Der Feuerwehr-Weltmeister trainiert in Wegberg

An der Feuerwache Wegberg : Workout mit dem Weltmeister

Weltmeister Joachim Posanz gilt als „Toughest Firefighter Alive“. In Wegberg trainierte er mit Feuerwehrleuten.

„3, 2, 1, Workout“ – schallt es über den Vorplatz der Wegberger Feuerwehrwache. Der Countdown kündigt das nächste Intervall an. Dahinter steckt ein Trainingsprogramm für Feuerwehrleute und Fitnessbegeisterte, geleitet durch Welt- und Europameister Joachim Posanz.

„Das Workout beansprucht den ganzen Körper, nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch koordinative Fähigkeiten sind wichtig“, erläutert er vor dem Start. Mit einer gewissen Grundfitness könne man die Übungen selbst ausprobieren, unabhängig von Leistungsniveau, zusätzliche Gewichte ermöglichen verschiedene Schwierigkeitsgrade. Gerade für Feuerwehrleute, für die das Workout speziell entwickelt wurde, dient es zur Einsatzvorbereitung, weshalb die Wegberger Trainingsgruppe die Übungen teils in Einsatzkleidung absolviert. So könne man die Bewegungsabläufe direkt mit Equipment lernen, denn das kann beispielsweise in der Rückwärtsbewegung bei einer Personenbergung einen großen Unterschied machen, erklärt Posanz.

Neben den Teilnehmern der Wegberger Feuerwehr sind Kameraden aus Wassenberg und Heinsberg sowie vom THW und dem Rettungsdienst vor Ort. Zudem war fitnessinteressierten Bürgern die Möglichkeit geboten worden, sich für das Training zu bewerben.

Nach einer kurzen Einweisung geht es für die Trainingsgruppe los: „Wir starten mit den ‚Animals‘“, erklärt Joachim Posanz den Wehrleuten. Die den Tieren nachempfundenen Bewegungen dienen dem Aufwärmen aller Muskelgruppen und so folgen bildhaft auf das Krokodil der Affe und die Raupe. Daran schließt sich das eigentliche Workout an, ein funktionelles Training für den ganzen Körper.

Einen Parcours mit zehn Stationen absolvieren die Zweier-Teams. Diese orientieren sich dabei eng an tatsächlichen Situationen, die ein Feuerwehrmann täglich erleben kann. Ein Timer gibt die Zeitintervalle von Workout- und Erholungsphase vor, so dass Posanz mitmachen und den Teilnehmenden Tipps und Hilfestellungen geben kann. „Die genaue Ausführung der Übungen ist vor allem bei einseitiger Belastung sehr wichtig“, sagt er.

Für die Übungen hat Posanz Feuerwehrequipment zweckentfremdet. So gilt es beispielsweise Leitern zu stemmen, mit Gewichten und Atemgerät auf dem Rücken durch einen wellenförmig ausgelegten Schlauch zu tippeln oder einen Dummy aus Schläuchen zu bergen. Gegen Ende zeichnen sich die Spuren des Workouts auf den Gesichtern ab, kommen die Teilnehmer doch unter ihrer Einsatzkleidung ins Schwitzen.

„Die Übungen waren leicht zu lernen und der Schweregrad individuell anpassbar, so kann man seinen Fitnessgrad testen und an seine Grenzen gehen“, resümiert Alexander Karls, der Marathonläufer war, und von Frau und Kindern zum Vatertag für das Training angemeldet wurde.

Posanz selbst kam ursprünglich als Quereinsteiger über einen Freund zur Berufsfeuerwehr nach Göttingen und suchte dort von Anfang an die besonderen Herausforderungen. Im internationalen Feuerwehrsport-Wettbewerb um den Titel „Toughest Firefighter Alive“ hat er sie gefunden, denn dort gehen Feuerwehrleute aus der ganzen Welt an ihre Grenzen. Wann immer es seine Bereitschaftszeit als Hauptbrandmeister erlaubt, trainiert er für die sportlichen Feuerwehrwettkämpfe. Dort sind wie im Einsatz körperliche und mentale Stärke gefordert. Was ihn fit hält wollte er mit anderen Feuerwehrleuten und Fitnessbegeisterten teilen: Vor gut drei Wochen hat er mit Co-Autor Jan Finken sein eigenes Buch veröffentlicht, aus dem auch die der Wegberger Trainingsgruppe vorgestellten Übungen stammen.

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