Serie: Leben auf dem Land: Ein Dorf, in dem etwas passiert

Serie: Leben auf dem Land: Ein Dorf, in dem etwas passiert

Gemeinsam gestalten die Menschen ihr Leben in Beeck. Auf wenige Einwohner kommen zwei Museen, ein Regionalligist, ein Fernsehstar.

Die etwa 5000 Einwohner in Beeck haben nicht einmal einen Ortsvorstand. So etwas sieht die Verwaltungsstruktur in Wegberg nicht vor. Den Ortsvorstand in Beeck brauchen die Menschen dort auch nicht, in Beeck nimmt man die Dinge selbst in die Hand.

"In Beeck hat immer alles gut funktioniert", behauptet einer, der selbst sehr viel dazu beigetragen hat, dass alles gut funktioniert. Ein Beecker "Jung", im Ort geboren, aufgewachsen, fest verwurzelt. Nicht nur während seiner beruflichen Laufbahn als Grundschulleiter hat Georg Wimmers viel für das Dorf getan. Er selbst weist das von sich, holt sofort andere ins Boot und zeigt auf die vielen, die sich im Ort engagiert haben und engagieren. Namen wie Heinz Gerichhausen (verstorben im Oktober 2016) oder Herbert Fervers fallen, die vor ihm den Weg bereitet hatten.

Herbert Fervers war früher Vorsitzender des Dorfausschusses. Foto: LAASER (ARCHIV)

"Als die sich zurückzogen, musste etwas passieren, sonst wäre alles eingeschlafen." Also traf man sich. Man, das waren die Vereinsvorstände aus Beeck, die damals ihren Dorfausschuss gründeten. Der funktioniert inzwischen weitaus besser, als ein einzelner Verwaltungsbeamter das jemals könnte. "Wir haben keine Satzung, und wir haben auch keinen Vorsitz", stellt Ex-Schulleiter Wimmers klar. Demokratisch geführte Diskussionen und gemeinsame Aktionen, die jedem Interessierten offenstehen, prägen den Dorfausschuss. In Beeck passiert was.

Als Beecker Sprössling, mit einer Ausbildung in Neuss und kurzen Tätigkeiten in Rheydt und Umgebung kehrte Wimmers bald zurück. Die Grundschule war sein Lebenswerk, die Musik hat ihn immer begleitet. Ohne Gitarre kennen ihn die Einwohner kaum. Mit ihr hat er die Menschen im Ort angezogen und um sich geschart.

Die rührige "Rentnerband" kümmert sich seit 30 Jahren um Arbeiten und Projekte im Ort. Foto: Nicole Peters (ARCHIV)

Aber der Pädagoge, der inzwischen im Ruhestand keineswegs ruhig geworden ist, hat seine Popularität auch genutzt, andere zu begeistern. Inzwischen führt er den Heimatverein, das bekannte Flachsmuseum und das in Europa einzigartige Trachtenmuseum. Nicht allein wohlgemerkt, Georg Wimmers fordert immer auch das Engagement der anderen.

"Wir müssen stärker auf die Jugend hören, was sie zu sagen hat." Und: "Wenn ein junger Mensch mit einer Idee zu mir kommt, dann sage ich: 'Mach das!'" Das Dorf ist seine Heimat, für seine Heimat engagiert er sich. Dabei übersieht Wimmers keinesfalls die negativen Entwicklungen. Das Engagement der Kirchen sei über die Jahre zurückgegangen, von der Stadt Wegberg erwartet man in Beeck nicht allzu viel, und ein besonderes Problem sei die Jugend. "Für die gibt es nichts hier", klingt wie eine Mischung aus Bitterkeit und Vorwurf an sich selbst. Beeck ist keine Oase der Glückseligkeit.

Einer, der ebenfalls seine persönliche Leidenschaft mit einem moralischen Auftrag verbindet, hat sich ein anderes Betätigungsfeld in Beeck ausgesucht. Auch Günter Stroinski betrachtet Beeck als seine Heimat. Geboren wurde er im Neusser Stadtteil Gnadental. Dort ist er aufgewachsen, hat Fußball gespielt - "Manndecker" in der Verteidigung - und seine Liebe fürs Leben kennen gelernt.

Über Mönchengladbach kam er ins Dorf, als Unternehmer war er zunächst viel unterwegs. Sein Herz schlug vornehmlich für die Borussia in Mönchengladbach. Angesprochen vom Förderkreis, wählte man den damals 38-Jährigen in den Vorstand des SC Beeck, so hieß der Verein damals noch.

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Der fußballverrückte Unternehmer stellte für den Bezirksligisten die Weichen: 1993 Aufstieg in die Landesliga, 1994 Aufstieg in die Verbandsliga, 1996 Aufstieg in die damalige Oberliga. Zwei Jahre später im Juni wurde das eigene Stadion eröffnet. "Das habe ich privat gebaut. Lediglich bei den Grundstücken hat mich die Stadt ein wenig unterstützt." Stroinski hat sich immer mehr Engagement vonseiten der Stadt Wegberg gewünscht. Zukünftiger Gesprächsbedarf besteht, weil ein Ende des Pachtvertrages zwischen Stadt und Verein absehbar ist. "Wir haben damals sogar den Vereinsnamen in FC Wegberg-Beeck umgewandelt, weil wir gedacht haben, die Stadt würde daraus etwas machen. Fehlanzeige."

Mit klaren Vorstellungen und moralischen Werten führt Stroinski den Verein. 280 Jugendliche, sieben Jugendmannschaften auf Verbandsebene und das Aushängeschild in der Regionalliga sind einzigartig in der großen Region. "Bei uns gehört der Handschlag zur Begrüßung zwingend dazu."

Und noch einer gehört zu Beeck, dessen Name das Ansehen bereichert, der selbst aber immer ein Junge aus dem Dorf geblieben ist. "Ich trage an Fronleichnam auch mal den Himmel über der Monstranz", bekennt Christian Pape, dessen Geburtshaus mit dem Dorfnamen sehr eng verknüpft ist. "Meine Karriere hat beim Messdiener-Karneval begonnen", sagt Pape, der sich als Humorist deklariert, weil alle anderen Berufsbezeichnungen nicht so recht zutreffen. In Beeck kennt ihn jeder eh nur als "Christian".

Foto: hec

Das aktive Dorfleben ist nicht so sein Ding, dazu nehmen die Bühnenauftritte und die Präsenz im Fernsehen zu viel Zeit in Anspruch. Aber bei den Schützen macht er mit, schon aus väterlicher Tradition heraus. Und Christian Pape öffnet sein Haus seinen Mitmenschen. Pape grillt, Pape macht Zirkus, der Mann ist voller Ideen. Nicht von ungefähr heißt sein Programm: "Das riecht nach Heimat". Denn der Humorist fühlt sich seinem Dorf verbunden.

Aber auch er beschreibt das Verhältnis zu Wegberg als zwiespältig. Es brauchte viel Überzeugung, bevor man vernünftig miteinander gesprochen hat und die Verwaltungsauflagen bei seinen Großveranstaltungen zu stemmen waren. Das betraf auch das denkmalgeschützte Gut, an dem er ständig herumwerkelt und das ihm dabei schon mehrere Knochenbrüche beschert hat.

"Ich höre von meinem Arbeitszimmer die Totenglocke", sagt Pape, auch mit Blick auf die Zukunft. Der Mann auf der Bühne, genauso wie der ehemalige Schulleiter und der Chef im Stadion, sie alle können sich gut vorstellen, in ihrer Heimat alt zu werden. Günter Stroinski denkt über einen Nachfolger nach, Georg Wimmers ermuntert bei jeder Gelegenheit den Nachwuchs zu eigenen Schritten. Sorgen um den Fortbestand des kulturellen Lebens im Dorf machen sie sich nicht wirklich. Dazu haben sich zu viele gefunden, die bereit sind, sich für Gemeinsamkeiten zu engagieren. "Es hängt immer nur von den Köpfen ab", ist sich Christian Pape sicher.

Für Thomas Grobecker allerdings ist nur sicher, dass er bis zur Rente durchhalten wird. Seit 2009 betreibt er das "Beecker Lädchen", die letzte Anlaufstelle für Zeitungen und Zigaretten, Postfiliale, Annahme von Reinigungs- und Mangelwäsche und kleine Geschenkideen. Außer einer Metzgerei ist das Beecker Lädchen der letzte Umschlagplatz für den wichtigen Dorfklatsch und unkomplizierte Hilfe. Was daraus in wenigen Jahren einmal wird, bleibt völlig ungewiss. Denn auch in Beeck sind die Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien und anderen Geschäfte mit den Jahren still und leise verschwunden.

(maut)