Jubiläum im Wegberger EvHa 40 Jahre Jugendarbeit und soziales Lernen

Wegberg · Vor 40 Jahren öffnete das Evangelische Jugendheim seine Türen. Ebenso lange ist Leiterin Christiane Bertrams für die Kinder und Jugendlichen da. Die Jubiläen werden am Samstag im „EvHa“ gefeiert.

 Gemeinsam mit der Jugendeinrichtung, die unter "EvHa" bekannt ist, feiert auch die Leiterin Christiane Bertrams ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

Gemeinsam mit der Jugendeinrichtung, die unter "EvHa" bekannt ist, feiert auch die Leiterin Christiane Bertrams ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

Foto: Vera Straub

Christiane Bertrams ist die gute Seele des evangelischen Jugendheims, das im Februar 1984 erstmals und noch namenlos nach 19 Monaten seine Türen für Kinder und Jugendliche aus Wegberg und Umgebung öffnete. Der Jubel war groß, daran erinnert sich Christiane Bertrams, denn sie ist ebenso lange dort angestellt.

Heute ist das Haus Schalom, das unter den Jugendlichen unter dem Namen „EvHa“ bekannt ist, eine Anlaufstelle. Hier können junge Wegberger ihre Freizeit mit Freunden verbringen und an Aktionen teilnehmen. Leiterin Christiane Bertrams ist das Konzept des sozialen Lernens wichtig. „Zwar muss ich mich auch mal zurücknehmen, aber hier dürfen sich die Kinder und Jugendlichen ausprobieren und Erfahrungen sammeln.“ Sei es beim Spielen, Basteln oder gemeinsamen Kochen. „Gerade das Kochen, das Essen in Gemeinschaft ist mit das Wichtigste. Oft hat ein Kind Hunger und möchte etwas kochen und immer mehr kommen dazu und machen mit. Mit den Jahren ist diese Zeit immer wichtiger geworden, denn in vielen Familien fehlen die gemeinsamen Mahlzeiten – ohne Ablenkung von TV oder Smartphone“, weiß Bertrams.

Mit Fingerspitzengefühl und offenen Ohren für die Anliegen ihrer Schützlinge hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten ein immer wieder neues Konzept entwickelt. Derzeit gibt es an zwei Tagen, mittwochs und donnerstags, den offenen Treff, bei dem gechillt werden kann, aber auch die Holzwerkstatt hat dann geöffnet, es gibt Spielangebote oder die Jugendlichen können Playstation zocken. „Wobei die Betonung auf gemeinsam liegt“, sagt Christiane Bertrams und schmunzelt. „Wer alleine spielt, bekommt ein Zeitlimit.“ Der Dienstag gehört den Tanzgruppen, ebenso wie die Zeit von 16 bis 17 Uhr am Mittwoch. „Das ist ein Renner. Wir haben drei Hiphop-Gruppen und eine Showtanz-Gruppe, die kostenfrei auf Veranstaltungen wie jetzt an Karneval ihr Können präsentieren und Spaß haben.“ Dabei ist das Jugendheim in allen Bereichen inklusiv, auch beim Tanzen. „Wir hatten mal eine Rollstuhlfahrerin dabei, das war eine schöne Kameradschaft. Tanzen schweißt zusammen.“ Und Tanzen sei gut fürs Selbstbewusstsein: „Während in der Schule oft nach Defiziten geschaut wird, merken die Kinder hier, was sie können und was sie gut machen.“

Apropos Schule: Seit einigen Jahren kooperiert das EvHa mit der Haupt- und der Realschule. Mit Schulsozialpädagogin Birgit Foitzik und Schulseelsorgerin Klaudia Rath begleitet Christiane Bertrams die Jahrgangsstufen fünf und sechs.

Zudem ist das EvHa zertifiziertes „Faires Jugendhaus“. Um Untergeschoss gibt es die Umsonst-Boutique mit Kleidung, Schuhen, Autositzen und Co. Das alles könnte Christiane Bertrams alleine nicht stemmen. So ist sie dankbar für ihre Teamer, wie sie die älteren ehrenamtlichen Helfer nennt. Zwölf sind es derzeit. „Es wird nicht leichter für sie, sich zu engagieren. Sie haben immer weniger Zeit.“ Überhaupt kritisiere sie die „Verregelung“ von Kindern und Jugendlichen, die ihnen Raum zur Entfaltung nimmt.

Nicht mehr lange, dann wird Christiane Bertrams in den Ruhestand gehen. „Mir ist klar, dass meine Aufgabe hier in zwei, drei Jahren beendet sein wird – ich glaube aber nicht, dass ich dann weinen muss“, sagt sie. „Mir wird der Austausch mit den Kindern fehlen. Für sie ist alles so leicht, da schaue ich mir viel ab. Was mir nicht fehlen wird, sind die Verwaltungsarbeit und die Gremien.“

Christiane Bertrams ist seit der Eröffnung 1984 mit der Geschichte des „EvHa“ verbunden. Mit ihr fand man damals eine sozial engagierte Frau, die in den vergangenen 40 Jahren immer wieder bewiesen hat, dass Jugendarbeit nicht nur ein Job ist, sondern dass man mehr mitbringen muss, um von Kindern und Jugendlichen akzeptiert und geliebt zu werden. Unzählige Teamer hat sie als ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen können und ihre Arbeit wird weit über die Grenzen der Stadt Wegberg hinaus geschätzt. Sie darf gemeinsam mit dem EvHa ihr Dienstjubiläum feiern. Hierzu gratuliert ihr die Evangelische Kirchengemeinde zusammen mit den aktiven und ehemaligen Teamern.

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