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IT-Koordinator für Schulen in Wegberg erwartet "Ketchupflaschen-Effekt“

IT-Koordinator für Schulen in Wegberg : „Ich erwarte einen Ketchupflaschen-Effekt“

Als IT-Koordinator der Stadt Wegberg macht Carsten Müller die Schulen fit fürs digitale Zeitalter. Ab nächster Woche werden Glasfaseranschlüsse an allen Standorten verlegt. Müller hat einen großen Wunsch.

Seit April vergangenen Jahres ist Carsten Müller als IT-Koordinator der Stadt Wegberg im Fachbereich Bildung und Soziales für die Digitalisierung der Schulen zuständig. Zuvor hat der 43-jährige Mönchengladbacher den First Level Support eines großen Einzelhandelskonzerns geleitet. Im Interview erklärt er, warum das Gras woanders immer grüner wirkt, wie schnell das schnelle Netz kommen wird und was genau der „Ketchupflaschen-Effekt“ ist.

Digitalisierung ist als politisches Schlagwort wohlbekannt. Aber was steckt  hinter diesem Begriff?

Carsten Müller Bei der Digitalisierung geht es nicht einfach nur darum, Nutzern Geräte zur Verfügung zu stellen und sich danach wieder umzudrehen. Sondern Digitalisierung muss tatsächlich einen Mehrwert darstellen, der Prozesse vereinfacht oder auch verbesserte Rahmenbedingungen für individuellen Unterricht schafft, um auf Schüler einzeln eingehen zu können und den Lehrern mit digitalen Mitteln das richtige Handwerkszeug zu geben, um moderner unterrichten zu können.

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Wo liegen aktuell Ihre Aufgabenschwerpunkte und mit welchen Projekten beschäftigen Sie sich?

Müller Im Moment bin ich noch dabei, alle Strukturen, wie sie jetzt sind, kennenzulernen, um zu erkennen, wo es Optimierungsbedarf gibt und was wir an der betreffenden Stelle tun können. Auch wenn ich schon zehn Monate dabei bin, habe ich noch längst nicht jeden Klassenraum gesehen. Ein großes Feld, das zum Beispiel aktuell ansteht, ist die Verbesserung der Breitbandanschlüsse, seien es Telefonie oder Internetzugänge. Wir werden mit dem bestehenden Partner, der uns als Dienstleister zur Verfügung steht, ab nächster Woche Glasfaseranschlüsse an allen Schulstandorten verlegen, sodass wir dort zukunftsweisend unterwegs sind und schnelles Internet ausrollen können. Die Grundschulen in Merbeck, Wildenrath und Rath-Anhoven sowie der Kindergarten in Merbeck sind bereits ans Glasfasernetz angebunden.

Bis wann soll das schnelle Netz flächendeckend in Wegberg ausgerollt sein?

Müller Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich sagen, am liebsten gestern. Aber wir müssen uns da natürlich den realistischen Bedingungen stellen, wie schnell ein Dienstleister wie die Telekom das ganze Thema umsetzen kann. Große Wunschvorstellung ist, dass alle Arbeiten in diesem Jahr abgeschlossen werden können.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Müller Wir arbeiten in der Umsetzung eng mit der Regio IT als unserem strategischen Partner zusammen, mit dem wir auch den Netzwerkausbau planen. Hinzu kommen diverse andere Dienstleister und Lieferanten.

Wie weit ist Wegberg bei der Digitalisierung der Schulen im Vergleich zu anderen Städten in der Region?

Müller Meiner Einschätzung nach befinden wir uns im sauber gesicherten Mittelfeld und auf dem Weg nach oben. Das Gras ist sicherlich auf der anderen Seite immer grüner, denn vor Ort fallen einem Schwächen sofort auf, während die Welt in der eigenen Wahrnehmung woanders scheinbar bunter ist – das ist aber definitiv nicht richtig. Auch in anderen Städten ist längst nicht jede Schule flächendeckend mit W-lan ausgestattet. In Wegberg sind wir auf einem guten Weg. Optimierungsbedarf gibt es immer, der Ausbau digitaler Maßnahmen ist niemals zu Ende. Wenn man ein Projekt umgesetzt hat, steht das nächste schon an.

Aktuell ist der Markt für digitale Lernsoftware noch recht klein. Welche Begleiterscheinungen sind damit verbunden?

Müller Im Moment sind sehr viele einzelne Inseln vorhanden, aber wie gesagt: Wegberg ist hier auf einem guten Weg. Im Austausch mit Lehrern höre ich oft, wie es in anderen Städten läuft, und werde gefragt, warum wir das nicht in Wegberg so machen können. Das kann ich nicht konkret beantworten, weil ich die Voraussetzungen in anderen Städten nicht kenne. Hier muss örtlich entschieden werden, was in die Infrastruktur passt. Wenn eine strategische Entscheidung zum Beispiel für Apple-Geräte fällt, sind Android-Lösungen natürlich nicht umsetzbar.

Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung?

Müller Materialverfügbarkeit ist aktuell ein riesengroßer Hemmschuh, der leider eine tragende Rolle spielt. Netzwerkkomponenten suchen wir gerade händeringend, doch der Weltmarkt ist leer gefegt. Wir warten permanent auf einen Wareneingang, um die nächsten Schritte machen zu können. Ich erwarte demnächst einen Ketchupflaschen-Effekt: Im Moment bereiten wir ziemlich viel im Hintergrund vor, schütteln also an der Ketchup-Flasche. Wenn die bestellten Materialen dann eintreffen und implementiert sind, macht es auf einmal „Plöpp“ und wir gehen ganz entscheidende Schritte weiter.