Johannes Donner aus Watern Vergnügtes Atelierfest

Watern · Es ist jetzt 15 Jahre her, als Künstler Johannes Donner beschloss, neue Wege zu gehen. Zum kleinen Jubiläum bat er nun in sein Atelier. Mit Künstlerfreunden ergaben sich interessante fachliche Gespräche und der Blick auf Werke.

Geert Verstappen (v.l.), Johannes Donner und Wilfried Kleiber beim Atelierjubiläum in Watern.

Geert Verstappen (v.l.), Johannes Donner und Wilfried Kleiber beim Atelierjubiläum in Watern.

Foto: Rainer Schnettler

Auf den Tag vor 15 Jahren beschloss Johannes Donner, dass sich in seinem Leben etwas ändern müsse. Nach einer Karriere als Pressefotograf und Galerist wollte er „endlich mal was nur für mich machen“, wie er sagt. Und so richtete er sich in seinem Haus am Mühltalweg in Watern ein gemütliches und funktionales Atelier ein. Hier und in den Nebenräumen zeigte er nun Werke aus den vergangenen 15 Jahren.

Es entstanden Radierungen in dieser speziellen Technik des Druckens mit Kupferplatten, Säuren und einem sehr harten Stahlgriffel. Er entdeckte viele Farbnuancen, die auf dem Material Kupfer durch Oxidieren entstehen. Die Witterung und gewisse Säuren oder Basen zaubern interessante Färbungen im Rot-, Braun- und Grünbereich. Die so angestoßenen chemischen Prozesse „malen“ das Bild sozusagen selber. Schließlich stieß Johannes Donner auf den Sand, den Gips, den Kalk, das Marmormehl als Naturstoffe, die seine Bilder immer mehr bestimmten. Das Spiel dieser feinkörnigen Materialien und der Naturpigmente wie Ocker bestimmen nun die Oberflächen und die verzauberten Farbatmosphären. 

Wenn Donner nach Umbrien in Italien fährt und dort malt, ist er in der alten Heimat der rötlich-braunen Erdfarben und der damit seit vielen Jahrhunderten gemalten Fresken. So entstehen seine eigenartig archaisch, erdig und geheimnisvoll alt aussehende Reliefs mit einer zurückhaltenden Oberflächentextur. Manches erinnert an die zufälligen Risse in einer alten, gekälkten Wand, da sind Formen versteckt, die man „heraussehen“ kann, aber nicht muss. Wie denn auch der Künstler den Betrachter seiner Arbeiten „in Ruhe lassen will“, wie er betont. Und gönnt man sich Ruhe, wird man mit einer abwechslungsreichen „Augenreise“ belohnt.

Zum Jubiläum hatte Johannes Donner zwei Künstlerfreunde eingeladen. Der eine ist Wilfried Kleiber aus Gerderath, der sich auf Edelstahl spezialisiert hat. Dieses sehr widerstandsfähige Material, mal hochglänzend, mal matt gebürstet präsentiert, wird mit speziellen, oft über hundert Jahre alten Schleifsteinen aus dem Siegerland zu einem Werk verklammert. Mit dem Schleifstein-Bruchstück ist der Kreis als Form vorgegeben, bedarf aber einer Ergänzung. Diese liefert dann die in Edelstahl gearbeitete Komplettierung. So stehen sich glattes, oft poliertes Metall als fast „ewiges“ Material und abgenutzter, abgearbeiteter und oft achtlos entsorgter Schleifstein aus Sandstein gegenüber. Dieser belebende Kontrast ist an vielen der in dem Garten von Johannes Donner aufgebauten Skulpturen zu genießen.

Der Niederländer Geert Verstappen stellt in dem Ateliergarten Donners seine künstlerisch sehr ansprechenden Metallarbeiten aus. Auf extra angefertigten Steinsockeln aus belgischem Blaustein sind sie oft drehbar angebracht: Zusammenklänge von rohem, leicht rostendem Stahl in schroffen, fast aggressiven Formen. Und daran klebend, auf ihnen reitend, sie verbindend und besänftigend gegossene Bronzeteile. Ihre Formen sind schwer zu beschreiben. Wenn Geert Verstappen sie erläutert, braucht er dazu oft keine Worte, sondern Gesten, die nachzeichnen, wie er die komplexen Bronzeformen entwickelt hat. Von einer ersten Pappschablone über eine Holzform kommt er schließlich zu einer Wachsform. Diese wird im sogenannten Wachsausschmelzverfahren, einer seit Jahrtausenden geübten Technik, in eine feste und witterungsbeständige Bronzegestalt umgewandelt. Nach dem Guss bearbeitet Geert Verstappen die rauen Bronzeoberflächen mit ungewöhnlichen und sogar im Außenraum haltbaren Farben wie Weiß oder Blau getönt. So entstehen spannende und geheimnisvolle Metallobjekte, die zwar schwer zu beschreiben sind, aber starke räumliche Kräfte ausstrahlen.

Die gut besuchte Eröffnung des Atelierjubiläums kam zwar ohne die üblichen offiziellen Eröffnungsworte aus, war dafür aber nicht weniger unterhaltsam und anregend. Zumal man sich zwischen den abwechslungsreichen Werken der drei unterschiedlichen Künstlercharaktere im Garten und Atelier herumwandern und die Werke genießen konnte.

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