1. NRW
  2. Städte
  3. Wegberg

Wegberg: Hallenbad Wegberg - ein gepflegter Oldtimer

Wegberg : Hallenbad Wegberg - ein gepflegter Oldtimer

600.000 Euro Minus macht das Wegberger Hallenbad pro Jahr. Das ist viel Geld für eine Stadt, die sparen muss. Ein Unternehmensberater zeigt auf, wie das Hallenbad dennoch erhalten und der Zuschussbedarf gesenkt werden kann.

Einen interessanten Vortrag mit erfrischend klaren Aussagen zur Zukunft des Wegberger Hallenbads erlebten die Mitglieder des Ausschusses für Tourismus, Kultur, Sport und Verkehr am Dienstag im Wegberger Rathaus. Dietmar Altenburg von der gleichnamigen und bundesweit tätigen Unternehmensberatung aus Düsseldorf präsentierte seine Untersuchungergebnisse und gab Handlungsempfehlungen. Fazit: Insgesamt ist das Grenzlandringbad gut aufgestellt, das Team um Hallenbad-Leiter Dietmar Gisbertz agiert mit sehr viel Herzblut, das Schwimmbadgebäude und das Interieur sind für ihr Alter gut erhalten - dennoch sieht der Unternehmensberater noch Verbesserungspotenzial.

Für Betreiber klassischer kommunaler Sportbäder wird das Aufrechterhalten der Sozialfunktion für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit angesichts leerer kommunaler Kassen zur Herausforderung. Der Bäderbetrieb gilt als klassisches Zuschussgeschäft. "Dabei gilt das kleine Einmaleins der Bäder-Branche: Je größer, desto teurer", sagte Dietmar Altenburg. Vor diesem Hintergrund habe man in Wegberg in der Vergangenheit schon Vieles richtig gemacht, denn dort stehe mit dem Grenzlandringbad "ein gepflegter Oldtimer mit einer richtig guten Mannschaft" zu betriebswirtschaftlich vernünftigen Konditionen zur Verfügung.

  • Das neue Jahr in ... : Wegberg
  • Willkommen in Straßburg: Wo sonst das
    Einer von 800 in Europa : Wie ein Wegberger zur EU nach Straßburg kam
  • Ein Hausarzt sitzt während einer Videosprechstunde
    Telemedizin-Projekt im Erkelenzer Land : Weiter Kritik an virtueller Sprechstunde

Die gewählte Regieform als Eigenbetrieb der Stadt sei für das zweckorientierte Wegberger Hallenbad passend. "Sie sind im Prinzip auf dem richtigen Weg", sagte Altenburg. Das ist auch notwendig, denn der Wettbewerb unter den Schwimmbädern ist hart, die Besucherzahl im Wegberger Hallenbad sank zwischen 2006 und 2017 von 110.625 auf 73.266 um 34 Prozent. Hauptkonkurrenten des Wegberger Hallenbads sind das nur acht Kilometer entfernte Erka-Bad in Erkelenz sowie das Parkbad in Wassenberg, das Schlossbad Niederrhein und das Stadtbad Rheydt, die alle 15 Kilometer entfernt sind.

Das jährliche Defizit des Wegberger Hallenbads lässt sich laut Altenburg mit mehreren Maßnahmen verringern. In seinem Strategiekonzept lautet die Zielsetzung, das Minus des Betriebsergebnisses von zurzeit jährlich 595.729 Euro auf künftig 513.343 Euro zu reduzieren.

Für verbesserungsfähig hält der Unternehmensberater die äußerliche Erscheinung und die Vermarktung des 1975 eröffneten Grenzlandringbads. "Es fehlen ein modernes Farbkonzept und eine frische Gesamtanmutung", sagte er. Außerdem verdiene die gartenartige Außenfläche eine Überarbeitung. "Stellen Sie für wenig Geld ein paar neue Spielgeräte draußen auf und machen Sie ein Gartenhallenbad mit abwechslungsreichem Wasser- und Sandspielplatz für Kleinkinder daraus. Sie werden sehen: Das funktioniert, die Leute wollen so was." Durch ein neues Beleuchtungskonzept könne man mit wenig Geld viel erreichen. "Mit LEDs lassen sich tolle Wassereffekte erzielen, auch bei Tageslicht", sagte Altenburg und schlug vor, insgesamt 250.000 Euro für alle Verbesserungsmaßnahmen in die Hand zu nehmen, "ich verspreche Ihnen, dann geht ein Ruck durch das Ganze". Dringend rät der Unternehmensberater davon ab, in der alten Cafeteria wieder Gastronomie einzurichten. "Gastro in Bädern ist tödlich", sagte er, "wenn Sie einen guten Physiotherapeuten finden, der seine Behandlung in den Räumen der früheren Cafeteria anbietet, können Sie zumindest noch ein paar zusätzliche Mieteinnahmen generieren."

Um das jährliche Minus zu verringern, schlägt Altenburg vor, die Öffnungszeiten pro Woche von derzeit 44,75 auf 40,75 zu beschränken. Werktags sollte das Bad nur noch bis 21 Uhr (bisher 21.30 Uhr) geöffnet haben, sonntags von 9 bis 15 Uhr (derzeit 8 bis 16.30 Uhr). Die Internetseite und das Marketingkonzept müssten moderner werden. Von der Idee, eine Sauna oder einen Fitnessbereich im Hallenbad einzurichten, rät Altenburg unbedingt ab. Er rechnete vor, dass dies zu einem zusätzlichen jährlichen Defizit in sechsstelliger Höhe führen würde. Eines ist dem Unternehmensberater bei seiner Analyse negativ aufgefallen: "Bei Ihnen zahlen Vereine für die Nutzung des Hallenbads fast gar nichts. Dass Einige dann auch noch kostenpflichtige Kurse an Dritte anbieten, ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung", sagte Altenburg. Die Verrechnung für die Schul- und Vereinsnutzung liege im Wegberger Hallenbad deutlich unter dem branchenüblichen Schnitt. Hier müssten in Zukunft höhere Erlöse erzielt werden.

Altenburg rät wegen der starken Konkurrenz in den Nachbarkommunen davon ab, den Eintrittspreis zu erhöhen. Einzelne Bereiche wie Reinigungsleistungen auszugliedern, hält Altenburg ebenfalls für falsch. Das derzeitige Personal-Modell des Grenzlandringbads - Reinigungskräfte in Eigenregie mit Qualifikation als Rettungsschwimmer - sei die Ideallösung. Mit drei Schwimmmeistern hält er das Personal allerdings für überqualifiziert - auch hier sieht Altenburg für die kommenden Jahre noch Einsparpotenzial.

Die Ausschussmitglieder sprachen sich einstimmig für den Erhalt des Hallenbads aus. Sie beauftragten die Stadtverwaltung, die Regelungen der Verrechnungsbeträge für Schulen und Vereine und der Eintrittsgelder zu überarbeiten und für die nächste Sitzung im Juni in einer Beschlussvorlage aufzubereiten. Die weiteren Handlungsempfehlungen sollen geprüft und später ebenfalls in einer Vorlage in die Beratung eingebracht werden.

(hec)