Wegberg: Flachsaussaat aus fröhlicher Kinderhand

Wegberg: Flachsaussaat aus fröhlicher Kinderhand

Die Schüler der dritten Klassen der Beecker Grundschule säen Flachs auf einem Ackerstück im Herzen des Dorfes.

"Klompe aan, jetz jeht et raan, domött et waaße kann!" hieß es auch in diesem Jahr, als sich die Kinder vor dem Feld versammelten. Durch die Initiative des Heimatvereines Beeck, und Georg Wimmers, erlebten die gut 50 Kinder in traditioneller Weise die Aussaat der Flachspflanzen hautnah mit. Gleich zu Beginn wurden sie mit weißen Leinenschürzen ausgestattet und soweit möglich mit passenden hölzernen "Klompe". Lautstark und inbrünstig sangen sie das plattdeutsche Lied zur Flachsaussaat, das Georg Wimmers 2005 eigens zu diesem Anlass geschrieben hatte. "Et ess so wiet, werr stond parat: Noh honget Daach ess Flachsaussaat." Der Termin stand schon lange fest, ist der Tag der Flachsaussaat doch seit Generationen für den 100. Tag des Jahres vorgesehen. Überliefert ist auch die Zeitspanne für das Keimen - nach rund 100 Stunden im Grund, kann man die Sämlinge aus dem Boden wachsen sehen. Nach weiteren 100 Tagen über dem Grund, sind die Pflanzen ausgewachsen und können geerntet werden.

Alle Anwesenden waren sehr zufrieden mit dem Wetter. Noch am Tag davor hatte es in Strömen gegossen - niemand hätte den Kindern zumuten wollen, im Regen zu säen. Auch ein zu trockener, harter Boden hätte schwerlich ein gutes Wachstum begünstigt. Doch Sonne und feuchte Erde waren optimale Bedingungen, auch wenn an den Kinderschuhen dann Dreckklumpen klebten. Vorbereitet waren drei Feldabschnitte, die die Kinder in drei Gruppen bestellten. Zunächst brachten sie eine Sorte Flachs aus, die guten und reichlichen Samen bildet. Daneben säten sie eine Art, die lange Fasern ausbildet und damit eine gute Grundlage für Leinen ergibt. Da inzwischen der Flachs hauptsächlich in den baltischen Staaten wächst, und das Saatgut entsprechend zumeist von dort bezogen wird, säte die dritte Gruppe Biosamen einer ursprünglichen norddeutschen Sorte aus.

Das Feld war gut hergerichtet, Herbert Fervers hatte den Boden bereits schön gelockert, damit die Pflanzen gut "angehen" können. Er erklärte und zeigte den Kindern, wie sie die Samen am besten in der Hand halten sollten um sie dann auf die Erde zu streuen. Damit alle konzentriert bei der Arbeit sein konnten, bekamen die "Säenden" einen kleinen Zweig zwischen die Zähne, so wie es Brauch ist. Man sagt, "der Flachs verträgt das Reden nicht". Nur in Ruhe und Konzentration ausgebracht, wird die Ernte gut. "Und damit der Flachs weiß, wie hoch er wachsen muss" darf der kniehohe Stock im Feld nicht fehlen.

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Im Sommer wird er strahlend blaue Blüten tragen. Die unterschiedlichen Sorten werden sich an Blatt und Blüte leicht unterscheiden. So werden die Kinder ihr Werk in einigen Wochen sicher interessiert betrachten können. Im August wird der Flachs dann geerntet. Dazu werden die Flachspflanzen nicht geschnitten, sondern "gerupft", also von Hand aus dem Boden gezogen. Bei dieser Art des Erntens verliert man nicht die Samen der reifen Pflanzen oder schneidet sie zu weit oberhalb des Bodens ab und verliert damit ein Stück der Flachsfasern.

Den weiteren Weg des Flachses können Kinder und Erwachsene im Flachsmuseum Beeck verfolgen. Dort wird gezeigt, wie aus der Pflanze ein Leinenstück entsteht.

(rerü)
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