Forum Wegberg: Theaterstück "4000Tage" thematisiert Koma und Amnesie

Theater im Forum Wegberg : Erinnerungslücke über 4000 Tage

In der ernsten Komödie von Peter Quilter hat ein Amnesie-Betroffener ausgerechnet die elf gemeinsamen Jahre mit seinem Lebenspartner vergessen. Ein beeindruckendes Theaterstück im Wegberger Forum.

Wie bedeutend das Gedächtnis für die eigene Identität ist, machte die Komödie „4000 Tage“ des Autors Peter Quilter auf eindrückliche und gleichsam unterhaltsame Weise deutlich. Berücksichtigt wurde der Umstand, dass eine handelnde Person eigene Entscheidungen und bewusst im Leben herbeigeführte Änderungen aufgrund ihrer Erinnerung nachvollziehen kann. Ebenso hängen viele Gefühle und die Motivation vom Erinnern ab. Eine schwierige Zeit durchlebte in dem Theaterstück des Euro-Studios Landgraf entsprechend vor allem einer der drei Protagonisten: Er war ins Koma gefallen und hatte nach dem Aufwachen ausgerechnet die vergangenen elf Jahre vergessen, die er mit seinem Lebenspartner verbracht hatte.

Was mit Michael (Raphael Grosch) geschehen war, erzählt ihm dessen Mutter Carola (Mona Seefried) nach dem Aufwachen im Krankenhausbett einer Privatklinik: Nach der Bildung eines Blutgerinnsels lag er drei Wochen lang im Koma. Sie und sein Lebensgefährte Paul (Mathias Herrmann), die vorher eine große Abneigung voreinander hatten, wachten Tag und Nacht an seiner Seite. Im Weiteren wird deutlich, dass Michael nach dem Aufwachen unter Gedächtnisverlust leidet: So hat er die gemeinsame Zeit mit Paul sowie alle anderen Ereignisse der vergangenen elf Jahre – oder 4000 Tage – vergessen. Die Mutter hegt jetzt die Hoffnung, dass beide an die davor liegende, für sie bessere Zeit, anknüpfen können.

Es waren verschiedene Bewusstseinszustände des Patienten, die im Geschehen auf der Bühne gespiegelt wurden. Zum einen lag Michael regungslos im Krankenbett, während sich Mutter und Lebensgefährte heftige Wortgefechte lieferten und sich gegenseitig von der Seite Michaels verdrängten. Als sich Paul an Michaels Seite legte, löste er einen akustischen und visuellen „Fehlalarm“ aus, was gleichzeitig die überhitzten Gefühle der Mutter darzustellen schien.

Wenig später deuteten unbestimmte, schwirrende Musikfetzen auf eine gestörte Wahrnehmung hin, fiel der Patient aus dem Bett und war orientierungslos. Gedanklich war er dabei im Jahr 2009 anstatt 2020 verhaftet. Das Zimmer, in dem er lag, war mit einer Milchglasscheibe versehen, hinter der immer wieder „Menschen vorbeieilten“ und die Silhouetten von anscheinend außerirdischen Wesen viele Lacher provozierten. Ebenso löste Michaels Auftritt auf zwei Krücken am Bühnenrand, bei dem er ein Mal mehr spitzbübischen Charme versprühte, Heiterkeit aus. Und im folgenden griff er mit dem Umbau seines Bettes, unter Einbezug weiterer Materialien, zu einer riesigen farbenfrohen Installation seine künstlerische Ader wieder auf, die er vor einigen Jahren Paul zuliebe vernachlässigt hatte. Die Brücke zur Vergangenheit stellte für das Paar schließlich ein gelbes, geschmackloses T-Shirt dar, an dass sich Michael neben weiteren Einzelheiten erinnerte.

Die Darsteller verkörperten sehr überzeugend und mit viel Spielfreude die involvierten Personen. Die rund 240 Zuschauer erlebten im Forum mit, wie eine Mutter sich um ihr Kind sorgt, gleichsam in seinem Leben wieder eine wichtigere Rolle spielen, aber auch ihre eigene Leere füllen will. Paul versuchte, seinen Partner mit alten Zeitungen und Fotos an gemeinsame Zeiten zu erinnern. Mit der Rückkehr des Gedächtnisses kehrten auch Michaels Gefühle für Paul und seine Wertschätzung für gemeinsam Erlebtes zurück und beide kamen wieder zusammen.