Wegberg: Für Freiheit und gegen Ausgrenzung

Wegberg : Für Freiheit und gegen Ausgrenzung

200 Schüler nehmen an der Gedenkfeier vor dem Rathaus teil. Die Anwesenden erinnern ans Kriegsende vor 73 Jahren.

Jährlich im Wechsel gestalten die Schüler der drei weiterführenden Schulen "Schule am Grenzlandring" (Hauptschule), Edith-Stein-Realschule und Maximilian-Kolbe-Gymnasium eine Gedenkfeier am Gedenkstein auf dem Rathausplatz, um an die Kriegsgräuel zu erinnern. So auch gestern Morgen, als an das Kriegsende vor 73 Jahren erinnert wurde.

Diesmal waren die Gymnasiasten mit Unterstützung ihrer Lehrer an der Reihe. Bürgermeister Michael Stock begrüßte alle Anwesenden der Schulen, Verwaltung, Vereine und Politik. Geschichtslehrerin Sabine Kellenter übernahm später die Ansagen zwischen O-Tönen und Schülerbeiträgen. Rückblickend erinnerte der Bürgermeister an die Übergabe des Gedenksteins vor vier Jahren. "Gerade junge Menschen waren es, nämlich engagierte Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer des MKG, die ihre Betroffenheit über die Kriegsereignisse an diesem zentralen Ort deutlich gemacht und für uns alle in einer Inschrift in das Herzen der Stadt und damit in unser Gewissen eingemeißelt haben." Der Stein solle eine Erinnerung an die Ereignisse sein, die für alle unvorstellbar seien. "Auch in unserer Stadt haben Menschen während der NS-Zeit ihr Leben verloren, weil sie sich mutig der Unterdrückung und der Verfolgung von Menschen widersetzt haben." Abschließend wies Michael Stock auf die Aktion "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" hin.

Die "Schule am Grenzlandring" startet ihre Projektbeteiligung am kommenden Montag um 12 Uhr in der Mensa. Es handelt sich um ein bundesweites Projekt, das Jugendlichen und Pädagogen die Möglichkeit bietet, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden.

Welche Auswirkungen die Rücksichtslosigkeiten im Zweiten Weltkrieg hatten, machte Sabine Kellenter mit Ausführungen zu Erlebnissen der deutschen Jüdin Anita Lasker-Wallfisch deutlich. Sie überlebte unter anderem, da sie mit einem Gefangenentransport nach Auschwitz ins Konzentrationslager gebracht wurde und somit der Sammelselektion entging. Als 17-Jährige spielte sie dann im Lager Cello. In einem eingespielten Interviewauszug schilderte sie kurz nach ihrer Befreiung die miserablen Bedingungen, unter denen ihre Mithäftlinge und sie jahrelang gelitten hatten. Von den bitteren Erfahrungen, die Häftlinge in einem KZ im Emsland gemacht hatten, handelte das von ihnen geschriebene Lied "Die Moorsoldaten", das drei Musiklehrer des Gymnasiums sangen.

Die negativen Erlebnisse des Juden Alex Salm in der Vorkriegs- und Kriegszeit, der mit seiner Familie in Wegberg lebte, gaben die Neuntklässler des MKG mit einem Textzitat wieder. Zudem stellten sie mit aktuellen Zitaten, etwa von Politikern der Partei AfD, heraus, dass Antisemitismus und Diskriminierung auch heute präsent sind. Sich "für Freiheit und gegen Ausgrenzung jeder Art" einzusetzen, war ein Resümee, das Lehrer und Schüler zogen. Ganz nach dem Leitspruch "Frag nicht, was du getan hättest. Frag dich, was werde ich tun", der im Gedenkstein eingemeißelt ist. Stellung zu beziehen erklärten sie als wichtigen Schritt - so, wie etwa die Rockband "Die Toten Hosen" es mit dem Song "Unter den Wolken", der auf dem Rathausplatz zu hören war, getan hatten.

(cole)