerksamkeit, die CSU-Politiker suchten oder die Einführung des Frauenwahlrechts erst vor 100 Jahren. Aufrüttelnd fragten sie „das Volk“, das die Macht habe, wie mit der Partei AFD umzugehen sei. „Wir stehen auf gegen menschenverachtendes Gedankengut!“, war eine Schlussfolgerung, die auf die Fähigkeiten jedes einzelnen abzielte. Schönheitswahn, moderner Erziehung und dem Eheleben widmete sich das Duo ebenfalls ausführlich mit vielen kreativen Einfällen. So dachte Lisbeth laut über ein Fersenimplantat nach, da sie in hohen Schuhen etwas wenig Masse habe. Beide überlegten, welche vitalisierende Wirkung von Kaffee oder Lasagneresten auf müder Haut ausgeht.

Für viel Gelächter sorgte der Hinweis Mattas, dass sie laut ihrer Oma mit dem grauen, weit dehnbaren Faltenrock immer gut angezogen sei. Auch in Liedern stellten sie weibliche Belange in den Mittelpunkt und regten zum Nachdenken: „Wann ist ‚ne Frau ‚ne Frau?“, fragten sie in einer einzigartigen Grönemeyer-Version. Oder die beiden Kabarettistinnen sprachen sich gegen Überwachung durch Technologie aus und bedauerten, dass ehemalige Träume von Freiheit inzwischen in eine Cloud geschoben wurden (frei nach Reinhard Meys Hit). Nervende Essgewohnheiten oder die Liebe und das Leben im Alter trugen ebenfalls zur kurzweiligen Unterhaltung mit zwei Zugaben bei.