1. NRW
  2. Städte
  3. Wegberg

Dietmar Schmitz berichtet über historische Gerbereien in Wegberg

Historie der Gerbereien in Wegberg : Pferde scheuten beim Geruch der Häute

Beim Historischen Verein Wegberg berichtete Dietmar Schmitz über Hausgerbereien aus alter Zeit. Brauer beklagten den Gestank.

Traditionen aus der Arbeits- und Unternehmenswelt sind in Zeiten der Globalisierung vielfach nur noch museal zu erleben. Wegberg zum Beispiel ist die Mühlenstadt, mit Mühlen, deren Wirtschaftsbetrieb schon lange eingestellt ist. Auch die Textilindustrie-Branche ist dort eher eine Brache. Lebendig mit noch zwei Unternehmen ist das Leder-/Gerbergewerbe mit Heinen und Baltes. Auf Einladung des Historischen Vereins Wegberg (HVW) legte nun Geschichtsforscher und -autor Dietmar Schmitz in der Wegberger Mühle die Historie von Gerberei, Lederbearbeitung und -handel der Stadt dar.

Das wollten gut 50 Interessenten, die von dem HVW-Vorsitzenden Hermann-Josef Heinen begrüßt wurden, hören und auf Bildern sehen. Er möchte mit dieser Veranstaltung die Wirtschaftswelt Wegbergs beleuchten und sieht dies als Ergänzung zu den bestehenden Angeboten über historische Gebäude und andere Abläufe.

Experte Dietmar Schmitz hat sich intensiv in die Quellen über Betriebstätigkeiten staatlicher/städtischer Genehmigungsbehörden sowie in Bau- und Katasterakten eingearbeitet und dabei zutage gefördert, dass im 19. Jahrhundert zwölf Lohgerbereien im heutigen Stadtgebiet produzierten. Bissen, Beeck, Rath, und Bischofshütte waren Standorte neben der Innenstadt. Allein in dessen heutiger Fußgängerzone waren vier Betriebe tätig. Bei zweien lief der Betrieb nicht reibungslos ab, da benachbarte Bierbrauer bei Behörden und Gerichten Beschwerde und sogar Klagen eingereicht hatten. Der Grund: Von den übel riechenden Tierhaut-Bearbeitungstätigkeiten befürchteten sie Kontaminierungen ihrer Produkte. Der Gerber Johann Godfried Peters erhielt daraufhin um 1840 nur eine kleine Konzession für Kalbs- und Rinderhäute, für den Berufskollegen Hubert Adams wurde 1848 sogar ein Gericht in der Hauptstadt Berlin angerufen – sein Betrieb wurde später um zwei Häuser verlegt.

  • Mit dem Wegfall der Maskenpflicht in
    Deutliche Kritik im Gesundheitsausschuss des Kreises Heinsberg : Mehr Fälle nach Ende der Maskenpflicht
  • Das Maximilian-Kolbe-Gymnasium in Wegberg öffnet die
    Tag der offenen Tür in Wegberg : Das MKG stellt sich am 4. Dezember vor
  • Die SFZ-Gruppen richten sich auch an
    Offene Gruppen : Selbsthilfe für Suchtkranke im Erkelenzer Land

Ein anderes Beispiel über Umfeld-Umwelt-Wirkungen, was heute kurios wirkt: Ein Schmied beklagte sich als Nachbar von J. G. Peters über Umsatzeinbußen, da zu beschlagende Pferde vor den Gerbereien ob der Düfte der Häute ihrer Artverwandten scheuten und die Flucht ergriffen.

Intensiv hat sich Dietmar Schmitz auch mit der heute noch in der Fußbachstraße produzierenden Firma Heinen befasst. Sie gibt als Gründungsdatum 1891 an, wurde nach Schmitz‘ Recherchen aber bereits 1884 in Rath (-Anhoven) ins Leben gerufen. Unter den mehreren anwesenden Familienmitgliedern und Beschäftigten konnte Unternehmens-„Archivar“ Hans Kreft aufklären: Der Rather Betrieb wurde von den Brüdern Josef und Carl gegründet, die Wegberger Gerberei und Lederfabrik 1891 von Josef Heinen allein.

Dietmar Schmitz‘ Einschätzungen zufolge waren einige der im 19. Jahrhundert existierenden Betriebe auch Quellen für Nebeneinkünfte in der Winterzeit – vor allem von Landwirten, deren Hofanlagen gute Voraussetzungen für die Wässerungs- und Abfallgruben boten. Im Vergleich zu anderen Orten lag von den Wegberger Gerbereien keine einzige an einem Fließgewässer wie Schwalm oder Beeckbach. Alle hatten eigene Brunnen, wie alte Katasterkarten zeigen. Das war wohl eher der Lage der Gebäude als dem Umweltbewusstsein geschuldet.