Wegberg: Einfühlsam und sehr authentisch

Wegberg: Einfühlsam und sehr authentisch

In seinem Programm "Wie der Vater, so der Sohn?" spürt das "Cicerone Ensemble" auf Einladung des Kulturförderkreises Opus 512 dem Sprichwort musikalisch nach. Mit Werken aus dem Übergang vom Barock zur Frühklassik.

Eine Änderung bei diesem 50. Kammermusikkonzert des Kulturförderkreises Opus 512 war offensichtlich: Der Flügel war in die äußerste Ecke vom Musiksaal des Vincentiushauses geschoben worden, um den Protagonisten des Abends und ihren Instrumenten Platz zu machen. Vornehmlich Andreas Gilger und sein Cembalo benötigten diesen. Zudem in geringerem Maße Adrian Cygan (Barockcello) und Thomas Wormitt (Traversflöte). Sie bildeten das "Cicerone Ensemble" - die Besonderheit, die sich der Förderkreis zum Jubiläumskammerkonzert hat einfallen lassen, wie Vorsitzender Hans-Günther Scheulen zur Begrüßung im neuen Jahr erläuterte.

Das Programm "Wie der Vater, so der Sohn?" bezogen die Musiker ganz auf die reich mit Talenten gesegnete Familie Bach. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Werken von Vater Johann Sebastian und seinen vier Söhnen darzustellen, stand dabei im Vordergrund. Wobei das Ensemble den Zuhörern im gut gefüllten Saal durch Moderation anschaulich Hintergrundinformationen mit an die Hand gab. Entsprechend ihrem Ziel, "Musik darzustellen, wie ein Fremdenführer ein altes Gemälde oder Gebäude präsentieren würde". So bedeutet auch das italienische Wort "Cicerone" Fremdenführer.

Für den direkten musikalischen Vergleich der Werke, die den Übergang vom Barock zur Frühklassik darstellten, rahmte das Ensemble die empfindsam galanten Stücke der Bach-Söhne mit den beiden großen Sonaten für Flöte und Basso continuo (B. c.) des Vaters ein. Somit stand zunächst der warme helle Flötenklang im Vordergrund, harmonisch vom feinen Cembalospiel und gefühlvoller Cellountermalung begleitet. Die eigenwillige Komponier- und Spielweise des ältesten Sohnes Wilhelm Friedemann ließen die Musiker mit dessen "Sonate F-Dur für Flöte und B. c." hören. Der Einfluss von Johann Sebastian Bach war in Spuren, etwa durch einen versteckten Kanon, vorhanden. Die Gelegenheit, das Barockcello mit einer selten vorkommenden fünften Saite zur Geltung zu bringen, ergriff das Ensemble mit der "Sonate A-Dur für Violoncello und B. c." des Drittältesten Johann Christoph Friedrich. Eine Art der Interpretation, die gut zur Stimmung des Werks passte, wie Cellist Adrian Cygan bemerkte.

Einen Eindruck vom Wirken der Söhne Carl Philipp Emanuel und des Jüngsten Johann Christian sowie von den Einflüssen, die diese erfuhren, legten die drei Instrumentalisten im Beecker Vincentiushaus mit weiteren Sonaten dar. Stets einfühlsam, gut aufeinander abgestimmt und sehr authentisch umgesetzt, so dass sie jede Menge Beifall vom Publikum erhielten. Somit konnten die mehrfach ausgezeichneten Musiker einmal mehr überzeugen.

(cole)