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In der Beecker Kirche: Orgelmusik und Solotanz im Einklang

Außergewöhnliches in der Beecker Kirche : Orgelmusik und Solotanz im Einklang

Der Kulturförderkreis Opus 512 bot in seinem Jubiläumsjahr erneut eine außergewöhnliche Interpretation des Werks „Der Kreuzweg“ in der Beecker Kirche St. Vincentius an. Das Publikum feierte das Konzerterlebnis mit viel Beifall.

Als der Kulturförderkreis Opus 512 vor vielen Jahren erstmals die Kombination aus Solotanz zur Orgelmusik „Der Kreuzweg“ des Komponisten Marcel Dupré veranstaltete, herrschte große Aufregung. Der Auftritt räumte aber alle Bedenken beiseite und machte der Begeisterung Platz, die auch beim jetzigen Konzert am Palmsonntag in der Kirche St. Vincentius zu spüren war. Solotänzer war der in Lissabon geborene Abine Leao Ka und es spielte Organist Joachim Oehm aus Bitburg auf der Stockmann-Orgel. Er war für den erkrankten Udo Witt eingesprungen.

Geschäftsführer Heinrich Heinen begrüßte das Publikum in der gut besuchten Kirche „zu einem außergewöhnlichen Konzert“. „Tanz in der Kirche – geht das?“ hätten sich früher und heute viele gefragt. Dabei hätten die Urchristen schon während der Gottesdienste getanzt und so ihre Freude am Leben zum Ausdruck gebracht. Bei diesem Konzert gehe es jedoch um den Kreuzweg. Dessen Verfasser Marcel Dupré (1886 bis 1971) gilt als einer der letzten großen Orgel-Improvisatoren, der sich auf die musikalische Umsetzung religiöser Ideen verstand. Er hatte 1931 während eines musikalisch-literarischen Gottesdienstes zu Texten von Paul Claudel improvisiert und die Musik ein Jahr später unter dem Titel „Le Chemin de la Croix“, dem Kreuzweg mit 14 Stationen, als Opus 29 veröffentlicht. In Beeck wurden insgesamt elf Stationen thematisiert. Der Solotänzer Abine Leao Ka hatte zur Musik eine eigene Choreografie verfasst, die er in legerer Kleidung auf der Bühne vor der Orgel präsentierte. Erklärtes Ziel war, das emotionale und intellektuelle Erleben der sekundären Figuren des Dramas darzustellen. Mit raumgreifenden, fließenden Bewegungen ging er auf Tempo und Ausdruck der Improvisationen ein, kreierte ausdrucksvolle Bilder zu unterschiedlichen Stationen und erweiterte so die Chorliteratur um eine visuelle und emotionale Ebene. Zudem warf der Solist regelmäßig bewegte Schatten auf Orgel oder die Chorwand mit Kreuzigungsgruppe und ließ so die Darstellung in einer weiteren Form lebendig werden.

Eng waren dabei Tanz und Musik aneinander angelehnt. Beispielsweise bedeckte der Tänzer in der Station 6 „Veronika reicht Jesus das Schweißtuch“ sein Gesicht regelmäßig mit seinem Shirt und präsentierte den Abdruck immer wieder den Zuschauern. Organist Joachim Oehm trug dazu unter anderem Schalmei-artige, diffuse Klänge in Art von herunterrinnendem Schweiß bei. Tiefe, kräftige und zunehmend mächtiger werdende Töne drückten den Protagonisten während seiner zwei Stürze unter dem Kreuz regelrecht auf den Boden: Abine Leao Ka schleppte sich vorwärts und schleifte seine Beine nach. Den Blick hatte er dabei wie beim Empfinden einer höheren Macht oder aus Hilflosigkeit meist nach oben gerichtet. Kontrastreiche Wechsel bestimmten die Station 12, „Jesus stirbt am Kreuz“, in der das Register „Vox Humana“ ähnlich menschlicher Stimmen einen Klagegesang anstimmte. Der Tänzer entfernte sich schließlich mit brennender Kerze aus dem Sichtfeld der Zuschauer und sein Entschwinden wurde von einem anhaltenden dissonanten Ton begleitet.

Der studierte Organist, Instrumentalpädagoge, Korrepetitor und Begleiter Joachim Oehm widmet sich unter anderem dem Werk von Marcel Dupré in besonderer Weise – für ihn war es eine gelungene Premiere, mit Solotänzer aufgetreten zu sein. Das Publikum feierte das bewegende Konzerterlebnis mit anhaltendem Beifall. Es war unbestritten ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr zum 30-jährigen Bestehen des Kulturförderkreises.