Die alte Kornmühle von Tüschenbroich

Serie: Im Tal der Mühlen : Die alte Kornmühle von Tüschenbroich

Es gibt am ganzen Niederrhein kein zweites Revier, das derartig reich an Mühlen ist wie das Erkelenzer Land. Heute stellen wir die Tüschenbroicher Kornmühle vor.

Von Holzweiler im Süden bis Dalheim im Norden: Die Mühlenvielfalt am südlichen Niederrein ist einzigartig. Dies stellte Friedel Krings 1960 in der Serie „Wasser, Wind und Steine“ in der Veröffentlichung Heimatblick fest. Heute stellen wir die Tüschenbroicher Kornmühle vor. Den eigentlichen Grund dafür sah Friedel Krings im früheren viel gerühmten Reichtum an Flachs in der Schwalmgegend und dem nicht weniger bekannten, noch bestehenden Reichtum an Getreide der Erkelenzer Börde. Rund 55 Wasser- und Windmühlen ließen sich zu seiner Zeit nachweisen, wovon nur noch ganz wenige einigermaßen erhalten oder gar noch in Betrieb waren.

Im Jahr 1900 standen 45 Wassermühlen zehn Windmühlen gegenüber. Die Wassermühlen an der Schwalm und ihren Nebenbächen waren zumeist Ölmühlen, die mit Getreidemühlen kombiniert waren. Hierbei bildeten die Tüschenbroicher Kornmühle und Tüschenbroicher Ölmühle, die als erste hinter der Schwalmquelle liegen, die Ausnahme: Sie waren in zwei eigenständigen, rund 300 Meter voneinander entfernten Mühlengebäuden untergebracht. Beide gehören dem Typus der Adeligen Mühlen an, wie in einer bearbeiteten Version von Unterlagen des Gemeindearchivs von Wegberg in der Jubiläumschronik des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Wegberg von 1957 zu lesen ist.

Sehr besonders an der Kornmühle ist ihr oberschlächtiges Wasserrad: Es erhielt den Antrieb hauptsächlich durch die Last und den Druck des von oben, aus einer Höhe von 2,50 Metern herabstürzenden Wassers. Das Rad der Tüschenbroicher Kornmühle war bei einem Durchmesser von 2,80 Metern und einer Breite von 1,45 Metern wesentlich kleiner und gedrungener als viele unterschlächtige. Infolgedessen rotierte es schneller und kam auf 18 bis 20 Umdrehungen in der Minute.

Nach Größe und landschaftlicher Schönheit stehen die beiden Tüschenbroicher Mühlenteiche nach Meinung von Friedel Krings an der Spitze aller Weiher im Erkelenzer Land. Was damit zusammenhängen mag, dass sie zunächst mehr als Burg- denn als Mühlenweiher aufgestaut wurden. Alle Mühlenteiche waren ausnahmslos künstlich angelegt worden, um für die Wasserräder der Mühlen die nötige Antriebskraft zu gewinnen. Auf Schloss Tüschenbroich hat man schon früh mit einem Schankbetrieb an der Mühle die Kasse aufgebessert. Wilhelm Gellissen wurde 1862 von der königlichen Regierung die Konzession für eine Schankwirtschaft erteilt. Ein gastronomischer Betrieb ist mit dem Restaurant „Tüschenbroicher Mühle“ ununterbrochen bis heute erhalten. Der Mahlbetrieb wurde 1940 eingestellt.

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