Das Wegberger Modell speziell für Senioren vereint "Wohlbefinden auf Rezept" und "Positive Gesundheit"

Informationsabend "Wegberger Modell" : Für mehr Wohlbefinden im Quartier

Wegberg möchte als seniorenfreundliche Gemeinde mit dem „Wegberger Modell“ die Gesundheit von Menschen jeden Alters durch soziale Einbindung verbessern. So gibt es „Wohlbefinden auf Rezept“ und eine „Positive Gesundheit“.

Als Teilnehmerin des Projekts „Seniorenfreundliche Gemeinden in der Euregio Maas-Rhein“ hat die Stadt Wegberg als Ansatz für eine Verbesserung der Lebenssituation in den eigenen Quartieren die Kombination zweier Aktivitäten als besonders geeignet erkannt. Liegt der übergeordnete Schwerpunkt des Projekts auf der psychischen Gesundheit mit Blick auf Demenz oder Altersdepressionen, sollen im „Wegberger Modell“ die Aspekte „Wohlbefinden auf Rezept“ und „Positive Gesundheit“ zusammen eine wichtige Rolle für gesteigertes Wohlbefinden von Menschen aller Altersgruppen in den Quartieren spielen.

Marjet Vanderstraeten, Präventionsarbeiterin von West Limburg, und Karl-Heinz Grimm, Diplom-Pflegewissenschaftler und Mitarbeiter beim Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg, stellten in einem Informationsabend vor rund zwei Dutzend Besuchern in der Wegberger Mühle Einzelheiten vor. Quartiersmanager Lothar Esser führte dabei zunächst nach Begrüßung durch Bürgermeister Michael Stock aus, dass innerhalb des Projekts „Seniorenfreundliche Gemeinden“ bereits mehrere Aktionen wie eine Schulung von Verwaltungsmitarbeitern sowie einer Beecker Grundschulklasse zum Umgang mit demenziell veränderten Menschen durchgeführt wurden. Darüber hinaus ist der Start der Initiative „Telefonstar“ geplant – zum Anrufen einsamer Mitbürger werden noch Ehrenamtliche gesucht.

Für die an diesem Abend thematisierten Maßnahmen „Wohlbefinden auf Rezept“ und „Positive Gesundheit“ habe Wegberg sich entschieden, da sie sehr gut zusammenpassen, sagte Esser. Das von Ärzten, Sozialarbeitern und weiteren Erstversorgern verschriebene Wohlbefinden geht auf Artikel 107 des Belgischen Krankenhausgesetzes – „Sozialisierung der Pflege“ – zurück, legte die Referentin mit Übersetzung durch Karl-Heinz Grimm dar. Durch soziale Eingliederung von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung soll ein Rückgang stationärer Aufenthalte erreicht und psychische Gesundheit gefördert werden. „Social Prescribing“ umfasst dabei die Möglichkeit für professionell Tätige, Menschen per Rezept zu ermutigen, das lokale Angebot der sozialen Teilhabe zu nutzen.

Um die Betroffenen mit nicht-medizinischen, vagen psychosozialen Beschwerden wie depressiver Stimmung oder innerem Stress bei der Aufnahme von Aktivitäten wie Bewegung, Naturerkundung oder Kulturbesuch zu unterstützen, steht ihnen ein so genannter „Well-being-Coach“ (englisch für „Wohlfühl-Trainer“) für Beratung und Gespräche begleitend zur Seite.

Das Konzept „Positive Gesundheit“ soll dabei als strukturierendes Element dienen, führte Karl-Heinz Grimm aus. Die Niederländerin Machteld Huber hat es entwickelt, indem sie zunächst den Gesundheitsbegriff der WHO erweiterte. Sie geht davon aus, dass Gesundheit mehr die Fähigkeit zur Anpassung, um gut leben zu können, denn ein Selbstzweck ist.

Sie entwickelte „Positive Gesundheit“ aufgrund individueller Indikatoren und übersetzte es in eine praktische Gesprächsmöglichkeit: Zusammen mit betroffenen Personen wird grafisch eine Gesundheitsoberfläche erstellt und überlegt, welche Bereiche einer Änderung bedürfen. Dabei kommt die Rolle des Coaches je nach Selbstständigkeit der Person zum Tragen.

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