Wegberg: Engagiert für Hilfsbedürftige

Wegberg : Engagiert für Hilfsbedürftige

Unter der neuen Bezeichnung "St. Martin hilft" weitet die Pfarrei ihre Unterstützung von Flüchtlingen auf jegliche Hilfesuchende aus. Beim ersten Infoabend stellten sich Beteiligte und Interessierte vor und definierten erste Ziele.

Ein gutes Netzwerk in der Flüchtlingsarbeit gibt es schon: Das hat die "Flüchtlingshilfe" der Pfarrei St. Martin im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahre aufgebaut. Sie übernahm damals die Patenschaft für die Bewohner der städtischen Unterkunft in Tüschenbroich und brachte sich unterstützend in weiteren Einrichtungen ein. Jetzt hat der Pfarrgemeinderat der Umbenennung in "St. Martin hilft" und entsprechenden Aufgabenerweiterung zugestimmt.

Die Engagierten um die Koordinatoren Willibert Jansen, Diakon René Brockers und Kaplan Michael Marx trafen sich mit motivierten Neuhelfern und Vertretern von Institutionen zum ersten Runden Tisch im ehemaligen Karmeliterkloster. "Die Situation der Flüchtlinge hat nochmals unsere Sinne dafür geschärft, dass es Menschen auch vor der Haustür gibt, die Hilfe benötigen", erläuterte Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran einen Beweggrund, das Hilfsangebot auszudehnen. "Die Arbeit mit den Flüchtlingen hat unseren Horizont geöffnet und dazu geführt, darüber hinaus helfen zu wollen", ergänzte Willibert Jansen. Einzelne Ansätze seien inzwischen vorhanden. So bringt sich "St. Martin hilft" mit Lesementoren an der Grundschule Arsbeck ein. Zudem vermittelte die Initiative in Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeiterin Birgit Foitzik einen Schüler in ein Praktikum.

Foto: Knappe Joerg

Um abzuklären, welcher Personenkreis für Hilfestellungen in Frage kommen könnte, definierte Gerd Pint, Leiter des Fachbereichs "Schule und Soziales", den Umstand, in Wegberg als arm zu gelten. So liegt der Anteil von Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren, deren Familien Sozialgeld empfangen, bei 12,2 Prozent (im Kreis bei 15,7 Prozent und in NRW bei 18,9 Prozent). Rund 107 Personen davon nehmen Leistungen nach dem "Bildungs- und Teilhabepaket" (BUT) in Anspruch: Geht man von insgesamt 244 Berechtigten aus, ergibt sich ein Anteil von 56 Prozent oder 137 jungen Menschen, die sie nicht in Anspruch nehmen. Diese Menschen müsste man erreichen, schlussfolgerte Pint. Zugleich hob er hervor, dass die Stadt bereits Wohngeld- und ältere SGB-12-Empfänger auf ihren Anspruch aufmerksam machten. In BUT enthalten ist Geld für Schulausflüge, Nachhilfe, Mittagessen oder Vereinsmitgliedschaften.

Willibert Jansen machte des Weiteren deutlich, für wen sich "St. Martin hilft" einsetzen wolle: neben Flüchtlingen in besonderem Maße für Kinder und Jugendliche sowie Menschen im mittleren Alter durch Vermittlungen und Senioren. Im Gespräch verdeutlichten die 27 Anwesenden, dass überall da, wo Bedarf von Schulen, Kirchengemeinde oder Stadt geäußert wird, ehrenamtliche Hilfe eingebracht werden soll. Nicht in Konkurrenz zur Gemeindesozialarbeit der Caritas, Arbeit der Pfarr-Caritas oder städtischen Sozialarbeit, sondern sinnvoll ergänzend. Beispielsweise durch Transportfahrten, Betreuung in den Schulen oder Einsätze dort, wo Lücken entstanden sind.

Engagieren sich für Hilfsbedürftige in Wegberg: Pfarrer Tran (o.l.), Willibert Jansen (o.r.), Kaplan Michael Marx (u.l.) und Diakon René Brockers (u.r.) von der Pfarrei St. Martin. Foto: Jürgen Laaser, Jörg Knappe
Foto: Laaser Jürgen

Als nächster Schritt im Aufbau von strukturierter und geordneter Hilfestellung ist nach den Osterferien ein Workshop zur Schulbetreuung geplant. Eine erweiterte Vernetzung mit Hilfsgruppierungen hielt die Runde als weitere Maßnahme fest.

(cole)
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