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Fußball: Der Unternehmer Werner Tellers krempelt den FC Wegberg-Beeck um

Fußball-Regionalliga : So krempelt Werner Tellers den FC Wegberg-Beeck um

Der Unternehmer Werner Tellers ist gerade dabei, dem designierten Regionalligisten FC Wegberg-Beeck auf allen Ebenen neue Strukturen zu geben. „Beeck ist Fußball pur“, sagt der 54-Jährige.

Seine Selbsteinschätzung, was er in Beeck vornehmlich macht, fällt kurz und knapp aus: „Ich bin der Mann, der hier die Bratwurst isst.“ Das tut Werner Tellers im Waldstadion zwar in der Tat sehr gerne, ist aber natürlich bei weitem noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn der 54-jährige gebürtige Heinsberg-Kirchhovener, der 1996 sein eigenes Straßenbau-Unternehmen gründete, mit dieser Firma und 50 Angestellten in Waldfeucht-Haaren ansässig ist und oft auch im Mönchengladbacher Raum arbeitet, ist beim FC weit mehr als der Mann für den klassischen kulinarischen Stadiongenuss.

Schon seit 2008 ist Tellers Sponsor bei den Kleeblättern – lange Zeit im kleineren Rahmen. Das änderte sich gehörig im Mai 2017. Da zeichnete sich deutlich ab, dass der FC zum zweiten Mal nach 2015 in die Regionalliga aufsteigen könnte. Problem: Der jahrzehntelange Mäzen und Vorsitzende Günter Stroinski, Ende Februar dieses Jahres verstorben, erklärte, die im Vergleich zur Mittelrheinliga erheblich höheren Fixkosten nicht mehr alleine stemmen zu können – der Aufstieg hing also am seidenen Faden. Da trat Tellers auf den Plan, erklärte, für diesen beträchtlichen Mehraufwand aufzukommen. Hintergrund: Tellers’ Tochter Lisa ist schon seit einigen Jahren mit Beecks langjährigem Stammkeeper Stefan Zabel liiert, der seit 2013 im Verein ist.

Beeck stieg nach einer mehr als passablen Hinrunde am Ende zwar direkt wieder ab, das Feuer in Tellers war aber entfacht. Der hemdsärmelige Unternehmer nennt dafür sein Schlüsselerlebnis: „Das war am 18. August 2017 das Regionalliga-Heimspiel gegen den KFC Uerdingen. Wie wir da mit unseren Feierabendfußballern den Vollprofis in der Schlussphase zugesetzt haben, uns an deren Strafraum festgesetzt haben und kurz davor waren, noch das 2:2 zu schaffen, da habe ich in Flammen gestanden“, erzählt er. So sehr, dass Tellers auf der anschließenden Fahrt in sein Wochenendhäuschen nach Holland in der Euphorie in gleich drei Radarfallen tappte. „Eigentlich weiß ich ja, wo die dort stehen“, räumt er schmunzelnd ein.

Auch nach dem Abstieg fuhr Tellers sein Engagement also nicht wieder runter – im Gegenteil. In Beeck habe er die Freude am Fußball wiedergefunden, die ihm als einst glühender Fan von Borussia Mönchengladbach (seit 2003 ist er auch dort Sponsor) in den vergangenen Jahren ein wenig abhanden gekommen sei. „Bundesliga ist mir mittlerweile zu viel Zirkus und Show. In Beeck dagegen ist es Fußball pur – mit Bratwurst, Bier und Leidenschaft. Das schätze ich über alles“, sagt Tellers.

Er ist aber nicht einfach nur ein Fußball-Romantiker, sondern verfolgt auch sehr klare Ziele. In erster Linie zusammen mit Geschäftsführer Thomas Klingen und dem Sportlichen Leiter Friedel Henßen ist er gerade dabei, den Verein umzukrempeln, ihm auf allen Ebenen neue Strukturen zu geben. So arbeiten die drei Abteilungen Senioren, Junioren und Verwaltung nun getrennt voneinander mit einem jeweils eigenen Etat, mit dem sie zwingend auch auskommen müssen. 

„Wir müssen vieles einfach kostengünstiger machen“, erläutert er. Was auch die Erste Mannschaft betreffe. Eines betont er dabei mit Nachdruck: „Alle Spieler liegen bei der monatlichen Aufwandsentschädigung unter 1000 Euro – und zwar ohne Ausnahme.“

Tellers investiert aber nicht nur in Beine, sondern auch kräftig in Steine. Das neue und mehr als doppelt so große Stadionzelt samt Kanalisation und Behinderten-Toilette ist auch sein Werk. „Im alten Zelt ohne richtige Heizung war dem Günter und mir im Winter einfach immer scheißekalt“, führt er dazu launig als Begründung an. Dazu hat er soeben den Stadion-Parkplatz komplett asphaltieren lassen. Die völlige Umgestaltung des Sponsorings sowie Etablierung von Social-Media-Elementen nennt er als weitere Aufgabenfelder. „Wir müssen einfach mit der Zeit gehen. Denn einen Satz mag ich überhaupt nicht: Das haben wir immer schon so gemacht.“

Dazu gibt es ein passendes chinesisches Sprichwort: „Wenn die Winde der Veränderung wehen, bauen die einen Mauern – und die anderen Windmühlen.“ Tellers: „Das gefällt mir sehr.“ Keine Frage, zu welcher Fraktion er sich dabei selbst zählt.

Seine Gesamtmotivation in Beeck bringt Tellers so auf den Punkt: „Wie man ein Unternehmen führt, weiß ich. Es reizt mich sehr, dass nun auch bei einem Verein zu machen und die Mitarbeiter auch hier zu motivieren.“ Zum Abschluss nimmt Tellers eine Anleihe beim früheren Schalke-Macher Rudi Assauer: „Entweder ich schaffe den FC Wegberg-Beeck – oder der FC Wegberg-Beeck schafft mich.“